Ein Junge sitzt in Helsinki zu Hause an einem Tisch und schreibt in einem Schulheft. | Bildquelle: dpa

Schweden, Estland und Finnland Unterricht am Laptop

Stand: 18.03.2020 13:46 Uhr

Auch ganz im Norden Europas haben die meisten Schulen wegen des Coronavirus geschlossen. Doch der Unterricht geht in Schweden, Finnland und Estland am Laptop weiter. Das hat aber nicht nur Vorteile.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Seit drei Tagen hat Matthias Burghardt seine Schülerinnen und Schüler nicht mehr gesehen. Der Deutsche ist Lehrer für Religion und Philosophie in Estland. Die Schulen sind geschlossen, aber der Unterricht geht weiter - zu Hause am Laptop:

"Ich setze mich morgens hin und schreibe lange Briefe an meine Schülerinnen und Schüler", erzählt Burghardt. "Ich schicke ihnen das, was wir in der Stunde lernen wollen. Es gibt auch einen Stundenplan, den ich Anfang der Woche schon rumschicke und ihnen dann Fragen stelle und dazu Material zur Verfügung stelle."

Estlands Schulen schon lange digital

Ganz neu ist das für ihn nicht, denn schon seit Jahren werden hier über ein Online-Portal Hausaufgaben erledigt, korrigiert und Noten vergeben. Schon Ende der 1990er-Jahre hat Estland massiv auf digitalen Ausbau gesetzt. Und das zahlt sich jetzt aus in der Krise.

Jedoch: Hin und wieder ruckelt das System etwas, denn einen solchen Stresstest gab es noch nie: 153.000 Kinder loggen sich zurzeit von zu Hause aus ein. 

Fernunterricht in Schweden

Auch die Schweden haben inzwischen beschlossen, die Schule für die Schüler ab der 10. Klasse zu schließen - aber der Unterricht geht natürlich auch hier weiter. Ein schwedischer Schüler ist zwiegespalten:

"Es ist schon ganz schön, nicht in die Schule zu müssen und zu Hause arbeiten zu können", sagt er. "Aber irgendwann wird das sicher langweilig, und es ist auch schwerer, im Netz an Informationen zu kommen als im direkten Kontakt."

Die schwedische Schulbehörde hat eine Informationsseite für Pädagogen ins Netz gestellt: Hier sind Anleitungen für einen gelungenen Fernunterricht zu finden sowie massenweise digitale Unterrichtsmaterialien. Außerdem sollen sie sich unter dem Hashtag "Skola hemma" - "Schule zu Hause" - in den sozialen Netzwerken austauschen und Beispiele im Land verbreiten.

Computer ersetzen keine Lehrer

Die Schweden sind ambitioniert. Alles, was in Krisenzeiten nicht geschafft werde, falle trotzdem nicht unter den Tisch, sagt der Leiter der Schulbehörde Peter Frederikson: "Es gibt eine vorgeschriebene Unterrichtszeit, und wenn die jetzt nicht eingehalten wird, muss nachgearbeitet werden. Das kann dann an den Nachmittagen sein, am Wochenende oder auch in der eigentlichen Ferienzeit."

Auch wenn die Länder im Norden den Deutschen immer eine digitale Nasenlänge voraus sind: Auch hier wird der Unterricht in Corona-Zeiten nicht reibungslos weitergehen können. Computer könnten Lehrkräfte nicht in allem ersetzen, sagt Jaakko Salo von der finnischen Lehrergewerkschaft:

"Man darf nicht vergessen, dass die Schüler sehr unterschiedlich sind. Wenn man zum Beispiel Aufgaben gibt, dann wird die Herausforderung sein, dass manche Schüler recht selbstständig arbeiten können. Aber wir haben in jeder Klasse Schüler, die ständig Hilfe brauchen."

Wiedersehen per Videokonferenz

Und Schule ist nicht nur Stoff vermitteln, Schule ist so viel mehr. Darüber machen sich die digital gut entwickelten nordischen Länder auch ihre Gedanken. Die finnische Bildungsministerin Li Andersson hat darauf hingewiesen, dass die Schule für manche Kinder der einzige Ort ist, an dem sie eine warme Mahlzeit bekommen.

Zurück bei Burghardt in Estland. Am Wochenende steht bei ihm eine Premiere an: Er wird seine Klasse wiedersehen, wenn alles klappt: "Am Wochenende gibt es die Videokonferenz, in der ich alle meine 25 Schüler, die ich in einem Kurs habe, in einen Videoraum einlade. Da wollen wir dann mal sehen, ob es klappt. Aber die Schulbehörde ist ganz entspannt. Die sagen: Wenn es nicht klappt, dann lernen wir daraus und versuchen es nächstes Mal so zu machen, das es klappt."

Digitales Klassenzimmer: Unterricht in Estland, Schweden und Finnland
Sofie Donges, N-JOY
18.03.2020 13:36 Uhr

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