Himalaya mit Mount Everest (Hinten Mitte) | AFP
Hintergrund

Kampf gegen Corona Selbst der Mount Everest macht dicht

Stand: 13.03.2020 19:27 Uhr

Auch der höchste Berg der Welt ist nicht vor dem Coronavirus sicher: Die Regierung Nepals untersagte deshalb alle Expeditionen. In Österreich werden Skigebiete geschlossen, Spanien ruft den Alarmzustand aus. Ein Überblick.

Ab kommender Woche müssen viele Geschäfte vorübergehend schließen. Supermärkte, Banken oder Apotheken dürfen offen bleiben. Restaurants, Cafés und Bars dürfen ab Montag nur noch bis 15 Uhr geöffnet bleiben. Die Tiroler Skigebiete Paznauntal und St. Anton am Arlberg sind unter Quarantäne gestellt. Tirol und Salzburg schließen wegen der Corona-Epidemie außerdem alle Seilbahnen und beenden die Wintersaison vorzeitig. Die Seilbahnen dort sind nur noch bis einschließlich Sonntag geöffnet, die Hotels und andere Beherbungsbetriebe bis einschließlich Montag. Der Montag sei gewählt worden, um Urlaubern eine "geordnete Rückreise" aus den Skigebieten zu ermöglichen, teilten die Behörden mit. Zuvor waren Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen in geschlossenen Räumen und mehr als 500 Teilnehmern im Freien zunächst bis zum 3. April untersagt worden. Schüler der Oberstufe sollen ab kommenden Montag zu Hause bleiben, alle anderen ab kommenden Mittwoch. Die Maßnahme gilt bis zum Beginn der Osterferien am 3. April.

Die spanische Regierung ruft ab Samstag einen zweiwöchigen Alarmzustand aus. Ministerpräsident Pedro Sánchez erklärte, das Land werde "alle Ressourcen mobilisieren", darunter das Militär, um den drastischen Anstieg der Fallzahlen zu begrenzen. Auf Grundlage des Alarmzustands kann die Zentralregierung unter anderem die Bewegungsfreiheit der Menschen einschränken, legal Waren beschlagnahmen und die Kontrolle von Unternehmen und privaten Einrichtungen wie Krankenhäusern übernehmen. Zuvor hatten die katalonischen Regionalbehörden wegen des Virus erstmals in Spanien die Abriegelung von vier Städten angeordnet. Die insgesamt knapp 70.000 Einwohner der katalanischen Nachbargemeinden Igualada, Vilanova del Camí, Santa Margarida de Montbui und Òdena dürfen das Sperrgebiet rund 60 Kilometer nordwestlich von Barcelona seit Donnerstagabend nicht mehr verlassen.

Ein Mann schiebt in Malaga einen Einkaufswagen mit Toilettenpapier über die Straße | Jorge Zapata/EPA-EFE/Shutterstoc

Angst vor Engpässen: In Malaga deckt sich ein Mann mit Toilettenpapier ein. Bild: Jorge Zapata/EPA-EFE/Shutterstoc

Anders als viele europäische Staaten plant Großbritannien vorerst keine Schulschließungen. Premiermninister Boris Johnson spricht zwar von der "schlimmsten Gesundheitskrise in einer Generation", rechnet aber erst in einigen Wochen mit einer Verschlimmerung der Lage. Gesundheitsexperten befürchten aber, dass sich bereits bis zu 10.000 Menschen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 angesteckt haben. Sollte diese Zahl zutreffen, wäre Großbritannien nach Italien das am schwersten betroffene Land in Europa.

In Belgien bleiben alle Restaurants, alle Cafés und Museen von heute an vorerst geschlossen. Sämtliche Freizeitaktivitäten, Kulturveranstaltungen und Konzerte müssen abgesagt werden - auch die privaten. Die Schulen bleiben zunächst bis zum 3. April geschlossen. Eltern, die beispielsweise im Gesundheitswesen tätig sind und arbeiten müssten, könnten ihre Kinder aber weiterhin zur Betreuung in die Schulen schicken. Ministerpräsidentin Sophie Wilmès bat die Bürger, öffentliche Verkehrsmittel nur dann zu nutzen, wenn es keine andere Möglichkeit gebe.

Dänemark schließt bis auf Weiteres seine Grenzen. Die Maßnahme gelte ab Samstagmittag, teilte Ministerpräsidentin Mette Frederiksen mit. Schon zuvor waren dem Gesundheitsministerium im Eilverfahren weitreichende Befugnisse eingeräumt worden. Unter anderem können nun Versammlungen von mehr als 100 Menschen untersagt werden. Schulen, Kitas und öffentliche Einrichtungen sind für zwei Wochen geschlossen.

Die Grenzen werden fast vollständig abgeriegelt. Allen Ausländern wird ab Montag die Einreise untersagt, nicht mehr nur wie bisher denjenigen aus Risikogebieten. Zugleich werden allen tschechischen Staatsbürgern und Ausländern mit Daueraufenthalt in dem EU-Mitgliedstaat Reisen ins Ausland verboten. Die vorsätzliche Gefährdung von Menschen durch die Krankheit soll zur Straftat erklärt werden. Sonderregelungen gibt es für Arbeitspendler in einem Streifen von 50 Kilometern beiderseits der Grenze zu Deutschland und Österreich, für Lkw-Fahrer und für Diplomaten. Menschen, die aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und 12 weiteren sogenannten Risikogebieten zurückkehren, müssen außerdem ab sofort für zwei Wochen in häusliche Quarantäne. Die scharfen Kontrollen an den Grenzen beginnen in der Nacht zu Samstag. Dann stellt auch die tschechische Staatsbahn Ceske Drahy den Verkehr von und nach Deutschland ein.

Desinfektionsmaßnahmen in einer Straßenbahn in Prag | MARTIN DIVISEK/EPA-EFE/Shutterst

Erst sich desinfizieren, dann den Wagon: Schutzmaßnahmen in einer Straßenbahn in Prag Bild: MARTIN DIVISEK/EPA-EFE/Shutterst

Nach den Flughäfen hat das EU- und Schengenland Slowakei auch seine Grenzen für Reisende auf Straßen und Schienen dichtgemacht. Seit sieben Uhr werden die Grenzübergange zu allen Nachbarländern außer Polen streng kontrolliert. Wer keinen Wohnsitz im Land nachweisen kann oder über einen gültigen slowakischen Reisepass verfügt, muss draußen bleiben. Bis Donnerstagabend verzeichnete die Slowakei 21 bestätigte Covid-19-Infektionsfälle. Todesopfer gab es bisher keine.

Estland schließt bis zum 1. Mai seine Schulen und verbietet in dieser Zeit auch öffentliche Versammlungen. Reisende aus Italien, China, Iran, Südkorea, Japan und Singapur sowie aus Teilen Deutschlands, Spaniens und Frankreichs müssen sich zudem zwei Wochen in Quarantäne begeben, wie die Regierung ankündigt. Bislang sind 27 Infektionen mit dem Coronavirus in Estland bestätigt.

Das bulgarische Parlament hat einstimmig den Notstand verhängt. Das erlaubt der Regierung, Einreise- und Reiseverbote zu verhängen, die Schließung von Schulen, Universitäten und Kindergärten zu beschließen sowie der Polizei mehr Macht bei Verstößen gegen Zwangs-Quarantäne zu geben. Regierungschef Boiko Borissow begründete die drastische Maßnahme mit einem nicht disziplinierten Verhalten der Bulgaren bei den bisherigen Schutzvorkehrungen.

Auf dem fünften Kontinent wurde zwar mit dem Rennen in Melbourne der Start in die neue Formel-1-Saison abgesagt, andere Sportveranstaltungen sollen jedoch weiter wie geplant stattfinden können, unter anderem die Begegnungen in der im Land sehr populären Rugby-Liga. Premierminister Scott Morrison fordert aber die Bürger des Landes auf, Ansammlungen von mehr als 500 Menschen zu vermeiden. Gegen Bürger aus China, Iran und Südkorea wurde ein Einreiseverbot verhängt und mittlerweile auch auf Italiener ausgeweitet. Bislang sind in Australien 156 Menschen mit dem Virus infiziert, drei Menschen starben.

Japans Parlament verleiht Ministerpräsident Shinzo Abe per Gesetz Sonderbefugnisse im Kampf gegen die Coronavirus-Epidemie. Abe kann demnach Schulschließungen anordnen, Medizinartikel beschlagnahmen lassen und große Menschenansammlungen verbieten. Zur Anwendung der Befugnisse müsste Abe allerdings zuerst den Notstand ausrufen. Der Regierungschef hat bereits dazu aufgerufen, Schulen zu schließen und große Veranstaltungen abzusagen. Er hatte bislang aber nicht die Befugnis, dies verpflichtend anzuordnen.

Singapur erlässt ein Einreiseverbot für Passagiere, die sich in den vergangenen 14 Tagen in Deutschland, Italien, Spanien oder Frankreich aufgehalten haben. Das Gesundheitsministerium ruft zudem dazu auf, auf alle nicht notwendigen Reisen in diese Länder zu verzichten. Außerdem wird der Hafen für Kreuzfahrtschiffe geschlossen. In dem Stadtstaat, aber auch in weiteren asiatischen Metropolen wie Manila (Philippinen), Hongkong sowie in Malaysia wurden katholische Gottesdienstfeiern bis auf weiteres abgesagt.

Auch in Israel müssen die meisten öffentlichen Bildunsgeinrichtungen schließen. Das ordnete die Regierung an. Ohnehin setzt das Land konsequent auf Abschottung: Zunächst wurden Quarantäne-Auflagen und Einreiseverbote für einzelne Corona-Risikogebiete verhängt. Mittlerweile gilt: Jeder Israeli, der aus dem Ausland zurückkehrt, muss für zwei Wochen in häusliche Quarantäne. Ausländer dürfen nur ins Land, wenn sie die Möglichkeit einer solchen Quarantäne nachweisen können, also zum Beispiel einen Wohnsitz in Israel haben. Im Ergebnis kommt die Quarantänepflicht einem kompletten Einreiseverbot gleich. Die Maßnahme gilt zunächst für zwei Wochen. Die Grenzübergänge nach Ägypten und Jordanien sind geschlossen.

Die Bergsteigersaison am Mount Everest droht wegen des Coronavirus in diesem Jahr komplett auszufallen: Nepal untersagte Aufstiege auf all seine Gipfel. Die Erteilung von Genehmigungen zum Gipfelsturm ist bis auf Weiteres ausgesetzt, zudem werden bei der Einreise keine Touristenvisa mehr erteilt. Der Ausfall der Everest-Saison bedeutet einen schweren finanziellen Einschnitt für den Himalayastaat, der jährlich umgerechnet rund vier Millionen Euro durch Aufstiegslizenzen verdient. Die Verluste für Expeditionsunternehmen dürften noch weit höher liegen. Alljährlich zieht der Mount Everest hunderte Bergsteiger aus aller Welt an. Das Zeitfenster mit günstigen Wetterbedingungen für einen Gipfelsturm geht von Ende April bis Ende Mai. Im vergangenen Jahr bestiegen in diesem Zeitraum 885 Menschen den höchsten Berg der Welt.

Bergsteiger und Sherpas in Kathmandu | AFP

Sie müssen im Tal bleiben: Bergsteiger und Sherpas in Kathmandu Bild: AFP

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. März 2020 um 13:00 Uhr.