Karte: Sudan mit Darfur

Konflikt im Sudan Neue Gewalt in Darfur

Stand: 27.07.2020 15:13 Uhr

Bei bewaffneten Übergriffen in der sudanesischen Krisenregion Darfur sind mindestens 80 Menschen getötet worden. Die Armee des Landes entsendet ihre Truppen - während das Mandat der UN-Friedensmission ausläuft.

Jahrelang war die Region Darfur im Westen des Sudan Schauplatz eines blutigen Völkermords. Die neue Regierung versprach Frieden - doch nun bricht die Gewalt wieder aus. Wie das UN-Nothilfebüro OCHA mitteilte, sei es in der Region in den vergangenen Tagen zu mindestens sieben gewaltsamen Übergriffen mit 80 Toten gekommen.

Wer für die Gewalttaten verantwortlich war, blieb zunächst unklar. Allein im Dorf Masteri an der Grenze zum Tschad seien mehr als 60 Menschen getötet und weitere 60 verletzt worden, als 500 bewaffnete Männer angriffen, so OCHA. Bei einem weiteren Angriff auf das Dorf Aboudos wurden dem Bürgermeister der Region zufolge 20 Menschen getötet.

Wegen der Angriffe müssten etliche Menschen mitten in der Erntezeit fliehen und würden so ihre Lebensgrundlage verlieren. Die humanitäre Not würde ansteigen, heißt es im UN-Bericht.

Völkermord in Darfur

Als Reaktion erklärte der sudanesische Ministerpräsident Abdalla Hamok laut einem Bericht des britischen Senders BBC, er wolle zusätzliche Soldaten zum Schutz der Bölkerung in die Region entsenden. Man wolle Stabilität und Sicherheit für die Bewohner von Darfur, sagte er.

Weitere Details nannte der Regierungschef nicht. In der Region Darfur war es in den Jahren 2003 bis 2008 zu einem blutigen Konflikt gekommen, der Schätzungen zufolge 300.000 Menschen zum Opfer fielen. Rebellengruppen kämpften für mehr politische Mitbestimmung, die Armee unter dem damaligen Präsidenten Omar Al-Baschir und verbündete arabische Milizen schlugen die Aufstände brutal nieder.

Millionen Menschen verließen ihre Heimat; noch immer sind laut UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR rund 1,6 Millionen Menschen auf der Flucht.

UN-Mission endet

Der Ex-Präsident Al-Baschir wird im Zusammenhang mit diese Gewalttaten vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag per Haftbefehl unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht.

Im Sudan wurde er kürzlich wegen Korruption verurteilt. Ob er ausgeliefert wird, ist unklar. Im Jahr 2007 hatten die Vereinten Nationen die Friedensmission UNAMID (United Nations Mission in Darfur) nach Darfur entsandt. Zeitweise waren knapp 2500 Blauhelme in der Region stationiert. Im Juni hatte der UN-Sicherheitsrat nun entschieden, die Mission von kommenden Jahr an abzuziehen. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Juli 2020 um 20:00 Uhr.

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