Passanten auf der Uferpromenade in Shanghai | Bildquelle: dpa

Corona-Krise in China Kaum neue Fälle, viele offene Fragen

Stand: 12.10.2020 10:22 Uhr

In China ist in vielen Lebensbereichen Normalität zurückgekehrt. Offiziell gibt es kaum noch Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Über die Ursprünge des Erregers schweigt die Staatsführung aber.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Die chinesischen Behörden haben die Corona-Krise in den vergangenen Monaten gut in den Griff bekommen: mit umfangreichen Testkampagnen, konsequenter Nachverfolgung von Fällen und drastischen Quarantäne-Regeln. Die Tatsache, dass China ein Überwachungs- und Polizeistaat ist, hilft den Behörden bei der Eindämmung des Virus.

Erstmals wieder lokale Ansteckungen

Knapp 30 neue Covid-19-Fälle wurden übers Wochenende in China bestätigt - eine fast schon zu vernachlässigende Zahl bei einer Gesamtbevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen. Für Aufsehen sorgt aber die Tatsache, dass sich sechs der Neuinfizierten innerhalb Chinas angesteckt haben. Diese sechs Fälle sind damit die ersten bestätigten lokalen Neuinfektionen innerhalb mehrerer Wochen.

Bei den allermeisten Corona-Neuinfizierten handelte es sich in den vergangenen Wochen um aus dem Ausland zurückgekehrte Chinesinnen und Chinesen.

Die Angst ist weiterhin da

Was das Alltagsleben angeht, ist in China - im Vergleich zu Europa - nicht mehr allzu viel zu spüren von der Pandemie. Aufs Abstandhalten wird größtenteils verzichtet, das gilt meistens auch fürs Maskentragen. Nur noch beim Bus- und Bahnfahren, in Flugzeugen sowie in Krankenhäusern, staatlichen Banken sowie Schulen und Unis werden Masken erwartet.

Auf den zweiten Blick aber wird klar, dass die Angst vor einem Neu-Ausbruch nach wie vor groß ist in China. So konnten etwa in der größten Stadt des Landes, Shanghai, Millionen Menschen während der Herbstferien Anfang Oktober nicht verreisen. Betroffen waren Familien mit schulpflichtigen Kindern. Sie durften das Gebiet Shanghai nicht verlassen - aus Angst, dass sie sich anderswo im Land anstecken könnten.

WHO-Untersuchung bislang nicht gestartet

Was den Ursprung der Corona-Krise angeht, gibt sich Chinas Staats- und Parteiführung verschlossener denn je. Die staatlichen Versäumnisse und Vertuschungsaktionen zu Beginn der Krise werden totgeschwiegen.

Eine Aufklärungsmission der Weltgesundheitsorganisation (WHO) darf weiterhin nicht nach China einreisen. Journalistinnen und Journalisten, die über die Hintergründe der Covid-Pandemie berichten wollen, werden behindert.

China: Corona-Lage im Griff, aber viele offene Fragen
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
12.10.2020 09:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. Oktober 2020 um 06:07 Uhr.

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