Die dänische Nationalelf bei der WM in Russland | Bildquelle: REUTERS

Dänemarks Nationalelf "Tüchtige Jungs mit großen Fußballherzen"

Stand: 04.09.2018 18:02 Uhr

Die dänische Fußball-Nationalelf ist im Ausstand. Im Streit um Sponsorenverträge verweigern die Spieler den Einsatz. Damit Dänemark nicht aus den Wettbewerben fällt, dürfen nun Spieler der unteren Ligen ran.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Katastrophe vermieden, trotzdem eine Riesenblamage: Dänemark tritt zum Testspiel gegen die Slowakei und womöglich auch zum Nations-League-Match am Sonntag gegen Wales mit einer "alternativen" Nationalmannschaft an. Es sind 23 Kicker aus unterklassigen Vereinen. Der dänische Fußballverband DBU musste sie eiligst zusammensuchen, nachdem das komplette A-Team inklusive Trainerstab abgesagt hatte.

Verbandssprecher Claus Bretton-Meyer bestätigte die Not-Lösung: "Wir haben eine Mannschaft aus Spielern der 1. und 2. Division zusammengestellt, tüchtige Jungs mit großem Fußballherzen, die gerne spielen wollen. Wir hatten auch Spieler aus der Superliga, aber denen haben wir empfohlen, nicht mitzufahren angesichts der Schikanen, die sie dann zu befürchten hätten."

Streit um Sponsorenverträge

Hintergrund ist der Streit zwischen A-Spielern und dem Verband um einen neuen Vertrag und letztlich wohl auch um sehr viel Geld. Die Spieler wollen künftig eigene Sponsorenverträge selbst mit Konkurrenten der Verbandssponsoren abschließen dürfen. Sie hatten angeboten, die Frist zum Vertragsabschluss um einen Monat zu verlängern, um diesen Boykott zu vermeiden.

Der Verband lehnte ab und spricht nun von einer "bedauerlichen Situation für die Mannschaft, die Fans und den dänischen Fußball". Der Verband würde Bretton-Meyer zufolge in vielen Bereichen in die Steinzeit zurück versetzt, sollte auch nur ein Spiel aufgrund des Boykotts der A-Nationalmannschaft ausfallen.

Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte die dänische Frauen-Nationalelf ebenfalls wegen Vertragsstreitigkeiten mit dem Verband ein WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden platzen lassen. Die UEFA hatte daraufhin mit Konsequenzen gedroht. Die Rede war und ist von einer Millionenstrafe oder sogar vom Ausschluss aus der Europameisterschaft 2020.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. September 2018 um 18:00 Uhr.

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