Ein Corona-Erkrankter in Südkorea wird in einen Rettungswagen gebracht. | Bildquelle: AFP

Coronavirus in Südkorea Neuinfektionen an einem Tag verdoppelt

Stand: 22.02.2020 14:16 Uhr

Während China einen Rückgang bei Corona-Neuinfektionen meldet, berichtet Südkorea von einem drastischen Anstieg. Vor allem die Unkenntnis über Ansteckungswege und die Indizien für eine längere Inkubationszeit bereiten allen betroffenen Ländern Sorge.

Das aus China eingeschleppte Coronavirus greift in Südkorea weiter um sich. Die Zahl der infizierten Menschen hat sich innerhalb von 24 Stunden mehr als verdoppelt. Die Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention meldeten im Tagesverlauf 229 neue Fälle. Nach 142 Fällen über Nacht seien bis zum Nachmittag (Ortszeit) 87 hinzugekommen. Damit stieg die Zahl der Menschen, die sich mit dem Erreger der zuerst in China ausgebrochenen Krankheit angesteckt haben, in Südkorea auf 433. Das sind achtmal so viele wie noch am Dienstag.

Zentrum des Ausbruchs ist eine Kirche in der viertgrößten südkoreanischen Stadt Daegu. Dort und in der Umgebung wurden die meisten neuen Fälle registriert. Gesundheitsinspektoren führten Tests an mehr als 9000 Gläubigen durch, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Zwei Menschen sind an Covid-19 gestorben. Die Sorge ist groß, dass die Zahl weiter steigen könnte. Einige Patienten mit Lungenentzündungen seien in Kliniken eingeliefert worden, 17 von ihnen in kritischem Zustand, sagte der stellvertretende Gesundheitsminister Kim Gang Lip. In der Psychiatrie-Abteilung des Krankenhauses Cheongdo wurden ebenfalls Dutzende Menschen mit dem Virus infiziert. Ob es dort eine Verbindung zu der Kirchengemeinschaft Shincheonji Church of Jesus gibt, wird untersucht.

Die Karte zeigt die aktuelle Verbreitung des Coronavirus am 22.02.2020.
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Die Karte zeigt die aktuelle Verbreitung des Coronavirus am 22.02.2020.

Japan prüft Grippemittel

Japan erwägt, Grippemittel zur Behandlung von Patienten mit dem neuen Coronavirus einzusetzen. Im Gespräch ist ein Mittel eines japanischen Konzerns, das gegen Influenza eingesetzt wird.

Bislang sind in Japan etwa 750 Fälle des Erregers bestätigt, wobei es sich in 634 Fälle um Passagiere und Crewmitglieder des Kreuzfahrtschiffes "Diamond Princess" handelt. Dieses hatte vor Japans Küste bis Mittwoch zwei Wochen lang unter Quarantäne gestanden. Die 970 negativ getesteten Passagiere sind inzwischen von Bord. Deutsche Ex-Passagiere trafen am Morgen in Berlin ein und sollen sich nach einer Untersuchung nochmals zwei Wochen lang zu Hause aufhalten.

Ein Flugzeug mit deutschen Passagieren des Kreuzfahrtschiffs "Diamond Princess" an Bord steht auf dem militärischen Teil des Berliner Flughafens Tegel. | Bildquelle: dpa
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In den frühen Morgenstunden landete ein Flugzeug mit deutschen Passagieren des Kreuzfahrtschiffs "Diamond Princess" an Bord auf dem militärischen Teil des Berliner Flughafens Tegel.

Japans Gesundheitsminister Katsunobu Kato erlaubte seinen Landsleuten zunächst, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu fahren, was Experten für problematisch hielten. Kato rief deshalb die Passagiere im Nachhinein auf, nicht unnötig nach draußen zu gehen und etwa weitere zwei Wochen lang zu Hause zu bleiben.

Denn wer auf der "Diamond Princess" negativ getestet wurde, kann offenbar später doch das Virus in sich tragen, wie unter anderem der Fall zweier Reisender aus Australien zeigt. Bei ihnen wurde das Virus nach ihrer Heimholung festgestellt - obwohl sie vor dem Verlassen der "Diamond Princess" negativ getestet worden waren.

Anzeichen: Inkubationszeit länger als zwei Wochen

Auch von chinesischer Seite wird in Betracht gezogen, dass die Inkubationszeit länger als die bisher angenommenen 14 Tage dauern kann. Ein 70-jähriger Mann in der Provinz Hubei habe sich mit dem Coronavirus infiziert, aber 27 Tage lang keine Symptome gezeigt, teilte die Provinzregierung mit. Eine längere Dauer von der Ansteckung bis zu den ersten Anzeichen der Krankheit könnte die Bemühungen erschweren, die Epidemie einzudämmen.

Tedros Adhanom Ghebreyesus bei der WHO-Konferenz um Coronavirus in Genf | Bildquelle: dpa
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WHO-Chef Tedros appelliert an die internationale Staatengemeinschaft.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) äußerte sich zudem besorgt über die Infektionsfälle, bei denen es keine klare epidemiologische Verbindung gibt.

Viele Menschen hätten sich mit Covid-19 angesteckt, ohne dass sie nach China gereist seien oder Kontakt mit einer Person gehabt hätten, bei der das Coronavirus nachgewiesen worden sei, schreibt WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus auf Twitter. Mehr als 80 Prozent der Patienten hätten eine leichte Form der Krankheit und würden genesen. In 20 Prozent handele es sich um eine schwere Form, die teilweise zum Tode führe.

In China sank dagegen die tägliche Zahl von Neuinfektionen deutlich auf 397. Die Gesamtzahl der Infizierten gab die nationale Gesundheitskommission mit 76.288 an, die Zahl der Toten mit 2345. In der Provinz Hubei, die besonders stark von der Coronavirus-Epidemie betroffen ist, stieg die Zahl der Todesfälle am Freitag um 106 auf 2250. 90 Tote gab es allein in der Provinzhauptstadt Wuhan.

Fünfter Todesfall im Iran

Im Iran sind mittlerweile fünf Menschen an der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums teilte mit, dass auch die Zahl der Infektionen auf 28 gestiegen seien, inklusive der fünf Toten. Besonders besorgniserregend sei, dass es Fälle in mindestens vier Städten gab, in Teheran, Ghom, Arak und Rascht.

Die Behörden vermuten, dass chinesische Arbeiter, die in Ghom eine Solaranlage bauen, das Virus aus China eingeschleppt haben könnten.

Saudi-Arabien teilte mit, dass seine Bürger nun nicht mehr in den Iran reisen dürften. Jeder, der dort gewesen sei, und nach Saudi-Arabien wolle, müsse erst einmal 14 Tage in Quarantäne, teilte das Königreich mit. Damit wird Tausenden Pilgern, die in die heiligen muslimischen Stätten in Mekka und Medina reisen wollen, de facto vorerst die Einreise verwehrt. Die große jährliche Pilgerfahrt Hadsch findet dieses Jahr Ende Juli statt.

Zwei Tote in Italien

Auch Italien meldete zwei Todesfälle durch das Coronavirus. Ein 78-jähriger Mann starb in Venetien und eine 78-jährige Frau in der Lombardei. Es wurden zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen angeordnet, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Über dieses Thema berichtete am 22. Februar 2020 die tagesschau um 09:00 Uhr und tagesschau24 um 12:00 Uhr.

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