Menschenleerer Plaza del Sol in Madrid | MARISCAL/EPA-EFE/Shutterstock

Corona in Spanien Noch mehr Einschränkungen in Madrid

Stand: 25.09.2020 18:18 Uhr

Kein Land verzeichnet derzeit mehr Corona-Infektionen als Spanien. Besonders betroffen ist Madrid. Die Regionalregierung reagiert mit verschärften Maßnahmen. Doch das reicht dem Gesundheitsminister nicht.

 Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

In der spanischen Hauptstadt richten sich dieser Tage viele Blicke auf diesen Mann: Antonio Zapatero, der stellvertretende Gesundheitsminister der Region Madrid. In der Pressekonferenz blickt er ernst und grimmig - und klammert sich an das Papier, das vor ihm liegt. Aber ernst ist die Lage auch.

Marc Dugge ARD-Studio Madrid

Die Ausgangsbeschränkungen in Madrid werden ausgeweitet. Schon seit Anfang der Woche sind 37 Zonen in 13 Stadtteilen und Vorstädten Madrids abgeriegelt. Ab Montag kommen acht Zonen hinzu. Damit dürfen mehr als eine Million Madrider nur noch in Ausnahmefällen ihr Viertel verlassen - etwa, wenn sie zur Arbeit oder zur Schule müssen. "Natürlich handelt es sich um zeitlich beschränkte und außerordentliche Maßnahmen", sagte Zapatero. "Das wichtige ist, dass wir flexibel Entscheidungen treffen, die helfen, Zeit zu gewinnen und die Verbreitung des Virus einzudämmen."

Bisher hat die konservative Madrider Regionalregierung mit ihrer Strategie keinen Erfolg gehabt, das Virus zu bremsen. Im Gegenteil. Es hat sich in einigen Stadtteilen und Vororten rasant ausgebreitet. Einige verzeichnen schon mehr als 1000 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner - in einem Zeitraum von 14 Tagen.

Antonio Zapatero, stellvertretender Gesundheitsminister der Region Madrid | dpa

Antonio Zapatero, stellvertretender Gesundheitsminister der Region Madrid Bild: dpa

Madrid kaufte alle in Spanien verfügbaren Tests

Schon werden in Madrid wieder Hotels zu Krankenhäusern umgerüstet. Es fehlt an Ärzten, an Mitarbeitern, die Infektionsketten nachverfolgen und auch an Testkapazitäten. Hier will die Region nachhelfen, verspricht der Madrider Gesundheitsminister. Sie habe fünf Millionen Schnelltests gekauft, sogenannte Antigen-Tests. Sie zeigten innerhalb von wenigen Minuten verlässlich, ob jemand das Virus in sich trage, so Zapatero. Schon ab Montag sollen sie in den betroffenen Vierteln zum Einsatz kommen.

"Wir haben immer gesagt, dass wir den Madridern alle Ressourcen zur Verfügung stellen und hiermit zeigen wir, dass dem auch so ist", sagt Zapatero. Madrid habe alle in Spanien verfügbaren Tests aufgekauft. Diese Tests seien schon erfolgreich in Notaufnahmen eingesetzt worden. "Wir hoffen, dass sie in den Gesundheitszentren den gleichen Effekt erzielen", fügte er hinzu.

Der spanische Gesundheitsminister Salvador Illa ließ durchblicken, was er von den Plänen Madrids hält: herzlich wenig. Er trat zur gleichen Zeit wie Zapatero vor die Presse nur einige Kilometer weiter und berichtete, welche Empfehlungen er der Regionalregierung gegeben hat - etwa die Maßnahmen auf die ganze Stadt Madrid auszuweiten und auf alle Städte, die mehr als 500 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von 14 Tagen haben.

Spaniens Gesundheitsminister kündigt "harte Wochen" an

Die Regionalregierung sieht dagegen die Schwelle erst bei 1000 Neuinfektionen, also einem doppelt so hohen Wert. Sie wehrt sich entschieden gegen eine Ausgangssperre für das gesamte Stadtgebiet, wie es Gesundheitsminister Illa vorschlägt. Und beharrt darauf, dass die Maßnahmen angemessen seien.

Noch vor wenigen Tagen hatten beide Regierungen versucht, Geschlossenheit im Kampf gegen das Virus zu demonstrieren. Jetzt liegt der Konflikt offen zutage. Der spanische Gesundheitsminister Illa belässt es bisher aber lieber bei versteckter Kritik in Zwischentönen, in Sätzen wie diesen: "Alle Autonomen Regionen handeln entschlossen und treffen Entscheidungen, die gelegentlich nicht leichtfallen, um in ihren Gebieten das Virus unter Kontrolle zu bekommen" und "Alle, also die ganz große Mehrheit, trifft die richtigen Entscheidungen, um die Pandemie in ihrem Gebiet unter Kontrolle zu bekommen".

Ob Madrid mit seinen Entscheidungen richtig liegt, dürfte sich frühestens in einigen Wochen zeigen. Gesundheitsminister Illa hat die Bürger Madrids schon auf "harte Wochen" eingeschworen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 25. September 2020 um 17:18 Uhr.