Ein Paar geht am Strand von San Telmo in Santa Cruz de Tenerife spazieren. | Bildquelle: dpa

Viele Corona-Infektionen Kanaren sorgen sich um Sonderstatus

Stand: 28.08.2020 18:20 Uhr

Die Kanaren waren bisher vom Coronavirus kaum betroffen - die Inselgruppe gilt nicht als Risikogebiet. Doch nun melden die Behörden einen starken Anstieg der Fälle. Neue Einschränkungen drohen - auch für Touristen.

Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote und Co. - die Kanarischen Inseln sind beliebte Reiseziele für deutsche Touristen. Rund 14 Millionen internationale Gäste besuchten die Inselgruppe 2019 - 2,65 Millionen Besucher kamen aus Deutschland. Während der Corona-Pandemie genießt die Region einen Sonderstatus bei deutschen Behörden. Anders als für den Rest Spaniens gilt für die Kanaren keine Reisewarnung - bisher.

Die regionalen Gesundheitsbehörden meldeten am Donnerstagabend 338 neue Fälle binnen 24 Stunden. Das ist die höchste Zahl seit dem Ausbruch der Pandemie im März. Nun müssen die Atlantik-Inseln befürchten, ihre Sonderstellung zu verlieren.

Radfahrer auf Teneriffa | Bildquelle: picture alliance / NurPhoto
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Die Kanaren sind auch bei Sporturlaubern beliebt.

Sorge vor "Todesstoß" für die Tourismus-Industrie

Zentrales Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Auf den Kanaren sind es bereits 79,69. Damit weisen die Kanaren ähnliche Zahlen wie die Balearen auf. Für ganz Spanien gab das Gesundheitsministerium in Madrid den Wert mit mehr als 58 für die vergangenen sieben Tage an.

Eine Reisewarnung würde der bereits schwer angeschlagenen Tourismusbranche, die zu circa 35 Prozent des Regionaleinkommens beiträgt, den "Todesstoß versetzen", wie Medien am Freitag warnten. Schon jetzt herrscht laut lokaler Medien "Trostlosigkeit" und "Verzweiflung". Die Zeitung "El Día" zeigte Fotos leerer Straßen und Kneipen.

Schärfere Regeln angekündigt

Wegen der Notlage trat der kanarische Regionalpräsident Ángel Víctor Torres sichtlich besorgt vor die Presse und gab neue Einschränkungen bekannt, die er drastisch nannte. Auf den besonders schwer betroffenen Inseln Gran Canaria und Lanzarote sind Veranstaltungen mit mehr als zehn Teilnehmern ab Samstag und vorerst für zwei Wochen verboten. Restaurants und Kneipen werden schon um Mitternacht schließen.

In der gesamten Region wird man auch am Arbeitsplatz Maske tragen müssen. Die Polizei werde mit mehr Beamten dafür sorgen, dass die Vorschriften eingehalten werden, warnte Torres die 2,15 Millionen Einwohner seiner Region. "Dass es bei uns noch schlimmer kommen würde, hätten wir nie gedacht", sagte ein Restaurantbetreiber in Las Palmas de Gran Canaria. "Hier herrscht schon jetzt tote Hose", klagt der Gastwirt.

Deutlich weniger deutsche Touristen

Wie schlimm die Lage auf den Kanaren ist, beweisen bereits die amtlichen Zahlen für Juli, obwohl die Infektionslage im vorigen Monat viel besser war als die aktuelle: Die Zahl der britischen Besucher fiel im Vergleich zum Vorjahresmonat um mehr als 80 Prozent: Von 450.000 auf weniger als 75.000. Die Zahl der Besucher aus Deutschland ging derweil von rund 190.000 auf weniger als 80.000 zurück.

Viele Reserven zum Durchhalten gibt es inzwischen nicht mehr. Im ersten Halbjahr brach die Wirtschaft der Kanaren um gut 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein. In diesen sechs Monaten machten mehr als 1200 Betriebe hauptsächlich wegen Corona dicht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. August 2020 um 17:00 Uhr.

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