Sicherheitsbeamte in Peking | dpa

Neuartiges Coronavirus Peking räumt Fehler ein

Stand: 04.02.2020 04:25 Uhr

Immer mehr Ansteckungen mit dem Coronavirus: Die chinesische Führung in Peking räumt nun Fehler ein. Das Notfallmanagement habe Mängel gezeigt. Mit strengen Maßnahmen versucht China, das Virus in den Griff zu bekommen.

Angesichts einer steigenden Zahl von Infektionsfällen mit dem Coronavirus hat die chinesische Führung Fehler im Umgang mit der Krankheit eingeräumt. Aus dem Ständigen Ausschuss des Politbüros der regierenden Kommunistischen Partei hieß es, die Reaktion auf die Coronavirus-Epidemie habe Mängel und Schwierigkeiten beim nationalen Notfallmanagement offenbart.

Maskenpflicht für mehr als 300 Millionen Menschen

Chinas Staatschef Xi Jinping sagte, eine Eindämmung der Epidemie werde direkten Einfluss auf die wirtschaftliche und soziale Stabilität seines Landes haben. China versucht, die Krankheit mit strengen Maßnahmen aufzuhalten: Für mehr als 300 Millionen Menschen in bestimmten Provinzen und Städten gilt eine Schutzmaskenpflicht.

Die Masken werden jedoch vielerorts knapp. Nach Angaben des Industrieministeriums versucht Peking, Schutzmaterial aus Europa, Japan und den USA zu importieren. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, Deutschland sei bereit, "nach Kräften zu helfen."

Verbreitung neues Coronavirus

Bestätigte Fälle gibt es bislang (Stand 03.02.) in China, Frankreich, Deutschland, Italien, Finnland, Nepal, Vietnam, Thailand, Taiwan, Singapur, Malaysia, Kambodscha, Südkorea, Japan, Philippinen, Sri Lanka, Indien, Vereinigte Arabische Emirate, Russland, Großbritannien, Schweden, Spanien, Australien, USA und Kanada.

Nach offiziellen Angaben aus Peking sind inzwischen mehr als 20.000 Menschen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. 425 Infizierte seien gestorben.

Erste Notfallklinik in Wuhan eröffnet

In der Stadt Wuhan, die die meisten Infektionsfälle verzeichnet, hat inzwischen das erste von zwei in Schnellbauweise fertiggestellten Krankenhäusern eröffnet. Das Huoshenshan-Hospital hat 1000 Betten, in denen 1400 Spezialkräfte des Militärs Erkrankte und Menschen in Quarantäne behandeln sollen. Ein zweites Hospital in der Stadt soll am Mittwoch eröffnet werden.

Höhepunkt der Epidemie erst später erwartet

Inzwischen erwarten chinesische Fachleute den Höhepunkt der Epidemie Mitte Februar. Der Chef des nationalen Expertenteams, Zhong Nanshan, korrigierte damit seine bisherige Einschätzung, in der er den Höhepunkt auf das Ende dieser Woche datiert hatte.

G7 stimmen sich ab

Die Gesundheitsminister der sieben großen Industriestaaten (G7) verabredeten eine möglichst weitgehende Abstimmung im Kampf gegen das Virus. Das teilte der deutsche Ressortchef Jens Spahn nach Beratungen mit seinen Kollegen mit. Demnach geht es insbesondere um das Vorgehen bei den Reisebestimmungen und Vorsichtsmaßnahmen. Auch bei der Erforschung des neuen Virus und bei der Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation WHO, der EU und China setzen die G7 nach Angaben des Ministeriums auf Zusammenarbeit.

In Deutschland nun zwölf Infizierte

Aus Deutschland wurden der elfte und der zwölfte Infektionsfall gemeldet. Laut dem bayerischen Gesundheitsministerium ist ein weiteres Kind eines Mitarbeiters des Autozulieferers Webasto betroffen, außerdem ein Kollege des Mannes. Damit sind in Bayern zehn Krankheitsfälle bekannt, hinzu kommen die beiden Infizierten in der Frankfurter Uni-Klinik, die mit einer Bundeswehrmaschine aus China zurückgeholt wurden. Allen gehe es soweit gut, heißt es.

Taiwan wartet ab - Börse auf Talfahrt

Auch die Regierung Taiwans erwägt inzwischen offenbar, Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Coronavirus zu ergreifen - dort gibt es bislang zehn Ansteckungsfälle. Präsidentin Tsai Ing-wen teilte mit, man beobachte die Auswirkungen des Virus auf Taiwan und die Weltwirtschaft und werde entsprechende Schritte einleiten.

Infolge des Coronavirus stürzten die Börsen am ersten Handelstag nach den Feiertagen um das asiatische Neujahrsfest ab: Die Börse in Shanghai lag 8,1 Prozent im Minus.

Um eine Panik an den Handelshäusern abzuwenden, setzte die chinesische Regierung auf eine Reihe von Wirtschaftsmaßnahmen, einschließlich einer unerwarteten Senkung des Leitzinses. Zusätzlich pumpte die People's Bank of China (PBOC) insgesamt 1,2 Billionen Yuan (umgerechnet etwa 154 Milliarden Euro) in die Geldmärkte.

Die Lufthansa teilte mit, dass sie einige Städte in China erst im April wieder anfliegen wird. Zunächst hatte die Airline die Flüge nur bis zum 9. Februar gestrichen.

Zweites Todesopfer außerhalb Festlandchinas

Erstmals ist in Hongkong ein Mensch an den Folgen des neuen Coronavirus gestorben. Es handele sich um einen 39-Jährigen, der sich im zentralchinesischen Wuhan aufgehalten hatte, das als Zentrum des Ausbruchs gilt, teilte die für Krankenhäuser zuständige Behörde der Sonderverwaltungszone mit. Demnach klagte der Mann zunächst über Muskelschmerzen, dann über Fieber und wurde auf einer Isolierstation behandelt.

Den Angaben zufolge war er am 21. Januar mit dem Zug nach Wuhan aufgebrochen und zwei Tage später nach Hongkong zurückgekehrt. Der verstorbene Patient war der 13. bestätigte Coronavirusfall in Hongkong und das zweite Todesopfer außerhalb Festlandchinas. Erst am Wochenende hatten die Philippinen gemeldet, dass ein 44-jähriger Chinese den Folgen des Virus erlegen sei.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin um 05:38 und 05:40 Uhr und die tagesschau am 03. Februar 2020 um 20:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Mass Effect 03.02.2020 • 23:49 Uhr

23:29 von IBELIN @ 22:22 von andererseits

Dem stimme ich zu 100% zu.