Leere Straße in London | dpa

Neuinfektionen auf Rekordhoch Briten stellen sich auf langen Lockdown ein

Stand: 06.01.2021 19:32 Uhr

Das Vereinigte Königreich ist von der Corona-Krise hart getroffen: Während die Behörden Infektionsrekorde verzeichnen, wird das öffentliche Leben heruntergefahren. Premier Johnson stimmt die Briten auf einen langen Lockdown ein.

Die Corona-Situation in Großbritannien verschärft sich weiter: Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen erreichte zuletzt einen Rekordwert. Mehr als 62.322 Fälle wurden binnen 24 Stunden im Vereinigten Königreich gemeldet. Gleichzeitig registrierten die Behörden 1041 neue Todesfälle - der höchste Wert seit April. Insgesamt starben bislang mehr als 82.600 Corona-Infizierte im Land.

Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen liegt in Großbritannien inzwischen bei rund 550. Der jüngste Wert stammt allerdings vom 1. Januar. Viele der Neuinfektionen werden auf eine noch ansteckendere Virusmutation zurückgeführt, die besonders in London sowie im Südosten und Osten Englands grassiert.

Harter Lockdown seit Dienstag

Seit Dienstag gilt deshalb in England ein landesweiter Lockdown, es ist bereits der dritte. Menschen sollen ihre Häuser und Wohnungen nur verlassen, um einzukaufen, zur Arbeit oder zum Arzt zu gehen. Pro Tag darf man nur eine Stunde für Spaziergänge oder zum Joggen im Freien verbringen. Schulen, Fitness- und Sportstätten sind ebenso geschlossen wie Geschäfte, die vor allem Waren verkaufen, die nicht lebensnotwendig sind. Auch in Schottland, Wales und Nordirland gelten ähnliche Bestimmungen.

Der britische Premierminister Boris Johnson stimmte die Menschen in seinem Land darauf ein, dass der Lockdown noch lange andauern werde. Die Aufhebung der Einschränkungen könne nur schrittweise erfolgen, sagte Johnson im Parlament. Einen "Big Bang" werde es nicht geben. Die erste Lockerung werde eine Öffnung der Schulen sein - doch damit sei frühestens Mitte Februar zu rechnen.

"Jede Nadel in jedem Arm macht einen Unterschied"

Ebenfalls bis Mitte Februar will die Regierung in London etwa 13 Millionen Menschen in den höchsten Risikostufen eine erste Impfstoff-Dosis verabreicht haben. "Jede Nadel in jedem Arm macht einen Unterschied", sagte Johnson. Großbritannien impfe bereits jetzt schneller als jedes vergleichbare Land, und die Quote werde sich hoffentlich noch erhöhen.

Bisher haben Johnson zufolge landesweit mehr als 1,3 Millionen Menschen eine Dosis erhalten. Neben dem Impfstoff von BioNTech und Pfizer wird in Großbritannien auch das heimische Vakzin der Universität Oxford und des Pharmakonzerns AstraZeneca verabreicht.

Kritik wegen abgesagter Abschlussprüfungen

Der Premierminister betonte, nach dem "Marathon des vergangenen Jahres" befinde sich das Land nun in einem "Sprint", um alle gefährdeten Menschen so schnell wie möglich zu impfen. "Wenn wir dieses Rennen für unsere Bevölkerung gewinnen wollen, müssen wir unserer Impf-Armee einen Vorsprung ermöglichen", sagte er. "Und deshalb müssen wir einmal mehr zu Hause bleiben."

Kritik erhielt Johnson für die Entscheidung, alle Schulen im Land zu schließen und die Abschlussprüfungen im kommenden Sommer erneut abzusagen. Bildungsminister Gavin Williamson bestätigte, dass die Schülerinnen und Schüler stattdessen auf der Grundlage von Lehrerbewertungen benotet würden. Ursprünglich hatte die Regierung zugesagt, die Schulen offen zu halten. "Die Regierung muss Konsistenz bieten, eine konsistente Politik, die sich nicht alle paar Tage ändert", forderte der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Unterhaus, Robert Halfon.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 06. Januar 2021 um 09:35 Uhr.