Die Sonne geht hinter dem Kohlekraftwerk Mehrum und Hochspannungsleitungen im Landkreis Peine auf. | dpa

Folgen der Corona-Pandemie Rekord-Rückgang bei CO2-Emissionen

Stand: 11.12.2020 08:44 Uhr

Heruntergefahrene Fabriken und zusammengestrichene Flugpläne: Durch die weltweiten Lockdowns im Zuge der Corona-Pandemie sind auch die CO2-Emissionen in diesem Jahr deutlich gesunken - vermutlich nur ein kurzer Trend.

Das Jahr 2020 wird auch als das Jahr verzeichnet werden, in dem es einen Rekord-Rückgang an CO2-Emissionen gegeben hat. Grund ist auch hier die Corona-Pandemie, in der weltweit zeitweise die Wirtschaft heruntergefahren worden war.

Sieben Prozent weniger CO2-Ausstoß

Laut dem Forschungsnetzwerk "Global Carbon Project" ging der Ausstoß von Kohlendioxid aus der Verbrennung von Kohle, Gas und Öl in diesem Jahr um sieben Prozent im Vergleich zu 2019 zurück. Die Menge sank um 2,4 Milliarden Tonnen auf jetzt 34 Milliarden Tonnen CO2. In den USA (minus 12 Prozent) und in der EU (minus 11 Prozent) war der Rückgang der CO2-Emissionen besonders groß.

Laut der Studie handelt es sich um einen Rekordwert verglichen mit früheren signifikanten Rückgängen etwa 1981 und 2009 mit jeweils 0,5 Milliarden Tonnen oder 1945 mit 0,9 Milliarden Tonnen Kohlendioxid.

Größter Anteil beim Verkehr

Der Sektor mit dem größten Emissionsrückgang war dem Bericht zufolge der Verkehr und hier vor allem die Luftfahrt. Dort sank der CO2-Ausstoß weltweit um 22 Prozent, in manchen Ländern mit besonderen Lockdown-Maßnahmen sogar um 30 Prozent.

"Hier trafen verringerte Emissionen aus der Kohlenutzung und die Auswirkungen der pandemiebedingten Beschränkungen zusammen", sagte Julia Pongratz von der Ludwig-Maximilians-Universität München, eine der Autorinnen der Studie. Bereits zuvor sei der Ausstoß langsamer als in den Vorjahren gewachsen, mit der Corona-Pandemie seien die Emissionen nun deutlich gesunken.

Sprunghafter Wiederanstieg nicht ausgeschlossen

Ob der Rückgang der Emissionen sich in der Zukunft fortsetzt, sei derzeit noch nicht abzuschätzen, warnt das Team unter Leitung von Pierre Friedlingstein von der University of Exeter in Großbritannien. Nach dem Rückgang der Emissionen wegen der globalen Finanzkrise seien die Emissionen 2010 sprungartig um fünf Prozent angestiegen, als sich die Wirtschaft erholte. Es bestehe die Befürchtung, dass auch 2021 ein sprunghafter Anstieg der CO2-Emissionen geschehe. Im Oktober 2020 sei bereits schon wieder eine Annäherung an das Niveau von 2019 zu beobachten gewesen.

Mehr Anstrengungen für Pariser Klimaziele notwendig

Es müssten jedoch bis 2030 jedes Jahr ein bis zwei Milliarden Tonnen CO2 weltweit eingespart werden, um die Pariser Klimazielvorgaben nicht zu überschreiten, mahnten die Autorinnen und Autoren der Studie. Auch die Vereinten Nationen warnten diese Woche bereits, dass der für 2020 zu erwartende starke Rückgang der Emissionen einen "zu vernachlässigenden" Effekt auf die Langzeittrends der Erderwärmung habe. Nach UN-Schätzungen müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen in diesem Jahrzehnt jedes Jahr um 7,6 Prozent sinken, um das Pariser Klimaabkommen umzusetzen. 

Klimafreundliche Politik ist möglich

Ermutigend finden die Forscher den Nachweis, dass eine klimafreundliche Politik bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum möglich ist. In den Jahren 2010 bis 2019 gingen die fossilen CO2-Emissionen bereits in 24 Staaten mit wachsenden Volkswirtschaften deutlich zurück, darunter in Deutschland, 14 weiteren EU-Staaten, Großbritannien, den USA und Japan.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Dezember 2020 um 03:00 Uhr in den Nachrichten.