Demonstrationen in Tunesiens Hauptstadt Tunis | MOHAMED MESSARA/EPA-EFE/Shutters

Erneute Proteste Tunesische Polizei setzt Tränengas ein

Stand: 20.01.2021 10:21 Uhr

In Tunesien sind erneut Tausende Demonstrierende gegen die Regierung auf die Straße gegangen. Dabei kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei. Ministerpräsident Mechichi sprach von einer "wirklichen Krise".

Bei Protesten in Tunesiens Hauptstadt Tunis haben am Abend wieder Tausende junge Menschen ihre Wut über die schlechte wirtschaftliche Lage und Perspektivlosigkeit zum Ausdruck gebracht. Sie forderten den Rücktritt der Regierung. Es kam erneut zu Konfrontationen zwischen Polizisten und Demonstrierenden. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Ministerpräsident Hichem Mechichi räumte in einer Rede ein, dass es im Land eine "wirkliche Krise" gebe. Die Wut der Menschen sei berechtigt, der Protest legitim. Gleichzeitig verurteilte er die Gewalt. Der Staat werde mit aller "Macht des Gesetzes" gegen Chaos vorgehen, sagte der Regierungschef.

Jugendliche trotzen Ausgangssperre

Seit Freitag kommt es in verschiedenen Städten landesweit zu Protesten. Vor allem Gruppen von Jugendlichen waren dort trotz der nächtlichen Corona-Ausgangssperre auf die Straßen gezogen. Die Demonstrationen verliefen zum Teil gewaltsam. Insgesamt waren mehr als 600 Menschen festgenommen worden. In Sousse, Bizerte, Kasserine und Siliana ist inzwischen auch die Armee im Einsatz, um Polizei und Regierungsgebäude zu schützen. Ein Sprecher des tunesischen Innenministeriums warf den Gruppen "kriminelle Handlungen und Plünderungen" vor.

In der vergangenen Woche hatte sich die Flucht von Ex-Präsident Zine El Abidine Ben Ali am 14. Januar 2011 zum zehnten Mal gejährt. Tunesien gilt als das einzige Land des "Arabischen Frühlings", das die Revolution in einen demokratischen Prozess umwandeln konnte.  

Das Land leidet jedoch unter einer tiefen Wirtschaftskrise, die vor allem die Jüngeren trifft. In einigen Regionen liegt die Jugendarbeitslosenquote bei rund 30 Prozent. Die Corona-Pandemie hat die Lage verschärft.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Januar 2021 um 06:30 Uhr.