Die nordkoreanische Grenzstadt Kaesong von Paju, Südkorea aus betrachtet | Bildquelle: YONHAP/EPA-EFE/Shutterstock

Grenzstadt abgeriegelt Nordkorea meldet ersten Corona-Verdachtsfall

Stand: 26.07.2020 08:12 Uhr

Bislang gab es in Nordkorea offiziell noch keine Coronavirus-Fälle. Doch nun soll der erste Verdachtsfall aufgetreten sein: Ein Überläufer sei möglicherweise infiziert, hieß es. Die Grenzstadt Kaesong wurde abgeriegelt.

Mehr als ein halbes Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie hat Nordkorea erstmals einen Corona-Verdachtsfall gemeldet. Bei einer Krisensitzung des Politbüros erklärte Staatschef Kim Jong Un laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA den "maximalen Alarmzustand". Über die 200.000-Einwohner-Stadt Kaesong an der Grenze zu Südkorea wurde eine Ausgangssperre verhängt.

KCNA zufolge soll es sich bei dem mutmaßlich Infizierten um einen Überläufer handeln, der vor drei Jahren nach Südkorea gegangen sei. Vor einer Woche habe er dann die scharf bewachte Grenze "illegal überquert" und sei nach Nordkorea zurückgekehrt. Von südkoreanischer Seite wurde allerdings keine Überquerung der mit Minenfeldern gespickten Grenze gemeldet.

Bislang offiziell kein einziger Fall

Laut KCNA befindet sich der Patient in Kaesong unter "strikter Quarantäne". Ein Abstrich und ein Bluttest hätten eine "mögliche Infektion" ergeben, hieß es. Es handele sich um eine "gefährliche Situation", die zu einer "tödlichen und zerstörerischen Katastrophe führen" könne. KCNA zitierte Staatschef Kim mit den Worten, "das bösartige Virus könnte ins Land gelangt sein".

Bisher hatte das extrem abgeschottete und autoritär geführte Nordkorea nach offiziellen Angaben keinen einzigen Fall des neuartigen Coronavirus registriert. Das Land hatte seine Grenzen wegen des Virus Ende Januar geschlossen. Allerdings gilt die 1400 Kilometer lange Grenze zu China als durchlässig - vor allem im Winter, wenn zugefrorene Flüsse den Übertritt ermöglichen und der Schwarzmarkt entlang der Grenze blüht.

Virus soll schon vorher ins Land gelangt sein

Experten vermuten, dass das Virus schon vor der Grenzschließung ins Land gelangte. Es bestehe kein Zweifel, dass das Coronavirus aus China ins Land gelangt sei, sagte Go Myon Hyun vom Asan-Institut für Politologie. Pjöngjang hänge den angeblich aus Südkorea eingeschleppten Fall an die große Glocke, um Überläufer als "gefährliche Wesen" zu brandmarken.

Aus Russland und anderen Ländern erhielt Nordkorea bereits Coronavirus-Testsets. Tausende von Menschen wurden unter Quarantäne gestellt, aber die Einschränkungen wurden vor kurzem wieder gelockert.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. Juli 2020 um 09:00 Uhr.

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