Restaurant-Gäste in Soho am 19. September | AP

Sperrstunde in Pubs Großbritannien verschärft Corona-Regeln

Stand: 22.09.2020 07:26 Uhr

Tausende Neuinfizierte meldete die britische Regierung zuletzt täglich. Droht dem Königreich ein erneuter Lockdown? Premier Johnson kündigte eine Sperrstunde für Pubs an. Weitere Einschränkungen könnten folgen.

Seit Tagen steigen die Corona-Fallzahlen in England. Darauf reagiert nun die britische Regierung und verschärft die Maßnahmen für die Bevölkerung: Pubs und Restaurants sollen ab Donnerstag um spätestens 22 Uhr schließen, außerdem wird nur noch Service am Tisch erlaubt sein.

In einzelnen Regionen von Nord- und Zentralengland sind derartige Einschränkungen in der Gastronomie bereits in Kraft. Die neuen landesweiten Maßnahmen seien notwendig, um "den Wiederanstieg der Virus-Fälle unter Kontrolle zu halten", sagte ein Regierungssprecher.

Johnson will offenbar mehr Menschen im Homeoffice

Die Regelungen gehören zu einem neuen Maßnahmenpaket gegen das Coronavirus, welches Premierminister Boris Johnson heute vorstellen will. Laut einem Bericht der Zeitung "The Telegraph" ruft er seine Landsleute dabei auch dazu auf, wieder verstärkt aus dem Homeoffice zu arbeiten.

"Niemand unterschätzt die Herausforderungen, die die neuen Maßnahmen für Unternehmen und Einzelne bedeuten", teilte die Regierung mit. Allerdings müsse man alles tun, um das Gesundheitssystem zu stabilisieren.

Kunden des Pubs Cat in London | dpa

Keine Bedienung nach 22 Uhr: Die Pubs in England müssen künftig früher schließen. Bild: dpa

Boris Johnson spricht im britischen Unterhaus (Bild vom 16.09.2020). | AFP

Boris Johnson will heute seine Strategie gegen das Coronavirus präsentieren. Bild: AFP

Lage verschärft sich - erhöhte Alarmstufe

In den vergangenen Tagen vermeldeten die Behörden in England fast täglich 3500 bis 4000 neue Fälle, die Zahl der Infektionen verdoppelte sich ungefähr innerhalb von sieben Tagen. Zuletzt hatten die Chefmediziner in England, Schottland, Wales und Nordirland die offizielle Covid-19-Alarmstufe von drei auf die zweithöchsten Stufe vier angehoben. Dies bedeutet, dass das Virus allgemein zirkuliert und sich rapide ausbreitet. Die Fallzahlen stiegen "schnell und wahrscheinlich exponentiell", stellten die Experten fest. Verbreite sich das Virus ungehindert im gleichen Tempo weiter, könnte Großbritannien Mitte Oktober fast 50.000 Fälle pro Tag zählen, warnen Regierungsberater.

Der oberste Mediziner in England, Chris Whitty, verglich die Lage mit jener in Spanien und Frankreich, wo sich die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen etwa alle sieben Tage verdopple. Die Bevölkerung forderte er auf, die Abstandsregeln einzuhalten. "Dies ist nicht das Problem von irgendjemandem. Dies ist unser aller Problem", betonte er. 

Lockerungen im Juli

Mit den steigenden Fallzahlen waren die Beschränkungen im Vereinigten Königreich stetig verschärft worden. So dürfen sich Menschen nicht in großen Gruppen treffen. Noch sind die Maßnahmen jedoch nicht so strikt wie im März, als ein landesweiter Lockdown mit Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und Unternehmensschließungen verhängt wurde. Die Sperrmaßnahmen wurden im Juni gelockert, als die Zahl der Corona-Fälle zurückging.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. September 2020 um 09:00 Uhr.