Medizinisches Personal mit Schutzmasken in Brescia (Italien) | REUTERS

Coronavirus Italien schließt Schulen und Unis

Stand: 04.03.2020 18:47 Uhr

In Italien ist die Zahl der Coronavirus-Toten auf mehr als 100 gestiegen. Allein innerhalb von 24 Stunden gab es 28 neue Opfer. Um die Ausbreitung des Virus zu bremsen, werden vorerst alle Schulen und Unis geschlossen.

Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Italien schreitet massiv voran: Insgesamt hätten sich 3089 Menschen infiziert, gab der Zivilschutz bekannt. Am Vortag waren es noch rund 2500 Infizierte. Und auch die Zahl der Toten durch die ausgelöste Krankheit "Covid-19" hat deutlich zugenommen. Innerhalb von 24 Stunden gab es 28 neue Opfer. Die Gesamtzahl stieg damit auf 107.

Mittlerweile gibt es in fast allen Regionen Fälle, die meisten allerdings nach wie vor in der Lombardei, der Emilia-Romagna und in Venetien. 295 Menschen liegen auf der Intensivstation.

Schulen und Universitäten müssen schließen

Damit ist Italien weiterhin das mit Abstand am stärksten vom Coronavirus betroffene Land in Europa. Um die Ausbreitung einzudämmen, beschloss die Regierung - wie schon vorab bekannt geworden war - die Schließung sämtlicher Schulen und Universitäten. Die Maßnahme gilt von morgen an und vorerst bis zum 15. März.

Bis auf Weiteres werden voraussichtlich auch alle Fußballspiele der Serie A ohne Publikum ausgetragen. Dies werde die Regierung wohl anordnen, sagt Sportminister Vincenzo Spadafora. Im Februar hatte die Regierung Sportveranstaltungen im vom Coronavirus besonders betroffenen Norden des Landes abgesagt. Bislang wurden zehn Spiele der Serie A verschoben.

Desinfektion des San Paolo Stadions in Neapel | CIRO FUSCO/EPA-EFE/Shutterstock

Desinfektion des San Paolo Stadions in Neapel, wo eigentlich die Halbfinalpartie des Coppa Italia stattfinden sollte. Das Spiel zwischen Neapel und Inter Mailand wurde inzwischen verschoben. Bild: CIRO FUSCO/EPA-EFE/Shutterstock

Um die Ausbreitung zu stoppen, sollen bald auch neue Verhaltensregeln gelten. Medien berichteten, dass das Expertenkomitee der Regierung eine Liste vorgeschlagen habe. Darunter sei der Verzicht auf die traditionellen "Baci" - Küsse, Umarmungen und Händeschütteln, wenn man sich trifft. Stattdessen wird ein Meter Abstand empfohlen.

Wirtschaft schwer getroffen

Die wirtschaftlichen Auswirkungen durch die Virus-Epidemie sind für viele Menschen fatal, der Tourismus in Italien ist komplett eingebrochen. Der Verband Confturismo sprach von Verlusten von 7,4 Milliarden Euro in den drei Monaten März bis Mai. "Leider zahlen wir für die Folgen einer medialen Kommunikation, die tödlicher ist als das Virus", erklärte der Präsident des Verbandes Confturismo-Confcommercio, Luca Patanè.

Städte wie Venedig und Mailand sind leer, selbst die Hauptstadt Rom - die bisher wenig Fallzahlen hat - ist wie leer gefegt. Auch die Architekturbiennale in Venedig wurde verschoben.

Nur wenige Menschen sind auf der sonst von Touristen überlaufenen berühmten Spanische Treppe in Rom. | CLAUDIO PERI/EPA-EFE/Shutterstoc

Nur wenige Menschen sind auf der sonst von Touristen überlaufenen berühmten Spanische Treppe in Rom. Bild: CLAUDIO PERI/EPA-EFE/Shutterstoc

Italien zunehmend isoliert

Tunesien kündigte die Aussetzung des Verkehrs der Personenfähren nach Norditalien an. Am Montag war in Tunesien der erste Coronavirus-Fall festgestellt worden. Ein Tunesier, der per Schiff in seine Heimat aus Italien zurückkehrte, hatte sich angesteckt.

Italien gilt in vielen Ländern inzwischen als Risikozone. Besucher, die von dort zurückkehren, werden unter Qurantäne gestellt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. März 2020 um 20:00 Uhr.