Windräder und ein Kraftwerk | Bildquelle: dpa

Bericht zu Treibhausgasen CO2-Konzentration auf neuem Rekordhoch

Stand: 23.11.2020 16:21 Uhr

Die Treibhausgase in der Atmosphäre haben im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Und dieser Trend setzt sich fort - trotz einer "winzigen Delle" durch die Corona-Beschränkungen.

 Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Mit den Treibhausgasen ist es so eine Sache. Nicht alles, was freigesetzt wird, verbleibt in der Atmosphäre. Pflanzen, Meere - die Gesamtheit der Ökosysteme - absorbieren einen Teil der Gase. Daher analysiert der jedes Jahr von der Weltorganisation für Meteorologie in Genf vorgelegte Bericht nicht die ausgestoßenen Gase, sondern die, die in der Atmosphäre verbleiben - und zwar die, die als Hauptverantwortlich für den Klimawandel gelten: Distickstoffmonoxid, Methan und natürlich Kohlendioxid (CO2).

Dramatische Zuwachsrate bei CO2-Konzentration

Der Durchschnittswert für die CO2-Konzentration - der in ppm, also in Teilchen pro Million Teilchen gemessen wird - steigt seit Jahren - erklärt die für den Bericht verantwortliche Atmosphärenforscherin Oksana Tarasova: "Wir haben festgestellt, dass der Wert von 410 ppm im Jahr 2019 überschritten wurde. 2015 haben wir 400 ppm überschritten, das sind zehn ppm innerhalb von vier Jahren. Das ist vergleichbar mit dem Niveau der CO2-Änderungen, beim Übergang von Phasen der Eiszeit. Diese Veränderungen fanden in einem Zeitraum von 100 bis 200 Jahren statt, und jetzt haben wir es in vier Jahren geschafft." 

Die Zuwachsrate sei dramatisch, sagt die Wissenschaftlerin. 2020 gibt es eine Veränderung. Im Zuge der Corona-Pandemie sind die Treibhausgas-Emissionen zurückgegangen. Viele Flugzeuge blieben am Boden. Industriebetriebe fuhren die Produktion herunter. Und das im Prinzip weltweit.

Corona-Maßnahmen wirken sich kaum aus

Der Generalsekretär der WMO Petteri Taalas spricht jedoch nur von einer winzigen Delle in einer grundsätzlich nach oben steigenden Kurve: "In diesem Jahr haben wir aufgrund der Covid-19-Lockdowns einen Rückgang der Emissionen um vier bis sieben Prozent erlebt, aber das ändert nichts am Gesamtbild, denn die Lebensdauer von Kohlendioxid ist so lang." Auch zeigten vorläufige Ergebnisse einiger Messstationen bereits, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre 2020 weiter gestiegen sei.

Petteri Taalhas, Generalsekretär der Weltwetterorganisation (WMO) bei der Vorstellung des jährlichen Treibhausgas-Bulletins. | Bildquelle: AFP
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Der Generalsekretär der WMO, Petteri Taalas (Archivbild), spricht angesichts der Corona-Beschränkungen von einer winzigen Delle in der nach oben steigenden Kurve der CO2-Konzentration in der Atmosphäre.

Alternative Energiequellen sind nötig

Taalas fordert, die Kurve müsse nachhaltig abgeflacht werden. Um die globale Erwärmung wie vom Weltklimarat empfohlen auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssten die fossilen Energiequellen Öl, Gas und Kohle ersetzt werden durch Wind, Wasser und Solarenergie.

Eventuell brauche es auch mehr Atomkraftwerke: "Die Kernenergie ist eine herausfordernde Energieform, weil wir Atommüll haben und es keine einfache Lösung für diese Frage gibt, aber wir haben Länder, die große Mengen an Energie benötigen, zum Beispiel China". In westlichen Ländern - etwa Europa - dagegen seien Kernkraftwerke angesichts hoher gesetzlicher Anforderungen zu teuer und damit keine Alternative.

CO2-Ausstoß 2019 auf neuem Rekordhoch
Dietrich Karl Mäurer, ARD Zürich
23.11.2020 15:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. November 2020 um 16:00 Uhr.

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