Proteste in London | dpa

Demos von rechten und linken Gruppen Gewalt bei Protesten in London und Paris

Stand: 13.06.2020 20:42 Uhr

Wieder sind weltweit in vielen Städten Tausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu protestieren. Schwerpunkte waren London und Paris. Hier kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Ausgelöst durch den Tod des Schwarzen George Floyd in den USA haben weltweit Menschen gegen Rassismus demonstriert. Schwerpunkte der Demonstrationen waren London und Paris.

Im Zentrum der britischen Hauptstadt kam es bei einer Gegendemonstration rechtsextremer Gruppen zu Zusammenstößen mit der Polizei. Tausende Menschen missachteten die wegen der Corona-Pandemie geltenden Beschränkungen rund um den Parliament Square. Auf Fernsehbildern waren gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei zu sehen. Einige Demonstranten gingen auf die Beamten los, warfen Flaschen, Dosen und Rauchbomben und riefen "England".

"Gewalt wird nicht toleriert"

Innenministerin Priti Patel sprach von "absolut inakzeptablem, rücksichtslosem Verhalten". Die Täter müssten mit der "vollen Kraft des Gesetzes rechnen". Gewalt gegen die Polizei werde nicht toleriert. Überdies bleibe das Coronavirus eine "Gefahr für uns alle", die Demonstranten sollten "nach Hause gehen".

Londons Bürgermeister Sadiq Khan twitterte, es sei klar, dass rechtsextreme Gruppen für die Gewalt verantwortlich seien. Er rief dazu auf, sich von den Demonstrationen fernzuhalten.

Obwohl der ursprünglich für heute geplante Protest der "Black Lives Matter" Bewegung bereits am Freitag stattgefunden hatte, um Auseinandersetzungen mit rechtsextremen Gruppen zu vermeiden, versammelten sich mehrere hundert Rechtsextreme im Hyde Park, um anschließend zum Parlament zu ziehen.

Die Demonstranten trafen sich in der Nähe des Parlaments rund um Statuen, um diese vor möglichen Angriffen zu "schützen". Mehrere Londoner Denkmäler waren vorsorglich verpackt, darunter eine Statue von Winston Churchill, auf die jemand zuletzt das Wort "Rassist" geschrieben hatte. Zuvor waren andere Statuen bereits zur Zielscheibe geworden.

Tränengaseinsatz in Paris

Auch in Frankreich gingen in allen größeren Städten die Menschen auf die Straßen, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren. In Paris folgten mehrere tausend Demonstranten einem Aufruf zum Protest gegen den Tod des jungen Schwarzen Adama Traoré im Polizeigewahrsam 2016. Seine Schwester Assa Traoré verlangte erneut eine Untersuchung zum Tod des 24-Jährigen. 

In Paris kam es ebenfalls zu Zusammenstößen, nachdem Wurfgeschosse auf die Beamten flogen. Die Polizei ging daraufhin mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. Weitere Kundgebungen wurden aus Marseille, Lyon, Montpellier und Bordeaux gemeldet. 

Proteste in Paris | AP

Tausende Menschen in Paris protestieren gegen Polizeigewalt. Bild: AP

Bereits am vergangenen Wochenende waren in Frankreich 23.000 Menschen gegen Polizeigewalt auf die Straße gegangen. Die Proteste entzündeten sich an einer neuen Untersuchung, die Polizisten für den Erstickungstod von Adama Traoré in einer Pariser Vorstadt verantwortlich macht. Viele der Demonstranten sehen Parallelen zum Tod Floyds in den USA.

Proteste in Australien, Taipeh und Tokio

Proteste gab es außerdem in Australien. Trotz Warnungen wegen der Corona-Pandemie versammelten sich landesweit tausende Menschen zu Protesten gegen Rassismus. Australien kämpft mit einer von ethnischer Ungleichheit geprägten Vergangenheit durch die Unterdrückung der Aborigines. 

Auch in Taiwans Hauptstadt Taipeh versammelten sich Hunderte Menschen zum Gedenken an Floyd und anderer Opfer von Polizeigewalt in den USA. Kniend legten sie mehr als acht Schweigeminuten ein, um an den Tod des Schwarzen zu erinnern. In Tokio protestierten Dutzende Menschen trotz Regens gegen Rassendiskriminierung.  

Der Tod von George Floyd am 25. Mai hatte weltweit Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst. Floyd war in Minneapolis bei einem brutalen Polizeieinsatz ums Leben gekommen, als ein weißer Polizist ihm minutenlang das Knie auf den Nacken drückte, obwohl der Festgenommene wiederholt sagte, er bekomme keine Luft mehr.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Juni 2020 um 17:50 Uhr und um 20:00 Uhr.