Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude in Istanbul, in dem der Cumhuriyet-Prozess stattfindet. | Bildquelle: AFP

Prozess in der Türkei U-Haft für "Cumhuriyet"-Mitarbeiter verlängert

Stand: 25.12.2017 18:30 Uhr

Vier Mitarbeiter der regierungskritischen türkischen Zeitung "Cumhuriyet" bleiben vorerst in Untersuchungshaft. Das entschied ein Gericht in Istanbul. Die Anhörung im umstrittenen Prozess war zuvor unterbrochen worden, als einer der Angeklagten Gericht und Regierung heftig kritisierte.

Nach der fünften Anhörung ist der umstrittene Prozess gegen 17 Mitarbeiter der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" vertagt worden. Vier der Angeklagten bleiben bis zur Fortsetzung ihres Strafprozesses wegen Terrorpropaganda bis mindestens März in Untersuchungshaft. Dies hat ein Gericht in Istanbul entschieden. Die nächste Anhörung findet am 9. März statt.

Die Anhörung war zuvor nach einem Eklat vorübergehend unterbrochen worden. Richter Abdurrahman Orkun Dag ließ den Angeklagten Ahmet Sik aus dem Saal bringen, nachdem dieser bei seiner Verteidigung die Regierung kritisiert hatte. Sik hatte das Verfahren als politisch motiviert angeprangert und die Regierung als diktatorisches Regime bezeichnet. Unterstützer Siks riefen daraufhin: "Auch ihr werdet alle eines Tages vor Gericht gestellt werden." Nachdem Sik aus dem Saal gebracht wurde, weigerte sich der mitangeklagte Chefredakteur Murat Sabuncu aus Protest, mit dem Gericht zu sprechen.

Die meisten Angeklagten schon freigelassen

Sabuncu, der Herausgeber Akin Atalay und weitere Mitarbeiter waren im Oktober 2016 festgenommen worden. Später wurden der Investigativjournalist Sik und der Buchhalter der Zeitung, Yusuf Emre Iper, festgenommen. Am 24. Juli 2017 begann der Prozess.

Während die meisten Angeklagten bei den ersten Anhörungen für die Dauer des Prozesses freigelassen wurden, sitzen Sabuncu, Atalay, Sik und Iper nun weiter in Haft. Insgesamt 17 Journalisten und Mitarbeiter der traditionsreichen Zeitung sind der "Unterstützung von Terrororganisationen" angeklagt. Ihnen werden Verbindungen zum islamischen Prediger Fethullah Gülen nachgesagt, der von Präsident Recep Tayyip Erdogan für den Putschversuch von Juli 2016 verantwortlich macht. Ihnen drohen bis zu 43 Jahre Haft.

Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude in Istanbul, in dem der Cumhuriyet-Prozess stattfindet. | Bildquelle: AFP
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Vor dem Istanbuler Justizpalast Caglayan versammelten sich Dutzende Unterstützer und forderten auf Plakaten unter anderem "Gerechtigkeit für alle Journalisten".

Proteste vor Istanbuler Justizpalast

Die Angeklagten weisen alle Vorwürfe zurück. Auch viele Unterstützer betrachten den Prozess als politisch motiviert.

Vor dem Istanbuler Justizpalast Caglayan versammelten sich am Morgen Dutzende Unterstützer und forderten auf Plakaten unter anderem "Gerechtigkeit für alle Journalisten". Einige hielten die Titelseite der aktuellen "Cumhuriyet" hoch, auf der steht: "Gerechtigkeit sofort."

Seit dem versuchten Militärputsch wurden in der Türkei mehr als 55.000 Menschen unter dem Verdacht festgenommen, zur Gülen-Bewegung zu gehören, darunter Hunderte Oppositionelle, Journalisten, Akademiker und andere regierungskritische Intellektuelle.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Dezember 2017 um 19:00 Uhr.

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