Damiana Reyes, Bewohnerin des New Yorker Stadtteils Corona | Bildquelle: AP

New Yorker Viertel Wie Corona mit dem Virus ringt

Stand: 05.08.2020 15:20 Uhr

Mit dem Wort Corona leben die Menschen im New Yorker Stadtteil Queens schon lange, denn es ist der Name eines dortigen Viertels. Dann kam das Virus, und der alltägliche Überlebenskampf wurde noch härter.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

New York wurde bereits zur Beginn der Pandemie schwer getroffen. Mehr als 32.000 Menschen sind bisher an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben - fast 6000 davon allein im Stadtteil Queens. Hier gibt es ein Viertel, das noch stärker betroffen ist als alle anderen: Es trägt ausgerechnet den Namen Corona.

Der alltägliche Überlebenskampf ist in Corona noch härter als anderswo in New York. Der Anteil der Bewohner, die in einem anderen Land geboren sind, liegt bei 60 Prozent. Viele der Menschen aus Mexiko, Ecuador, Guatemala und Kolumbien sind illegal im Land. Sie können kein Arbeitslosengeld beantragen, haben keine Krankenversicherung und oft Vorerkrankungen.

Sie verloren ihre Jobs und stehen nun für Essen an

Durch den Lockdown haben sie ihre Jobs in den Restaurantküchen Manhattans, als Putzfrau, Kindermädchen oder Bauarbeiter verloren. Sie könne ihre Miete nicht mehr zahlen und ihre Familien nicht mehr ernähren. Die Schlagen vor den Essensausgaben der Suppenküchen sind lang. Bis zu 1000 Familien pro Tag kommen heute, früher waren es nur eine Handvoll.

Damiana Reyes hat wenigstens ihren Job zurück. In einem Friseursalon färbt sie Haare und setzt Highlights - während ihr oft zum Weinen zumute ist. Wie das Coronavirus in ihrer Nachbarschaft gewütet hat, lässt sie nicht los. So viele Menschen seien daran gestorben. "Mindestens zehn Menschen in meinem Block. Mein Vater ist dabei", erzählt die Einwanderin aus der Dominikanischen Republik. Auch wenn sie sich wünsche, dass alles wieder normal sei, es mache ihr Angst.

Normalität ist zum Fremdwort geworden

Normalität ist ein Fremdwort geworden in Corona. Dem Viertel von Queens, das es von allen in New York am Schlimmsten getroffen hat. Über 400 Menschen starben, über 4000 steckten sich an. Es ist Zufall, dass Corona wie das Virus heißt. Kein Zufall ist, dass es ausgerechnet hier so viele Menschen erwischt hat. Fast zwei von drei Bewohnern in Corona sind Einwanderer. Latinos, Afroamerikaner mit schlecht bezahlten Jobs. Gruppen, die statistisch die meisten Todesopfer durch das Virus zu verzeichnen haben - und durch die Folgen.

Freddy Munoz steht wie jeden Tag an, um die nötigsten Lebensmittel zu bekommen. "Es ist eine harte Zeit", sagt er, "Wenn Du keinen Job hast, hast du auch kein Geld für Essen."

Munoz steht in der Schlange zur Tafel. Nachmittags zieht sie sich schon mal um zwei Blocks herum. Deshalb sichern sich die ersten schon morgens um fünf ihren Platz, nur um das Nötigste wie Mais, Zwiebeln, Reis und Bohnen zu ergattern. Einwanderer wie er - aus Süd- und Mittelamerika - säumen die Bürgersteige vor verschlossenen Läden und heruntergelassenen Jalousien.

Munoz hat an der Theke von einem Imbiss gearbeitet. Dann hätten sie dicht gemacht. Jetzt müsse er sein mein eigenes Essen hier holen. "Jeder kann kommen. Wir fragen nicht nach Ausweisen oder Papieren", sagt Pedro Rodriguez. Er ist Gründer der "La Jornada Food Pantry". Es gibt Lebensmittel und manchmal warmes Essen, außerdem auch Kleidung und Bibelstunden. Früher seien 1000 Leute in der Woche gekommen, berichtet Rodriguez: "Heute sind es Zehntausend."

Zwei Männer mit Gesichtsmasken gehen im New Yorker Stadtteil Queens an Schaufenstern vorbei. | Bildquelle: AP
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Zahlreiche Geschäfte im New Yorker Stadtteil Queens mussten wegen der Corona-Krise schließen. Vor allem im Viertel mit dem Namen Corona gibt es immer mehr Armut.

"Wir können nicht sehen, dass es bald besser wird"

Die zusätzliche Corona-Arbeitslosenhilfe ist inzwischen ausgelaufen. Wer illegal im Land ist, fragt aber erst gar nicht danach. "Für unsere Gemeinde ist das jeden Tag ein Kampf", sagt Walther Sinche von der Latino-Gemeinde "Alianza Equatoriana International". Das Schlimme dabei sei, dass das erst der Anfang sei. "Wir können nicht sehen, dass es bald besser wird", so Sinche. Vor allem die Menschen ohne Papiere bereiten ihm Sorgen. Der Kampf im Corona-Viertel von Queens werde noch sehr lang dauern.

New Yorker Viertel Queens ist hart von der Corona-Pandemie getroffen
Antje Passenheim, ARD New York
05.08.2020 14:13 Uhr

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