Fussgängerzone in Marseille | REUTERS

Steigende Corona-Zahlen 16.000 neue Fälle in Frankreich

Stand: 25.09.2020 01:53 Uhr

Die französische Regierung ist alarmiert: Die täglichen Infektionszahlen sind auf einem neuen Höchststand - und trotzdem gibt es Kritik an der Verschärfung der Corona-Maßnahmen. Die betroffenen Regionen fühlen sich übergangen.

Nach einer weiteren Verschärfung der Corona-Maßnahmen haben die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Frankreich einen neuen Höchststand erreicht. Innerhalb von 24 Stunden seien 16.096 neue Infektionsfälle registriert worden, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Das sind nochmals rund 3000 Neuansteckungen mehr als am Vortag.

In den vergangenen Tagen waren in Frankreich mehrmals mehr als 13.000 Neuinfektionen an einem Tag registriert worden - dies waren die bisher höchsten Werte seit Beginn der Pandemie. Die Zahl der Corona-Toten stieg binnen eines Tages um 52.

Mehr Tests - aber auch Verzögerungen

Experten weisen allerdings darauf hin, dass die Infektionszahlen zu Beginn der ersten Corona-Welle im März und April wegen der geringen Testkapazitäten nur einen Bruchteil der tatsächlichen Ansteckungen abgebildet haben. Mit den Zahlen seit Einführung der großflächigen Tests lassen sie sich deshalb nicht vergleichen. Inzwischen werden mehr als 1,2 Millionen Tests wöchentlich gemacht, während im Frühjahr noch kaum Tests zur Verfügung standen.

Gesundheitsminister Olivier Véran räumte jedoch Probleme mit den Testkapazitäten ein. Tatsächlich gebe es in einigen Städten Verzögerungen bei den Ergebnissen. Doch sei der Stau bei der Auswertung der Tests "nicht für die neue Welle der Epidemie" verantwortlich.

Wegen der steigenden Zahlen ist die französische Regierung in Alarmstimmung. Regierungschef Jean Castex warnte: "Das Aufkommen von Covid-19 im gesamten Land ist beunruhigend." Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, verschärfte die Regierung am Mittwoch die Maßnahmen vor allem in den Großstädten weiter. Unter anderem müssen in der am stärksten betroffenen Stadt Marseille ab Samstag alle Bars und Restaurants schließen, in Paris und anderen Städten müssen sie früher schließen. Zudem wurden Versammlungen von mehr als zehn Menschen etwa in Parks und auf Plätzen untersagt.

Marseille kritisiert Corona-Maßnahmen

Trotz der stark steigenden Infektionszahlen regt sich Kritik an den neuen Regelungen. In Marseille treffen die strengen Maßnahmen auf Unverständnis. Dass Restaurants und Bars komplett schließen müssten, sei ohne jede Absprache entschieden worden, sagte Bürgermeisterin Michèle Rubirola dem Sender BFM TV. Das Rathaus forderte ein zehntägiges Moratorium. Es solle erst abgewartet werden, wie sich die Corona-Lage in der Stadt weiterentwickelt.

Der Präsident der Region Provence-Alpes-Côte-d'Azur (Paca), Renaud Muselier, kündigte via Twitter an, er werde rechtlich gegen die Schließung der Lokale vorgehen. Er hatte die Maßnahmen zuvor als "kollektive Bestrafung" scharf kritisiert. Sie seien ungerecht und unangemessen. Marseille liegt in der Region Paca.

Für Marseille und das Überseegebiet Guadeloupe wurde die "maximale Alarmstufe" ausgerufen. In Paris gilt eine "hohe Alarmstufe". Auch dort zeigte man sich unzufrieden. Bürgermeisterin Anne Hidalgo erklärte, sie sei kurzfristig informiert worden und nicht einverstanden. Die Regierung hatte zuletzt immer wieder betont, dass die gewählten Vertreter in den Regionen am besten wüssten, was zu tun sei.

Castex appelliert an gemeinsame Verantwortung

Regierungschef Castex appellierte nach der Kritik nun an die gemeinsame "Verantwortung" der Franzosen. "Eine Epidemie lässt nicht mit sich spielen", warnte Castex im Sender France 2. Auf keinen Fall wolle er zu den strikten Ausgangsbeschränkungen zurückkehren müssen, wie sie bereits zwischen März und Mai galten.

Ziel der Politik seiner Regierung sei es vor allem, eine Überlastung der Krankenhäuser zu vermeiden, sagte Castex weiter. Tatsächlich ist der Druck auf die Intensivstationen infolge der seit Wochen steigenden Corona-Infektionszahlen inzwischen so groß, dass die Pariser Krankenhäuser wieder nicht zwingend notwendige Operationen absagen müssen.

Über dieses Thema berichteten am 25. September 2020 die tagesschau um 04:56 Uhr und Deutschlandfunk um 08:22 Uhr.