Ein Trump-Anhänger trägt eine Maske mit der Aufschrift "Tastes like Socialism". (Archivbild) | REUTERS

Corona-Krise in den USA "Die Frage nach der Maske ist politisiert"

Stand: 22.07.2020 19:49 Uhr

Trumps Kehrtwende beim Tragen von Masken liege vor allem an schlechten Umfragewerten, sagt Politikwissenschaftler Markus Kaim. Sie sei jedoch kein Zeichen für ein Ende von Trumps Taktik, die amerikanische Gesellschaft zu spalten.

Das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen kam für US-Präsident Donald Trump bis vor ein paar Tagen nicht in Frage. Jetzt empfiehlt er die Masken, wenn Abstandsregeln nicht eingehalten werden können. Politikwissenschaftler Markus Kaim von der Stiftung Wissenschaft und Politik erklärt diesen Sinneswandel mit Trumps schlechten Umfragewerten - "vor allem in den Bundesstaaten, die am 3. November über den Ausgang der Präsidentschaftswahlen entscheiden werden". Er macht eine "gewisse Unsicherheit in der Kampagne von Donald Trump" aus.

Zusätzlich zu den Umfragen machten aber auch die republikanischen Kongressabgeordneten Druck aufs Weiße Haus, die im Herbst zur Wiederwahl anstehen und "fürchten, mit in den Abgrund hineingezogen zu werden", sagte Kaim auf tagesschau24.

Gleichzeitig sei aber die Frage, ob man eine Maske trägt, "sehr, sehr stark politisiert", erklärt Kaim. Während viele Gouverneure und andere Politiker in den nordöstlichen Bundesstaaten durchgesetzt hätten, dass Masken getragen werden, gelte es gerade in südlichen Bundesstaaten als Zeichen der Freiheit, die Maske nicht zu tragen. "Solange das der Fall ist, werden wir weiter steigende Zahlen von Infektionen und Todeszahlen in Amerika zu beklagen haben."

Wahlvoraussage bleibt schwierig

Das Versagen der US-Regierung in der Corona-Krise stehe auch in direktem Zusammenhang mit Trumps hartem Vorgehen gegen die Anti-Rassismus-Proteste, so Kaim. Dieses sei ein "bewährtes und eingeübtes Mittel in der amerikanischen Politik und ganz konkret von Donald Trump". Dieser spiele mit der Unsicherheit von breiten Bevölkerungsschichten, indem er auf die Unsicherheit in demokratisch regierten Städten und die Unsicherheit, die vermeintlich von den Protesten ausgeht, hinweist. Diese Strategie, "dass er versucht, weiter zu spalten", werde "ein Grundzug" von Trumps Wahlkampagne bleiben.

Die schlechten Wirtschaftsdaten mit hohen Arbeitslosenzahlen seien zusätzlich "ein schwerer Ballast" für Trumps Kampagne, glaubt Kaim. "Er hat sich immer damit gebrüstet, wie er die amerikanische Wirtschaft in Gang gebracht hätte" und dabei den Stand des Dow Jones und die Arbeitslosenzahlen als Indikatoren verwendet. "Und beide sind sehr rückläufig gewesen im Kontext der Corona Krise." Sollten die Arbeitslosenzahlen sich nicht wieder deutlich erholen, "wird es schwer sein für den Präsidenten, in den Wahlkampf zu ziehen und sich als Garant einer wirtschaftlichen Prosperität weiter zu präsentieren".

Dennoch mahnt Kaim zur Vorsicht, zu diesem Zeitpunkt eine Prognose für den Wahlausgang zu treffen. "2016 haben wir auch gedacht, Hillary Clinton läge uneinholbar in Führung." Die Vorzeichen für Trump sähen diesmal allerdings "wirklich sehr schlecht aus". Gegenkandidat Joe Biden, sei zuzutrauen, dass er auch die schwarze Bevölkerung an die Wahlurnen bringe.

Zudem hätten große Teile der bürgerlichen Mittelschicht, die 2016 Trump wählten, sich inzwischen vom Präsidenten abgewendet. "Und wenn man diese Faktoren zusammen nimmt und obendrauf noch jetzt sein Versagen in der Corona-Krise addiert, dann würde ich mich nie zu einer Voraussage verlocken lassen - aber zumindest zu einer Analyse: Dass es sehr, sehr schwer für ihn werden wird."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. Juli 2020 um 17:00 Uhr.