EVP-Politiker Weber und Stubb | Bildquelle: picture alliance/dpa

EVP-Spitzenkandidatur Brückenbauer gegen Marathonläufer

Stand: 08.11.2018 00:15 Uhr

Europas Konservative entscheiden heute über ihren Spitzenkandidaten für die Europawahl 2019. Der gewiefte CSU-Politiker Weber tritt gegen den charismatischen Finnen Stubb an.

Von Holger Romann, ARD-Studio Brüssel

Sie sind ungefähr gleich alt, kamen beide 2004 zum ersten Mal nach Brüssel, und sie streben das mächtigste Amt in der EU an, das des Kommissionschefs. Doch damit erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten schon fast. Ein Außenstehender käme jedenfalls nicht sofort auf die Idee, dass der bodenständige, bisweilen ein wenig bieder, ja hölzern wirkende Manfred Weber aus Wildenberg in Niederbayern und der hippe, weltgewandte Finne Alexander Stubb derselben Parteienfamilie angehören könnten - geschweige denn derselben Generation.

Markus Preiß, WDR Brüssel zzt. Helsinki, über die Spitzenkandidaten für die Europawahl
tagesschau 12:00 Uhr, 08.11.2018

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Stubb ist der etwas ältere der beiden Kontrahenten. Er schafft es trotzdem, ein ganzes Stück jugendlicher und dynamischer rüberzukommen. Stubb versucht, den Gegensatz der beiden Politiker kleinzureden: "Der Unterschied zwischen Manfred und mir ist wahrscheinlich, dass er in der Europäischen Volkspartei gemäßigt mitte-rechts steht. Ich dagegen eher mitte-links, sozialliberal. Wir sind aber gute Freunde und werden eine sehr positive Kampagne haben."

Stubb für "Null Toleranz mit den Intoleranten"

Bei aller skandinavischen Höflichkeit: Was Werdegang, Stil und europapolitische Vorstellungen betrifft, trennt den 50-jährigen Stubb einiges vom 46-jährigen Christsozialen Weber. Nicht nur, dass Stubb alle drei Amtssprachen der EU fließend spricht: Englisch, Französisch und Deutsch. Er hat auch, im Gegensatz zu Weber, bereits in verschiedenen Funktionen Regierungserfahrung gesammelt und bewegt sich souverän auf dem diplomatischen Parkett und in den sozialen Netzwerken.

EVP-Politiker Alexander Stubb | Bildquelle: AFP
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EVP-Politiker Alexander Stubb hat Regierungserfahrung und spricht die drei EU-Amtssprachen.

Während der Rivale aus Süddeutschland gern auf seine katholisch-konservativen Wurzeln verweist und als oberstes Ziel angibt, er wolle ein "Brückenbauer" sein und die auseinander driftende EU zusammenhalten, gibt sich der Hobby-Triathlet und Technik-Freak Stubb deutlich weniger versöhnlich. Für pragmatische Kompromisse in Kernfragen wie Migration, Grenzschutz oder Finanzen plädiert zwar auch er. Doch die populistischen Feinde Europas wolle er "frontal" und auf allen Bühnen stellen, verspricht der Finne. Seine Devise: "Null Toleranz mit den Intoleranten."

"Ich bin bereit, auf die Barrikaden zu gehen"

Stubb sagt: "Ich glaube, dass die europäischen Werte derzeit unter Beschuss stehen, von außen wie von innen. Sogar in unserer eigenen Partei", fügt er hinzu. "Wenn wir nicht an unseren Grundwerten festhalten, an dem, wofür wir stehen in der EU - also Menschenrechte, Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit, Demokratie und Herrschaft des Rechts - dann haben wir gar nichts. Ich bin bereit, auf die Barrikaden zu gehen, um diese Prinzipien zu verteidigen."

Mit seiner energisch vorgetragenen Kampfansage lenkt Stubb den Fokus geschickt auf die Gretchenfrage in der Europäischen Volkspartei, die für seinen Gegenspieler zum Lackmustest werden könnte. Sie lautet: Wie hältst Du's mit Viktor Orban?

Weber setzt auf Druck und Dialog

Während der finnische Ex-Premier den ungarischen Regierungschef und dessen rechtsnationale Fidesz-Partei notfalls aus der EVP rauswerfen würde, wenn sie ihren Anti-EU-Kurs in Rechtsstaatsfragen nicht bald korrigieren, setzt der Taktiker Weber auf Druck und Dialog: So stimmte er im EU-Parlament unlängst dafür, gegen Ungarn ein Sanktionsverfahren nach Artikel 7 anzustrengen.

Brechen will Weber mit dem schwierigen Partner in Budapest vorerst aber nicht. Er sagt: "Partnerschaftlich miteinander. Wenn Viktor Orban zustimmt, wenn Sebastian Kurz zustimmt, wenn wir in Europa einen Konsens von 28 Staaten hinkriegen, dann ist das eine gute Grundlage, auf der wir auch in Deutschland Lösungen finden."

CSU-Politiker Manfred Weber | Bildquelle: JOSE MANUEL VIDAL/EPA-EFE/REX/Sh
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CSU-Politiker Manfred Weber gilt als gewiefter Strippenzieher, der es als EVP-Fraktionschef versteht, Mehrheiten zu organisieren.

Webers auffällige Beißhemmung, wenn es um den Fall Orban geht, hat ihm von Freund und Feind viel Kritik eingetragen. Doch die Rücksichtnahme kommt nicht von ungefähr. Zum einen bringt der CSU-Vize von Haus aus mehr Verständnis für osteuropäische Befindlichkeiten auf, etwa in der Flüchtlingspolitik. Zum andern weiß der gewiefte Fraktionsführer der Konservativen sehr genau, dass es im Rennen um das begehrte Amt des Kommissionspräsidenten nicht nur auf Profil und Selbstdarstellung ankommt, sondern vor allen auf Konsens - und dass am Ende jede Stimme zählt.

"Wenn wir wollen, dass das Ganze funktioniert, dürfen wir nicht nur egoistisch denken. Sondern wir müssen auch lernen, ein bisschen europäisch zu denken. Das ist ein schwieriger Schritt, das verstehe ich. Aber das wird eine der Aufgaben sein."

Mehr Rückhalt für Weber

Auch wenn Weber mit dem Marathonläufer Stubb in puncto Charisma und Temperament nur schwer mithalten kann, hat der selbsternannte Brückenbauer aus Niederbayern die besseren Chancen, Spitzenkandidat der Christdemokraten bei der nächsten EU-Wahl 2019 zu werden.

In Partei und Fraktion ist der akribische Strippenzieher erheblich besser vernetzt als der Außenseiter aus Finnland. Den Brüsseler Apparat kennt er aus dem FF. Als Deutscher verfügt Weber zudem über das mit Abstand größte Stimmenreservoir. Hinzu kommt, dass er nicht nur den Rückhalt der inzwischen geschwächten Kanzlerin genießt, sondern angeblich den aller acht Staats- und Regierungschefs aus dem EVP-Lager.

Dass sich Webers größter Wunsch erfüllt und er im kommenden Jahr den Luxemburger Jean-Claude Juncker an der Spitze der EU-Kommission beerben kann, ist dennoch alles andere als sicher. Und das nicht nur, weil ein Deutscher in dieser Schlüsselposition noch immer als schwer vermittelbar gilt.

Verbündete für Erfolg 2019 nötig

Selbst wenn die EVP nach 2014 wieder stärkste Kraft werden sollte, braucht sie in jedem Fall Verbündete, die ihrem Bewerber zur nötigen Mehrheit verhelfen. Und das dürfte mit Blick auf aktuelle Umfragen diesmal schwerer fallen. Je nach Ausgang der Europawahlen werden die Karten im Mai 2019 völlig neu gemischt.

Dann könnte Webers Stern rasch sinken und die Stunde starker Konkurrenten aus anderen Parteifamilien schlagen. Mit der Liberalen Margrethe Vestager aus Dänemark oder dem Sozialdemokraten Frans Timmermans aus den Niederlanden stehen mindestens zwei attraktive Mitbewerber bereit.

Weber oder Stubb - EVP wählt Kandidaten
Holger Romann, ARD Brüssel
08.11.2018 00:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. November 2018 um 04:55 Uhr.

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