Times Square in New York | Bildquelle: AFP

Corona-Krise in den USA New York erwacht nur langsam wieder

Stand: 25.06.2020 09:18 Uhr

Zwar dürfen Restaurants und Geschäfte unter Auflagen wieder öffnen, doch New Yorks Straßen sind noch eher leer. Die Stadt ist pleite. Bürgermeister de Blasio verspricht: "Die New Yorker schaffen das."

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Bürgermeister Bill de Blasio versuchte mit gutem Beispiel voranzugehen. Medienwirksam ließ er sich von Friseur Alberto Amore in dessen Salon am New Yorker "Astor Place" die Haare schneiden. Als Zeichen dafür, dass es vorangeht auf dem Weg in eine Nach-Corona-Realität, die für seine Stadt bitter werden wird - trotz aller Durchhalteparolen:

"Ich sage den Leuten immer: Egal wie groß die Herausforderung ist, New Yorker schaffen das, sie gehen ihren Weg. Das hier ist eine außergewöhnliche Krise, vielleicht die schlimmste in der Geschichte der Stadt. Aber wir New Yorker werden auch sie meistern, wenn wir zusammenstehen und Neues aufbauen."

Bill de Blasio beim Friseur | Bildquelle: REUTERS
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Öffentlichkeitswirksamer Auftritt: New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio beim Friseur.

Eine Milliarde Dollar muss eingespart werden

In den kommenden Monaten heißt es jedoch erstmal abbauen: New York ist pleite. Trotz bereits jetzt harter Kürzungen muss bis Ende des Jahres eine Milliarde Dollar zusätzlich eingespart werden.

22.000 städtische Jobs stehen auf der Kippe. Insgesamt hat New York mindestens neun Milliarden Euro in der Corona-Krise eingebüßt. De Blasio schildert die Lage:

"Tourismus? Verschwunden. Hotelindustrie? Am Boden. Bürogebäude? Geschlossen. Reisen, die wichtigen Wirtschaftszweige wie Restaurants - so viele Menschen haben ihren Job verloren und damit ihre Lebensgrundlage für sich und ihre Familien. Damit fallen auch Einnahmen für New York aus, mit denen wir sonst die Stadt am Laufen gehalten haben."

Grand Central in New York | Bildquelle: AFP
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Viele arbeiten weiter aus dem Homeoffice - die Station "Grand Central" geisterhaft leer.

Büros leer - Restaurants hoffen auf Kunden

Dabei war New York so hoffnungsvoll in diese Woche gestartet. Phase 2 der großen Wiedereröffnung. Neben Friseuren dürfen seit Montag auch die meisten Einzelhändler unter strengen Auflagen wieder öffnen, Restaurants Essen draußen servieren und Büros mit halber Belegschaft die Arbeit aufnehmen.

Doch weite Teile Manhattans gleichen immer noch einer Geisterstadt. Die ganzen Bürogebäude in Midtown sind leer, nur ganz wenige Leute in den Straßen. "Das ist traurig", sagt ein Anwalt, der in einem fast leeren Zug im noch leereren Bahnhof "Grand Central" angekommen ist:

"Die ganzen Restaurants und Cafes werden sterben. Gucken Sie sich doch allein mal die Läden hier im 'Grand Central' an. Hier ist ja niemand! Die werden alle ohne Kunden nicht überleben können. Die großen Banken, Unternehmen und Institutionen lassen ihre Leute von zu Hause arbeiten - und das noch viele Monate. Nur bei kleinen Firmen wie meiner ist das anders."

Menschen sitzen in New York vor einem Resturant | Bildquelle: AFP
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Essen darf in New York nur draußen serviert werden.

"Wir sind bereit!"

Doch das wird nicht reichen, um die in der Vor-Corona-Zeit boomenden Restaurants und Bars zu retten. An vielen Türen hängen "Dauerhaft geschlossen"-Schilder. Fenster sind mit Sperrholz vernagelt.

Die Gastronomen, die den dreimonatigen Shutdown irgendwie überstanden haben, setzen jetzt auf Außenbewirtung. So auch Almando vom Restaurant "Sinigual":

"Wir fangen heute damit an. Die Stadt hat uns erlaubt, Tische und Stühle auf die Straße zu stellen. Wir sind bereit! Das fühlt sich gut an nach drei Monaten, in denen wir nichts machen konnten, außer Essen zum Mitnehmen anzubieten."

Bürgermeister: "Das ist erst der Anfang"

Überall in der Stadt stehen jetzt Tische und Stühle, wo vorher Straßen, Parkplätze und Radwege waren. Ob das Konzept aufgeht, muss sich erst noch zeigen. Denn auch New Yorker sind es gewohnt, in klimatisierten Restaurants zu essen - erst recht bei Temperaturen von 35 Grad und mehr, die hier im Sommer keine Seltenheit sind.

Und so schwört auch Bürgermeister de Blasio die New Yorker auf harte Zeiten ein:

"Das ist erst der Anfang einer Herausforderung, die lange andauern wird. Das betrifft die Wirtschaft und den Haushalt der Stadt. Wir reden nicht über ein Jahr oder zwei, eher über drei bis vier Jahre, bis New York wieder so ist, wie es sein sollte."

Leere Büros und Restaurants - New Yorks schwieriger Weg zurück in die Normalität
Peter Mücke, ARD New York
25.06.2020 07:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Juni 2020 um 10:45 Uhr.

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