Ein Mann trägt eine Gesichtsmaske. | Bildquelle: AFP

Coronavirus in China Gelähmtes Land

Stand: 12.02.2020 09:25 Uhr

Das Coronavirus hat große Teile Chinas quasi lahmgelegt: Viele Unternehmen bleiben geschlossen, weil Mitarbeiter nicht zurückkehren oder in Quarantäne müssen. Und selbst kurz Einkaufen kann zum Risiko werden.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Eine rot-weiße Schranke, davor etwa zehn Wachmänner mit einer roten Binde am Arm. Pingfang heißt das Wohnviertel am Stadtrand von Peking. Eigentlich wohnen hier Tausende Wanderarbeiter in einfachen Unterkünften. Aber viele sind nach dem Frühlingsfest nicht aus ihren Heimatdörfern zurückgekehrt, weil sie nicht dürfen.

Nur wenige an die Arbeitsorte zurückgekehrt

Die Auflagen sind wegen des Coronavrus hoch, bestätigt ein Wachmann durch seinen Mundschutz. "Alle, die Peking verlassen haben, müssen jetzt eine Erlaubnis von ihrem Vermieter beantragen. Dann müssen sie 14 Tage in Quarantäne und können danach die Erlaubnis erhalten, wieder normal rauszugehen."

Der Vermieter trägt mit seiner Erlaubnis die Verantwortung für die Quarantäne seiner Mieter. Wenn etwas schief geht, haftet er mit. Viele sagen ihren Mietern deshalb einfach, dass sie vorerst zuhause in ihren Dörfern bleiben müssen. Laut Pekinger Transportbehörde haben mehr als zehn Millionen Menschen die Hauptstadt vor dem Frühlingsfest im Januar verlassen, nur zwei Millionen sind bislang zurückgekehrt.

Viele Unternehmen bleiben geschlossen

Der Arbeiter Zhu Weimin hatte am Morgen das Wohnviertel mit dem Auto verlassen, jetzt wird er nicht mehr zurückgelassen. Genervt sitzt auf bei offener Tür auf dem Beifahrersitz. "Ich habe denen gesagt, ich fahre nur kurz raus, um was einzukaufen. Der Wachmann hat gesagt, kein Problem, ich könne gehen. Jetzt darf ich nicht zurück, ich müsse eine Erlaubnis für meine eigene Wohnung beantragen, sagen sie. Ich habe meinen Vermieter schon informiert. Wenn ich die Erlaubnis nicht bekomme, kann ich nicht zurück."

Wenn Millionen Menschen nicht zurückkehren, fehlt es an Arbeitskräften. In Peking ist das offensichtlich. Die meisten Restaurants und Geschäfte haben weiter geschlossen. Auch wenn der Zwangsurlaub offiziell seit Montag vorbei ist, fehlt es an Kellnern, Köchen, Verkäufern, Lieferboten und vielen anderen Arbeitskräften. Auch viele mittlere und größere Unternehmen sowie internationale Handelsketten bleiben geschlossen.

Fahrradfahrer mit Mundschutz in Peking | Bildquelle: dpa
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Die Menschen in China dürfen seit dieser Woche wieder arbeiten, doch viele Läden haben weiterhin geschlossen.

Rückkehrer aus Wuhan sollen in Quarantänedorf

Besonders heikel ist die Rückkehr der Arbeiter aus der am meisten betroffenen Provinz Hubei. Dort sind bislang rund 75 Prozent aller weltweiten Infektionen mit dem Coronavirus aufgetreten. In Changying, einem Stadtteil von Peking, baut der Bezirk gerade ein Quarantänedorf. Xu Wei zeigt auf die weißen Wellblechhütten mit rotem Fensterrahmen. Für ein staatliches Bauunternehmen organisiert er das Quarantänedorf mit vorerst 39 Zimmern.

"Die Rückkehrer aus Wuhan und der Provinz Hubei sollen hier einige Zeit unter Quarantäne bleiben", berichtet er. "Die meisten meiner Arbeiter können derzeit nicht zurückkommen. Das beeinflusst unsere Arbeit sehr, nicht so wichtige Bauarbeiten haben wir schon auf März verschoben", so Xu Wei. Viele blieben jetzt lieber in ihren Provinzen und kommen erst zurück, wenn sich die Situation verbessert habe.

Normalisierung erst im April erwartet

Wann die Situation aber besser wird, lässt sich weiter nur mutmaßen. Regierungsberater Zhong Nanshan gilt als international anerkannter Spezialist für Atemwegserkrankungen. Er äußerte sich optimistisch, dass die Zahl der Neuinfektionen noch in diesem Monat sinken werde und der Höhepunkt damit erreicht sei. In einigen Provinzen sei das bereits der Fall.

Die Situation werde sich aber erst im April wieder normalisieren. Ein Hauptproblem sei weiter, dass man immer noch nicht genau weiß, warum das Coronavirus so ansteckend ist.

Coronavirus in China: ein Land lähmt sich weiter selbst
Axel Dorloff, ARD Peking
12.02.2020 07:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtet WDR 5 im Morgenecho am 12. Februar 2020 um 07:17 Uhr.

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