Ein Mann benutzt die beleuchtete Tastatur eines Notebooks. | dpa

Cyber-Attacke auf die USA Das gab es so noch nie

Stand: 19.12.2020 04:09 Uhr

Die groß angelegte - und äußerst erfolgreiche - Cyberattacke auf die USA löst im Land Entsetzen aus. Warum konnten die Angreifer unerkannt auf so sensible Netzwerke zugreifen?

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Wer sind sie, was wollen sie, und wie wird man sie wieder los? Drei Fragen, auf die es noch keine verlässlichen Antworten gibt. Und das macht den Cyber-Angriff für die USA so beunruhigend. "Das ist eine Echtzeit-Katastrophe, die abläuft, während wir hier sprechen", so umschrieb es Senator Angus King, Mitglied des Geheimdienstausschusses, gestern bei CNN. Und Andrew McCabe, der frühere stellvertretende FBI-Chef nannte es eine "fundamental andere Art von Attacke", als sie bisher in der Cyber-Sphäre beobachtet worden sei.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Einig sind sich die Experten, dass es sich um den größten Einbruch aller Zeit handelt. Klar ist auch, dass sich wenigstens seit März Hacker mithilfe von Software-Updates über die Firma SolarWinds Zugang in IT-Systeme verschafft haben. 18.000 Unternehmen in der ganzen Welt sind betroffen, Stand heute. Und womöglich haben die Hacker auch noch andere Wege genutzt.

Viele Regierungsbehörden betroffen

"Das hat unsere Wirtschaft einem Risiko ausgesetzt und unsere nationale Sicherheit in Gefahr gebracht", sagte Brad Smith, der Präsident des Software-Konzerns Microsoft im Sender PBS. 40 seiner Kunden sind betroffen, viele Ministerien und Regierungsbehörden in den USA infiltriert, darunter das Außen- und das Finanzministerium, Gesundheitsbehörden sowie das Energieministerium und die nationale Atomsicherheitsbehörde, die den Bestand an Nuklearwaffen beaufsichtigt.

 

Vermutet wird, dass die russische Regierung hinter dem Angriff steht. Vladimir Putin allerdings hat schon dementiert. Unklar ist auch, was die Hacker bezwecken. Stehlen sie nur Informationen? Oder pflanzen sie Schadsoftware in sensible Systeme? Handelt es sich um einen Angriff oder um Spionage?

Es ist tiefster Winter in den USA, sorgte sich Senator King: "Was, wenn sich der Angriff gegen die Gaspipelines richten würde? Oder die Stromversorgung? Oder gegen die Luftsicherung?“

Trump reagiert nicht

Wer sich bisher nicht geäußert hat, ist Präsident Trump. Parteiübergreifend fordern Senatoren ihn auf, ein Gesetz zu unterschreiben, das auf seinem Schreibtisch liegt und ihrer Auffassung nach böswillige Cyber-Aktivitäten verhindern und die Sicherheit verbessern würde. Aber Trump macht bisher keine Anstalten.

Den Eindringling aus den betroffenen Systemen zu entfernen, werde eine hochkomplexe Angelegenheit, so die Einschätzung der Cybersicherheitsbehörde Cisa. Die Opfer zu identifizieren und die Netzwerke zu säubern, das werde Wochen bis Monate dauern, vermutet Brad Smith, der Microsoft-Präsident. "Die größte Langzeitherausforderung, die den Rest unseres Lebens einnehmen wird", sagt er, bestehe für die USA als Nation darin, dauernd kreativ zu sein - weil ihre Feinde kreativ seien.

Joe Biden, der neue Präsident, kündigte an, seine Regierung werde Cyber-Sicherheit zu einer hohen Priorität machen. Solche Angriffe werde er nicht unbeantwortet lassen, in Abstimmung mit den Verbündeten.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. Dezember 2020 um 08:11 Uhr.