Coronatest | Bildquelle: dpa

Viele Coronafälle Die Schweiz testet mehr

Stand: 03.04.2020 14:04 Uhr

In den Corona-Statistiken liegt die Schweiz mit der Zahl nachgewiesener Infektionen weit hinter Ländern wie den USA oder Italien. Aber nach Fällen pro 100.000 Einwohner liegt das Land viel weiter vorn.

19.303 Infizierte und 484 Menschen, die an dem Corona-Virus starben: Das sind neuesten Zahlen des Schweizer Gesundheitsministeriums BAG. Mit diesen absoluten Fallzahlen liegt das Land weiter hinter Deutschland, Italien, Spanien und den USA in der Corona-Statistik. Bei der Berechnung der Infizierten pro 100.000 Einwohner liegt sie jedoch zwar hinter Spanien, aber vor Deutschland, Italien und den USA.

Der Grund: In der Schweiz, wo etwa 8,6 Millionen Einwohner leben, wird viel getestet - nach einer Auswertung der "Neuen Zürcher Zeitung" auf 100.000 Einwohner berechnet sogar deutlich mehr als in Deutschland. Mit dem Fazit: je mehr Tests, desto höhere Infektionszahlen. Betroffen sind vor allem die Grenzregionen zu Frankreich und Italien, wo die Lage besonders dramatisch ist.

Beispielsweise der Kanton Tessin, der an die italienische Krisenregion Lombardei grenzt: Von dort kamen dem Bericht zufolge vor der Corona-Krise täglich 70.000 Arbeitskräfte über die Grenze. Die Infektionsrate lag Anfang April bei mehr als 600 pro 100.000 Einwohner. Auch in Genf, das fast vollständig von Frankreich umgeben ist, ist die Fallzahl deutlich höher als im Rest der Schweiz.

Kurve der Neuansteckungen abgeflacht

Für Panik sehen die Behörden keinen Anlass. Wie weiter berichtet wird, flachte zum einen die Kurve der Neuansteckungen seit Ausrufung des Notstands am 16. März ab. Grenzschließungen, Geschäftsschließungen, ein Versammlungsverbot und andere Maßnahmen werden als Gründe für diesen Erfolg genannt. Vor dem Notstand hatte sich die Zahl der Fälle in weniger als fünf Tagen verdoppelt, Ende März waren es mehr als elf Tage.

Zum anderen würden die Menschen wie empfohlen zuhause bleiben. Das lassen anonymisierte Handydaten erkennen. "Erste Auswertungen zeigen, dass seit dem Versammlungsverbot von mehr als fünf Personen deutlich weniger Menschen unterwegs waren", so das Bundesamt für Gesundheit. Ausgänge allein oder mit der Familie, die im gleichen Haushalt wohnt, sind erlaubt. Mundschutzzwang gibt es nicht. Die Menschen halten sich an die Restriktionen, die bis mindestens 19. April in Kraft sind.

Gutes Gesundheitssystem dank Tausender Grenzgänger

Zudem ist das Gesundheitssystem gut aufgestellt. Die Krankenhäuser sind nicht am Limit. Einige nahmen sogar, wie in Deutschland, Covid-19-Patienten aus Frankreich und Italien auf.

Diese Solidaritätsaktion wird zwar einerseits als Selbstverständlichkeit deklariert, ist aber nicht ganz uneigennützig. Die Schweiz ist auf das Wohlwollen der Nachbarländer angewiesen, damit diese ihre Grenzen für die vielen Grenzgänger offen lassen. Allein im Tessin und in Genf arbeiten Tausende Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte aus Italien und Frankreich. Sollte Frankreich beispielsweise alle französischen Pflegekräfte zum Einsatz nach Hause beordern, könnte die Schweizer Krankenhäuser nicht mehr weiterarbeiten.

Darstellung: