"Sorry Closed" steht auf einem Zettel, der auf den heruntergelassenen Rolladen eines geschlossenen Imbiss klebt. | Bildquelle: dpa

Corona-Pandemie Europa macht dicht

Stand: 03.11.2020 20:16 Uhr

Die Zahl der Corona-Infektionen steigt in den meisten europäischen Staaten rapide. Wie reagieren die einzelnen Länder? Wo greifen neue Lockdowns - und welche Regeln gelten dort? Ein Überblick.

Dänemark

In der vergangenen Woche hat Deutschlands nördlichstes Nachbarland erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie die Marke von 1000 Neuinfektionen in 24 Stunden überschritten. Deshalb traten neue Einschränkungen in Kraft: Ab 22 Uhr darf kein Alkohol mehr verkauft werden. Versammlungen mit mehr als zehn Teilnehmern sind verboten. Zudem wurde die Maskenpflicht, die bereits in öffentlichen Verkehrsmitteln, Bars und Restaurants galt, auf alle öffentlichen Räume ausgeweitet.

Besucher aus Deutschland dürfen nur noch mit einem triftigen Grund einreisen, das gilt inzwischen auch für Reisende aus der Grenzregion Schleswig-Holstein. Arbeit oder der Besuch von nahen Verwandten beispielsweise zählt als triftiger Grund. Ein Warnsystem in fünf Risikostufen soll den Dänen nun helfen, besser vorhersehen zu können, welche Corona-Maßnahmen auf sie zukommen können. Einmal pro Woche soll von einer Expertengruppe das Corona-Risiko im Land und in den einzelnen Regionen bewertet werden.

Insgesamt haben sich in Dänemark mit seinen 5,8 Millionen Einwohnern bislang mehr als 48.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, mehr als 700 von ihnen starben. Im Vergleich zum Rest Europas zählt Dänemark damit zu den weniger betroffenen Ländern der Corona-Pandemie.

Schweden

Schweden setzte in der Pandemie von Anfang an auf die Eigenverantwortung seiner 10,2 Millionen Staatsbürger. Bislang wurden in Schweden mehr als 5930 Covid-19-Tote registriert - während der "ersten Welle" verzeichnete das Land eine der höchsten Sterberaten Europas.

Zuletzt stieg auch in Schweden die Zahl der Neuinfektionen wieder stark: In der vergangenen Woche lag sie bei 3188 - so hoch wie seit Juni nicht mehr.

Dennoch gilt nach wie vor keine Maskenpflicht, von Maßnahmen wie einer nächtlichen Ausgangssperre ist keine Rede. Die Regierung gibt in der Regel lediglich Empfehlungen aus, die sie zuletzt aber drastisch verschärft hat: In vielen Regionen und damit für nahezu die Hälfte der Bevölkerung sollen Geschäfte oder Shoppingmalls, Museen, Büchereien, Bäder und Fitnessclubs gemieden werden. Das heißt: keine Konzert- oder Theaterbesuche, keine Feiern mehr im Job, zurück zur Heimarbeit, soziale Kontakte nur noch mit Menschen aus dem unmittelbaren privaten Umfeld. Das alles aber erst einmal nur für drei Wochen und als Bitte, wenn auch als eine mit drei Ausrufezeichen.

Die Hauptstadt Stockholm, wo bis vergangene Woche das Leben noch seinen gewohnten Gang zu gehen schien, greift inzwischen zu konkreten Maßnahmen: Alle städtischen Museen und Kunsthallen sind vorübergehend geschlossen. Zudem wird Gruppentraining in den städtischen Schwimmbädern ebenso gestrichen wie am Wochenende das Schlittschuhlaufen in den Eishallen. Schwimmbäder und Sportanlagen bleiben zwar offen, sollten jedoch nicht besucht werden. Obwohl die schwedische Regierung nicht auf Verbote setzt, haben etwa 80 Prozent der Schweden ihr Verhalten wegen der Corona-Pandemie geändert. Das ergaben mehrere Umfragen: Sie arbeiten etwa häufiger im Homeoffice, schränken persönliche Kontakte ein und waschen sich öfter die Hände.

Mit Informationen von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Polen

In Polen wurde am Wochenende ein neuer Höchstwert von knapp 22.000 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet - die meisten von ihnen in der Gegend um die Hauptstadt Warschau. Mehr als 16.000 positiv getestete Patienten befinden sich in Krankenhäusern. Mehr als 1300 davon werden beatmet. Vom Robert Koch-Institut wird ganz Polen als Risikogebiet eingestuft - nicht zuletzt, da das Gesundheitssystem des Landes mit 38 Millionen Einwohnern und bislang 5875 Covid-19-Todesfällen in der Krise seine Kapazitätsgrenze erreicht hat. Alle Restaurants und Bars sind vorübergehend geschlossen, Versammlungen mit mehr als fünf Personen sind verboten.

Die Friedhöfe des Landes blieben über Allerheiligen geschlossen, eine nie dagewesene Entscheidung in der stark katholisch geprägten Nation. Senioren wurden aufgerufen, ganz zu Hause zu bleiben. Das Warschauer Nationalstadion wurde zum Feldkrankenhaus umgewidmet, doch es mangelt an Ärzten und Pflegekräften: Nach OECD-Zahlen kommt Polen auf lediglich zwei Ärzte pro 1000 Einwohner; in Deutschland sind es etwa doppelt so viele. Zudem sind viele in Polen verbliebene Mediziner im fortgeschrittenen Alter - und zählen damit selbst zur Risikogruppe.

Mit Informationen von Jan Pallokat, ARD-Studio Warschau

Tschechien

In Tschechien wütet die Pandemie europaweit im Moment besonders stark. Das 10,7-Millionen-Einwohner-Land verzeichnete zuletzt mehr als 6500 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Insgesamt hat das Land seit Beginn der Pandemie mehr als 350.000 Infektions- und mehr als 3600 Todesfälle verzeichnet. Die Kapazitäten der Intensivbetten stoßen bereits jetzt an ihre Grenzen.

Nicht zuletzt weil auch viele hundert Ärzte und Pfleger infiziert sind. Erste Krankenhäuser müssen Covid-Patienten wegen akuter Überlastung in andere Regionen verlegen. Die tschechische Regierung hat zur Sicherheit schon in den benachbarten deutschen Bundesländern Bayern und Sachsen vorgefühlt, ob die dortigen Kliniken im schlimmsten Fall auch tschechische Patienten mitversorgen könnten.

Der Ausnahmezustand wurde bis zum 20. November verlängert. Damit gilt weiterhin eine nächtliche Ausgangssperre, jede Nacht von 21 Uhr bis 04.59 Uhr. In dieser Zeit dürfen die Menschen nur noch das Haus verlassen, um zu arbeiten oder mit dem Hund Gassi zu gehen. Geschäfte müssen um 20 Uhr und den ganzen Sonntag schließen. Auch die traditionsreichen Weihnachtsmärkte im Prager Stadtzentrum fallen in diesem Jahr aus. In früheren Jahren hatten die Märkte im Dezember rund 700.000 Übernachtungsgäste in die Stadt gezogen. Viele kamen aus den benachbarten deutschen Bundesländern Bayern und Sachsen.

Mit Informationen von Peter Lange, ARD-Studio Prag

Österreich

Wegen der rasanten Steigerung der Infektionszahlen und der damit drohenden Überlastung der Intensivmedizin hat Österreich bis Ende November sein öffentliches Leben heruntergefahren. Restaurants, Hotels, Kultur- und Sporteinrichtungen müssen in dieser Zeit schließen, zwischen 20 Uhr und 6 Uhr gilt eine Ausgangssperre. Bislang haben sich insgesamt mehr als 114.000 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert, mehr als 1100 Menschen starben nach einer Infektion. Zum Wochenende registrierte Österreich mehr als 5000 Neuansteckungen binnen 24 Stunden - bei nicht einmal neun Millionen Einwohnern ist die Entwicklung damit ernster als in Deutschland.

Laut Gesundheitsministers Rudolf Anschober steuert Österreich auf eine baldige Überlastung des Gesundheitssystems zu, falls es keine Trendwende bei den Corona-Neuinfektionen geben sollte. Binnen einer Woche sei die Anzahl der mit Covid-19-Patienten belegten Intensivbetten um 78 Prozent gestiegen. Daher sei es notwendig, dass sich die Bevölkerung strikt an die neuen Maßnahmen im teilweisen Lockdown halte. Diesen Dienstag schließen die Gastronomie und fast das gesamte Kultur- und Freizeitangebot, landesweit ist das Verlassen der Wohnung zwischen 20 und 6 Uhr nur zu bestimmten Zwecken erlaubt - allerdings auch zur Erholung im Freien. Der Handel und auch die meisten Schulen bleiben vorerst offen. Schüler ab der Oberstufe und Studierende lernen zuhause. Veranstaltungen des Profisports dürfen als einzige stattfinden, aber nur ohne Zuschauer. Kontaktsport in der Freizeit ist verboten. Besuche in Krankenhäusern und Pflegeheimen werden begrenzt.

Schweiz

Mit zuletzt 21.926 verzeichneten Neuinfektionen am Wochenende, die das Bundesamt für Gesundheit am Wochenende nur für einen 72-stündigen Zeitraum herausgibt, zählt die Schweiz zu einem der am stärksten betroffenen Länder Europas. Seit Beginn der Pandemie wurden mehr als 150.000 Personen positiv auf das Coronavirus getestet, 2130 Menschen starben nach einer Infektion. Einzelne Krankenhäuser stoßen bereits an ihre Grenzen: Im Wallis konnten einem Medienbericht zufolge erste Patienten nicht mehr auf die Intensivstationen aufgenommen werden.

Aus Angst vor einer Überlastung der Intensivstationen hat die Regierung in Bern jüngst neue Beschränkungen für des öffentliche Leben erlassen. Bars und Restaurants müssen landesweit um 23 Uhr schließen, Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen sowie sportliche und kulturelle Freizeitaktivitäten mit mehr als 15 Personen sind untersagt. Die Kantone sollen je nach Situation strengere Maßnahmen treffen. Der Schweizer Kanton Genf hat dies bereits getan: Angesichts knapper Krankenhausbetten gilt dort der Ausnahmezustand. Schließen müssen Restaurants, Bars und Geschäfte, die keine Lebensmittel verkaufen, außerdem Kinos, Theater, Fitnesscenter und Dienstleister wie Friseure. Schulen und Kindergärten sollen offen bleiben.

 Mit Informationen von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Frankreich

In Frankreich gilt ein neuer Lockdown mit deutlich strengeren Einschränkungen als in Deutschland. Die Menschen dürfen nur mit einem triftigen Grund vor die Tür und müssen diesen mit einem Formular nachweisen. Erneut ist die Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Wer etwa spazieren gehen möchte, darf dies nur im Umkreis eines Kilometers zu seiner Wohnung eine Stunde pro Tag. Anders als im Frühjahr müssen die Parks dieses Mal nicht schließen - sie sind aber nicht für jeden im Radius eines Kilometers erreichbar. Auch die Schulen sind weiterhin geöffnet - die Schüler kehrten Anfang dieser Woche nach den Ferien in die Klassenzimmer zurück. Der Einzelhandel ist geschlossen, nur noch lebensnotwendige Produkte dürfen verkauft werden.

Daher sollen nun auch Supermärkte und andere große Geschäfte keine Produkte mehr verkaufen dürfen, die sonst im Einzelhandel verkauft werden. "Hygieneprodukte werden beibehalten, Make-up nicht. Die großen Läden werden es entfernen", sagte der beigeordnete Minister für Kleinunternehmen, Alain Griset, im Fernsehen. Es werde eine Verpflichtung für Supermärkte geben, keine Produkte in die Regale zu stellen, die in kleinen Geschäften verkauft werden könnten. Damit würde man Forderung von Einzelhändlern nach gleicher Behandlung für alle nachkommen. Der Großhandel kritisiert, dass diese Maßnahme lediglich Online-Händlern diene. Die Einhaltung der Beschränkungen sollen mit verstärkten Kontrollen überprüft werden.

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen lag in Frankreich zuletzt über 50.000. Mehr als die Hälfte der Betten auf französischen Intensivstationen sind mit Corona-Patienten belegt, in Paris sind es sogar rund 70 Prozent. Seit Beginn der Pandemie hat Frankreich fast 1,5 Millionen Fälle und mehr als 37.000 Tote mit einer Corona-Infektion registriert.

Luxemburg

In Luxemburg gilt eine Maskenpflicht in geschlossenen Räumen und öffentlichen Verkehrsmitteln, Passanten sollen grundsätzlich zwei Meter Abstand zu einander halten. Seit Beginn der Pandemie registrierte das Großherzogtum mehr als 19.000 Infizierte und 160 Todesfälle. Seit gut einer Woche gilt eine nächtliche Ausgangssperre: Zwischen 23 Uhr und 6 Uhr dürfen Einwohner ihre Häuser nicht mehr verlassen, zudem dürfen sich nun nur noch maximal vier Personen treffen, die nicht aus demselben Haushalt stammen. Ausnahmen sind beispielsweise Arztbesuche oder der Weg zur Arbeit. Auch das Gassigehen mit einem Hund ist im Umkreis von einem Kilometer um die Wohnung erlaubt. Die Maßnahme soll zunächst einen Monat lang gelten. In Bars und Restaurants dürfen höchstens vier Menschen zusammen an einem Tisch sitzen. Wettkämpfe im Amateursport sind vorerst ausgesetzt.

Angesichts zunehmend beanspruchter Arztpraxen und Krankenhäuser verstärkt die luxemburgische Regierung auch die gesundheitliche Beratung: Vergangene Woche nahm ein Konsultationszentrum seinen Betrieb auf, das Personen mit Covid-19-Symptomen zur Sprechstunde empfängt - unabhängig davon, ob diese sozialversichert sind oder nicht. Wenn die Situation es erfordert, soll im Süden Luxemburgs ein zweites Beratungszentrum eröffnet werden.

Belgien

Belgien ist das derzeit am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land Europas. Die Behörden des Elf-Millionen-Einwohner-Landes meldeten zuletzt im Sieben-Tages-Schnitt knapp 15.600 registrierte Fälle pro Tag. Pro 100.000 Einwohner wurden nach EU-Vergleichszahlen in den vergangenen 14 Tagen mehr als 1700 Infektionen gemeldet, in Deutschland waren es zum Beispiel 225. In der wallonischen Großstadt Lüttich nahe der deutschen Grenze haben die meisten Krankenhäuser ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Patienten mussten auf umliegende Provinzen und teilweise nach Deutschland verlegt werden. Medizinisches Personal ohne Symptome wurde angewiesen, selbst bei positiven Corona-Befunden weiterhin zur Arbeit zu kommen.

Anfang der Woche sind deshalb neue Maßnahmen in Kraft getreten. Alle Geschäfte, die nicht unbedingt notwendige Waren verkaufen, müssen geschlossen bleiben. Lediglich die Abholung und Hauslieferung vorbestellter Waren ist noch möglich. Um faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten, dürfen auch in Supermärkten nur noch Waren des täglichen Bedarfs angeboten werden.

Es gilt die Pflicht zur Heimarbeit, wo dies möglich ist. Die Schließung von Kneipen, Restaurants und Cafés sowie nächtliche Ausgangssperren waren bereits Mitte Oktober beschlossen worden. Zudem gilt seitdem die Regel, dass die Bürger außerhalb des eigenen Haushalts nur noch zu einer anderer Person engeren Kontakt pflegen dürfen. Ausgenommen sind nur Alleinstehende, die zwei sogenannte "Kuschelkontakte" haben dürfen. Die Maßnahmen sollen für sechs Wochen gelten. Die Notwendigkeit der Geschäftsschließungen wird allerdings am 1. Dezember noch einmal geprüft. An den Schulen werden die derzeitigen Herbstferien mindestens bis Mitte November verlängert. Die Hochschulen sollen bis mindestens 1. Dezember nur per Fernunterricht unterrichten.

Niederlande

Auch die Niederlande gehören zu den am stärksten von der zweiten Welle der Pandemie getroffenen Länder Europas. Insgesamt gab es in den Niederlanden bislang mehr als 360.000 Fälle und mehr als 7400 Todesfälle - bei 17,3 Millionen Einwohnern. Die Zahl der Patienten in Krankenhäusern und auf den Intensivstationen steigt schnell: Inzwischen ist fast jedes zweite Intensivbett - von denen es in den Niederlanden ohnedies nur 1150 gibt - mit einem an Covid-19 erkrankten Patienten belegt. Aus diesem Grund wurden bereits Patienten in deutsche Kliniken in Nordrhein-Westfalen ausgeflogen, das insgesamt 85 Betten für Patienten aus den Niederlanden zur Verfügung stellen will.

Um das Infektionsgeschehen einzudämmen, wurde die Maßnahmen verschärft. Neben Gaststätten müssen auch Museen, Theater, Schwimmbäder, Vergnügungsparks und Zoos schließen. Zudem wird der persönliche Kontakt stark reduziert. In der Öffentlichkeit sind nur noch Treffen von maximal zwei Personen erlaubt, bisher waren das noch vier. Auch privat sollen nur noch zwei Gäste am Tag empfangen werden. Die Verschärfungen sollen vorerst zwei Wochen gelten.

Großbritannien

Das Vereinigte Königreich ist das Land mit den meisten Covid-19-Todesfällen in Europa: Bislang starben mehr als 46.000 Menschen nach einer Corona-Infektion, insgesamt wurden mehr als eine Million Ansteckungen registriert. Das nationale Gesundheitssystem NHS ist chronisch überlastet, die Nachverfolgung der Kontakte funktioniert bereits seit Wochen kaum noch. Vielerorts ist es außerdem kaum möglich, reguläre Corona-Tests zu bekommen.

Ab Donnerstag wird es auch in Großbritannien deshalb einen neuen Teil-Lockdown - ähnlich dem in Deutschland - geben. Die Bürger sind aufgerufen, möglichst im Homeoffice zu arbeiten und nur für Einkäufe, Arztbesuche oder Sport im Freien das Haus zu verlassen. Cafés, Pubs und Restaurants dürfen Speisen und Getränke nur noch außer Haus anbieten. Die Schulen bleiben offen. Der Teil-Lockdown soll bis zum 2. Dezember gelten, eine Verlängerung ist allerdings nicht ausgeschlossen. Die Pläne wurden am Wochenende verkündet, nachdem es laut Prognosen nur noch wenige Wochen dauern könnte, bis schnell steigende Infektionsraten die Krankenhäuser überlasten.

Spanien

Seit einer guten Woche gilt in Spanien der Corona-Notstand, nachdem kurz zuvor die Marke von mehr als 50.000 Neuinfektionen überschritten worden war. Die Gesamtzahl der bislang gemeldeten Ansteckungen liegt bei knapp 1,2 Millionen und mehr als 35.000 Todesfällen. Spanien hat rund 47 Millionen Einwohner.

Mit der Ausrufung des sogenannten Alarmzustandes verhängte die Regierung fast im ganzen Land auch eine nächtliche Ausgehsperre. Lediglich die Kanarischen Inseln sind davon ausgenommen. Nur unter dem Notstand darf die Regierung die Bewegungsfreiheit der Bürger in Spanien einschränken. Er gilt zunächst für zwei Wochen, eine Verlängerung muss vom Parlament gebilligt werden. Eine generelle Ausgangssperre rund um die Uhr wie im Frühjahr, lehnt die spanische Regierung als unnötig ab. Zunächst soll die Wirkung der bereits zur Einschränkung sozialer Kontakte ergriffenen Maßnahmen abgewartet werden.

Spaniens Regionalregierungen dürfen den Beginn des Ausgangsverbots zwischen 22 und 24 Uhr und das Ende zwischen 5 und 7 Uhr ansetzen. Im ganzen Land wurden Versammlungen von mehr als sechs Personen, die nicht im selben Haushalt leben, untersagt. Regionen dürfen ihr gesamtes Gebiet, einzelne Gemeinden oder Stadtteile abriegeln und andere Einschränkungen anordnen, ohne befürchten zu müssen, dass die Justiz diese Maßnahmen kippt. Von dieser Möglichkeit machten 13 der 17 Autonomen Gemeinschaften Gebrauch. Die betroffenen Bürger dürfen ihre jeweilige Region nur mit triftigem Grund verlassen - etwa, um zur Arbeit zu fahren oder den Arzt aufzusuchen. Auswärtige dürfen ihrerseits auch nur ein Ausnahmefällen einreisen.

Italien

Die zu Beginn der Pandemie am stärksten gebeutelten Italiener hatten in der Zwischenzeit die Situation gut im Griff. Doch zuletzt steigen auch in Italien die Neuinfektionen wieder rasant. Das 60-Millionen-Einwohner-Land hatte am Sonntag rund 30.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert, am Montag waren es rund 22.250. Außerdem starben an beiden Tagen jeweils mehr als 200 Menschen mit oder an Covid-19. Die Gesamtzahl der Coronafälle liegt inzwischen bei mehr 700.000, die Zahl der Toten nach einer Infektion laut italienischen Behörden bei mehr als 39.000.

Im Laufe des Oktobers hatte die italienische Regierung ihre Maßnahmen zum Corona-Schutz bereits mehrfach verschärft. Seit längerem gilt eine Maskenpflicht auch im Freien. Seit einer Woche sind Theater und Kinos geschlossen. Bars und Restaurants dürfen nur noch bis 18 Uhr Gäste bedienen. Jetzt plant die Mitte-Links-Regierung auch alle Museen und Ausstellungen schließen. Für öffentliche Transportmittel soll offenbar eine Obergrenze gelten, nach der nur die Hälfte der Plätze besetzt werden darf. Einkaufszentren sollen künftig landesweit an Wochenenden schließen. Vorgesehen sind auch nächtliche Ausgangsbeschränkungen. Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte will auch ein landesweites dreistufiges Warnsystem einführen. Für Gebiete mit der höchsten Warnstufe sollen Reisebeschränkungen und weitere Einschränkungen in Kraft treten. Ein entsprechendes Dekret wird für heute erwartet.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass in Tschechien zuletzt täglich etwa 16.000 neue Fälle pro 100.000 Einwohner verzeichnet wurden. Das ist falsch und wurde korrigiert.

Zu den Zahlen

Die in diesem Beitrag aufgeführten Zahlen stammen aus einer Veröffentlichung des "European Center for Disease Control" (ECDC) vom 3.11.2020. Es sei denn im Text werden andere Quellen oder Zeitbezüge genannt. Das ECDC weist darauf hin, dass die Einzelstaaten der EU die nationalen Covid-19-Fälle zu unterschiedlichen Zeitpunkten sammeln und dem ECDC melden. (Stand: 3.11.2020)

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 31. Oktober 2020 um 08:38 Uhr.

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