Metropolitan Museum | Bildquelle: dpa

MET-Jubiläum während Corona-Pandemie Stillstand statt Feier

Stand: 13.04.2020 08:28 Uhr

Eigentlich wollte das Metropolitan Museum in New York sein 150-jähriges Bestehen feiern. Doch dann kam die Corona-Pandemie. Anstatt zu feiern, geht die Angst vor Entlassungen um.

Von Stefanie Dodt, ARD-Studio New York

Ein riesiger Kuchen, selbst gebacken von den Mitarbeitern, Ansprachen, ein großer Festakt, Live-Musik: Das MET hätte seinen Geburtstag groß gefeiert. Nicht nur an diesem Jubiläumstag, auch in den kommenden Monaten. Eine Parade im Central Park, ein Fest-Wochenende im Juni: alles abgesagt.

Das Museum ist seit genau einem Monat geschlossen. "Es ist einsam im MET", so Museumsdirektor Max Hollein. Er und die Sicherheitsmitarbeiter sind derzeit meist die einzigen Menschen im Museum. Es gilt mit rund 1,5 Millionen Exponaten auf fast 200.000 Quadratmetern als eines der umfassendsten und bedeutendsten Museen der Welt.

Metropolitan Museum | Bildquelle: dpa
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Einmaliger Stillstand: Das Metropolitan Museum ist bereits seit Wochen geschlossen.

Einmalige Ausnahmesituation

Im Central Park hinter dem Museum an New Yorks Fifth Avenue kämpfen Menschen in einem Zelt-Krankenhaus um ihr Leben. "Wenn wir sehen, dass es ein Lazarett gibt im Central Park, dann gibt es keinen Grund, dass wir uns jetzt feiern", sagt Inka Drögemüller aus Lüben in Niedersachsen, Direktorin für Bildung und Digitales, im ARD-Interview. "Wir überlegen jetzt: Was können wir der Gesellschaft zurückgeben?"

Eine Ausnahmesituation, die es auch für das MET so noch nie gegeben hat. Selbst nach dem 11. September 2001 war das Museum nur für zwei Tage geschlossen. Nun kreieren die Mitarbeiter ein Ersatz-Museum online, für die Besucher zu Hause: "Inhalte, Kontemplation, Inspiration, Unterstützung für den Alltag", so Drögemüller, alles digital.

Das MET begeht 150-jähriges Jubiläum - ohne die geplanten Feierlichkeiten
tagesschau 20:00 Uhr, 13.04.2020, Stefanie Dodt, ARD New York

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Finanzielle Risiken

Virtuelle Museumsbesuche. Die Oper "The Mother of Us All" als digitale Premiere. Statt den regelmäßigen Lesestunden für Kinder im Museum gibt es die "Storytime" nun als Video. Besonders beliebt sind auch die Mitmachaktionen in den sozialen Medien, bei denen die Besucher zum Beispiel ein Kunstwerk ihrer Wahl nachstellen.

Hinter den Kulissen steigt bei den Mitarbeitern die Zukunftsangst. Die Museen der USA sind meist privat finanzierte Stiftungen ohne öffentliche Gelder. "Für kleinere Einrichtungen ist das lebensbedrohend derzeit", sagt der österreichische Museumsdirektor Max Hollein im ARD-Interview. Auch größere Institutionen bekommen die finanziellen Folgen durch die Schließungen bereits zu spüren: Das Guggenheim Museum nur wenige Meter vom MET entfernt hat bereits fast 100 Mitarbeiter beurlaubt und weiteren die Gehälter gekürzt.

Angst vor Jobabbau

Hinter dem MET Museum stehen rund 3,6 Milliarden Dollar Stiftungsgeld - bisher kalkuliert das Museum 100 Millionen Dollar Verlust durch die Pandemie. Allerdings seien die Gelder an bestimmte Zwecke gebunden, erklärt Hollein: "Unser Stiftungsvermögen steht nur sehr begrenzt für operative Zwecke zur Verfügung. Wir haben bereits jetzt schon die Mittel, die wir davon abzweigen können, dafür abgezweigt."

Bis Mai konnte er seinen mehr als 2000 Mitarbeitern noch versichern, dass alle Gehälter bezahlt werden können. "Wenn aber das MET für viele Monate weiter geschlossen sein wird, wird es für uns unmöglich sein, den gesamten Mitarbeiterstab so tragen zu können."

Hoffnung auf die Wiedereröffnung

Die Angst vor dem Jobverlust spürt auch Inka Drögemüller in den Gesprächen mit ihren Mitarbeitern. "Alle, die jetzt im Homeoffice sind, wollen ganz besonders zeigen, wie wichtig sie sind und was sie alles von zu Hause machen, sie setzen sich wahnsinnig unter Druck." Drögemüller versucht, diesen Druck so weit wie möglich abzufedern, "aber ich kann ihnen natürlich die Angst, dass es zu Entlassungen kommt, nicht nehmen". Eine Entlassung inmitten dieser Krise wäre für viele eine Katastrophe.

Die große Hoffnung der Mitarbeiter und des Museums ist es jetzt, im Juli wieder eröffnen zu können - auch wenn Direktor Max Hollein das als einen "optimistischen Glauben" bezeichnet. Im Oktober soll dann zumindest ein Teil der Jubiläumsfeierlichkeiten nachgeholt werden. Bei allen Unsicherheiten: "Wir wissen, dass es etwas ist, das vorbeigeht, wir werden wiedereröffnen", so Hollein. Auf diesen Moment freue er sich schon jetzt ganz besonders.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. April 2020 um 16:00 Uhr.

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