Kinder auf den Straßen New Yorks. | Bildquelle: AFP

Neuartige Entzündung bei Corona "Es hieß doch, Kinder seien nicht betroffen"

Stand: 14.05.2020 04:05 Uhr

In New York werden immer mehr Kinder mit mysteriösen Entzündungen in Krankenhäuser eingeliefert. Experten gehen von einem Zusammenhang mit dem Coronavirus aus - und sind besorgt.

Von Christiane Meier, ARD-Studio New York

Der Gouverneur von New York Andrew Cuomo schlägt Alarm: Mitten in der Pandemie tauchen über 100 Fälle einer neuen Krankheit bei Kindern auf. Seit zwei Wochen häufen sich die Fälle in den Kinderkrankenhäusern von New York.

Viele Ärzte glauben, Corona sei verantwortlich für die neue, gefährliche, aber behandelbare Krankheit. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes multiples Entzündungssyndrom. Es ähnelt der seltenen Kawasaki-Krankheit, einer Gefäßerkrankung bei Kindern, die in einigen Fällen bis zum Organversagen führen kann.

Mysteriöse Entzündung bei Kindern in New York
Morgenmagazin, 14.05.2020, Christiane Meier, ARD New York

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Auch Ausschlag Teil der Symptome

Der 9-jährige Bobby ist eines von mittlerweile 103 Kindern, die in New York plötzlich mit mysteriösen Symptomen in die Krankenhäuser eingeliefert wurden. Seine Mutter, Amber Dean aus Rochester, beschreibt die ersten Symptome. Es   seien Bauchschmerzen gewesen, später auch Fieber und Erbrechen. Erst als es ihm viel schlechter ging, brachte sie ihn ins Krankenhaus. Dort vermutete man eine Blinddarmentzündung. Erst als es Bobby drastisch schlechter ging, diagnostizierten die Ärzte das neue Entzündungssyndrom. Bobby überlebte.

Zu den Symptomen gehört auch Ausschlag, ähnlich wie bei der seltenen Kawasaki-Krankheit. Viele der behandelnden Ärzte bringen die Krankheit in Verbindung mit Covid-19, denn darauf weisen alle Testergebnisse hin.

Besonders die Altersgruppe zwischen 5 und 14 Jahren ist betroffen

Die Kinderintensivstation der Northwell Krankenhauskette hat bereits 40 Kinder behandelt. Besonders die Altersgruppe zwischen 5 und 14 Jahren ist betroffen. Der Kinderintensivspezialist James Schneider sieht starke Verbindungen zu Covid-19.  Die Entzündungswerte und andere Blutwerte ähnelten sehr stark denen von Coronapatienten. Zudem hatten alle Kinder entweder akut Covid-19 oder sie testeten positiv auf Antikörper.

Dennoch sind die behandelnden Ärzte sehr vorsichtig. Die Krankheit sei erst seit zwei Wochen bei ihnen aufgetreten, und es gebe noch eine Menge zu lernen. Die Verbindung zu Corona muss erst noch bewiesen werden.

Gouverneur will Kinder bevorzugt testen

Der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo ist mittlerweile so besorgt, dass er fordert, Kinder bevorzugt zu testen. Denn von den 103 erkrankten Kindern seine 60 Prozent positiv auf Covid-19 getestet, 40 Prozent hätten Antikörper.

"Das ist der größte Alptraum für Eltern. Besonders weil wir dachten, Kinder seien von dem Virus weniger betroffen."

Der 8-jährige Jayden Hardowar aus dem New Yorker Stadtteil Queens hat die neue Krankheit nach einem Herzstillstand nur überlebt, weil sein großer Bruder die Herzdruckmassage bei den boy scouts, den Pfadfindern, erlernt hatte. Bis zur Ankunft der Rettungskräfte hielt er durch, Jaydens Herz konnte weiter schlagen. Auch deshalb hat sein Vater Roup Hardowar eine Botschaft an die Eltern dieser Welt:

"Wir haben gedacht, unser 8-jähriger Sohn ist nicht gefährdet. Es hieß doch, Kinder seien nicht betroffen. Aber jetzt wissen wir es besser."

Experten befürchten Anstieg von Infektionen bei Kindern

Dr. James Schneider hatte im März und Anfang April auf seiner Intensivstation eine große Anzahl Kinder mit Covid-19 zu versorgen, viele von ihnen mussten beatmet werden. Durch die Maskenpflicht und die gesellschaftlichen Maßnahmen seien die Zahlen zwar gesunken, so Schneider. Aber jetzt gebe es die Sorge, dass durch eine zu frühe Eröffnung unter anderem von Schulen wieder mehr Kinder mit Covid infiziert werden und neuerdings dann auch mit der neuen und gefährlichen Krankheit, den multisystemischen Entzündungen.

Und dabei hat er sogar den Pandemieberater des Präsidenten Antony Fauci auf seiner Seite. Der warnt ebenfalls vor einer zu schnellen Öffnung von Schulen: “Wir sollten vorsichtig sein und nicht annehmen, dass Kinder völlig immun gegenüber den zerstörerischen Auswirkungen des Virus sind."

Über dieses Thema berichtete das ARD-morgenmagazin am 14. Mai 2020 um 05:46 Uhr.

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