Wartende Passagiere sitzen in ausgewiesenen Bereichen am Bahnhof Misrod in der Nähe von Bhopal in Indien.  | Bildquelle: SANJEEV GUPTA/EPA-EFE/Shuttersto

Malaria-Mittel gegen Corona Indien ignoriert WHO-Warnung

Stand: 27.05.2020 11:54 Uhr

Forscher warnen eindringlich vor den Nebenwirkungen von Hydroxychloroquin. Trotzdem will Indien das Medikament in der Corona-Krise einsetzen - zur Vorbeugung. In dem Land wurden inzwischen mehr als 150.000 Infektionen erfasst.

Trotz der Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor möglichen Gesundheitsrisiken beim Einsatz von Hydroxychloroquin haben indische Wissenschaftler das Mittel offiziell für den Kampf gegen die Corona-Pandemie empfohlen. Indische Studien hätten ergeben, dass Hydroxychloroquin "keine größeren Nebenwirkungen" habe, erklärte die oberste biomedizinische Forschungseinrichtung des Landes.

Das Malaria-Medikament verursache "keinen Schaden" und "könne vielleicht Nutzen haben", sagte der Generaldirektor des Indischen Rats für Medizinische Forschung (ICMR), Balram Bhargava. Die Einrichtung ist bei den Maßnahmen der indischen Regierung gegen die Ausbreitung des Virus federführend. Das ICMR empfiehlt das Malaria-Mittel zur Vorbeugung: Personal des Gesundheitswesens soll die Arznei bis zu mehrere Wochen lang einnehmen - allerdings unter strenger medizinischer Aufsicht. Aus Indien kommen 70 Prozent der weltweiten Produktion von Hydroxychloroquin.

Indien auf dem Weg zum neuen Corona-Hotspot
tagesschau 17:00 Uhr, 27.05.2020, Peter Gerhardt, ARD Neu-Delhi

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Arznei erhöht möglicherweise das Sterberisiko

Die WHO hatte bekanntgegeben, ihre klinischen Tests von Hydroxychloroquin wegen Sicherheitsbedenken vorübergehend gestoppt zu haben. Ein Forschungsteam der Harvard Medical School in Boston und des Universitätsspitals Zürich hatte für eine in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte Studie die Daten von 96.000 Patienten in hunderten Krankenhäusern weltweit ausgewertet. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass Hydroxychloroquin sowie der verwandte Wirkstoff Chloroquin keinen Nutzen bei Covid-19-Patienten zeigen. Vielmehr wiesen die Daten auf ein erhöhtes Sterberisiko hin. Die Mittel können demnach schwere Nebenwirkungen verursachen, vor allem Herzrhythmusstörungen.

Hydroxychloroquin und Chloroquin werden seit langem als Mittel gegen Malaria eingesetzt. Ihre Wirksamkeit in der Corona-Pandemie ist bereits seit längerem umstritten. Auch US-Präsident Donald Trump hatte das Medikament gelobt und mitgeteilt, er nehme es zur Vorbeugung ein. Am Sonntag sagte Trump dann allerdings in einem Interview, er habe die Einnahme von Hydroxychloroquin inzwischen beendet.

Mehr als 150.000 Infektionsfälle

In Indien wurden inzwischen mehr als 150.000 Infektionen mit dem Coronavirus erfasst. Die Zahl der Fälle stieg nach Angaben des Gesundheitsministeriums innerhalb von 24 Stunden um 6387, ein neuer Rekordwert. Die Zahl der bestätigten Todesopfer in Verbindung mit dem Virus stieg um 170 auf 4337. Insgesamt 64.426 Erkrankte seien inzwischen wieder genesen, hieß es.

Die meisten Fälle konzentrieren sich auf fünf der 28 Staaten Indiens. Eine Steigerung der Fallzahlen wurde auch aus einigen der ärmsten Staaten im Osten des Landes gemeldet. Dorthin kehren derzeit viele Wanderarbeiter mit Sonderzügen aus Großstädten zurück, in denen sie wegen der verhängten Ausgangsbeschränkungen ihre Arbeit verloren haben. Indien hat die Ausgangsbeschränkungen in diesem Monat gelockert und die Wiederöffnung von Geschäften sowie die Wiederaufnahme der Produktion in Fabriken gestattet. Auch einige Zug- und Flugverbindungen wurden wieder aufgenommen. Schulen, Hochschulen, Hotels und Restaurants sind weiterhin geschlossen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info im "Mittagsecho" am 27. Mai 2020 um 13:00 Uhr.

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