Jacques Chirac  | Bildquelle: AP

Tod Jacques Chiracs Präsident der Affären und Affärchen

Stand: 26.09.2019 13:21 Uhr

Als Politiker scheute Jacques Chirac kaum einen Konflikt. Trotz vieler Affären galt er dennoch als einer der beliebtesten Präsidenten Frankreichs. Ein Nachruf.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Jacques Chirac war ein Phänomen in Frankreich: Die politische Bilanz seiner zwei Amtszeiten als Präsident ist innenpolitisch gesehen eher mager. In der Öffentlichkeit hat er sich kaum noch gezeigt. Und trotzdem wurde er bei seinen Landsleute immer beliebter. Zuletzt galt er als der beliebteste ehemalige Präsident der fünften Republik.

Vielleicht, weil Chirac etwas besaß, was sich viele in den heutigen aufgeregten Debatten von Politikern wünschen würden: eine ausgesprochene Toleranz, eine echte Nähe zu den Menschen. Jetzt ist der französische Ex-Präsident Jacques Chirac im Alter von 86 Jahren gestorben.

Ehemaliger französischer Präsident Jacques Chirac stirbt im Alter von 86 Jahren
tagesschau 17:00 Uhr, 26.09.2019, Sabine Rau, ARD Paris

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"Der Bulldozer"

Anders als die Liebe seiner Landsleute hatte sich der Vollblutpolitiker seinen Spitznamen "der Bulldozer" bereits in recht jungen Jahren verdient, gefürchtet dafür, seine politischen Widersacher eiskalt aus dem Weg zu rammen.

Trotzdem musste er drei Mal Anlauf nehmen, bis er schließlich an einem Abend im Mai 1995 vor seinen Anhängern feierlich verkünden konnte: "Meine lieben Landsleute - ich werde der Präsident aller Franzosen sein."

Gestählt durch bereits 25 Jahre in der Politik unter anderem als Minister, Premierminister und Bürgermeister von Paris ging Chirac auch als Präsident Auseinandersetzungen selten aus dem Weg. Bereits kurz nach seiner Wahl brach er ein Tabu, als er sich zur Mitverantwortung Frankreichs bei der Judendeportation im Dritten Reich äußerte:

"Ja, der kriminelle Wahnsinn der Besatzer wurde, das wissen wir alle, von Franzosen unterstützt. Unterstützt auch vom französischen Staat."

Veto im UN-Sicherheitsrat

Auch wenn die Bedeutung dieser Aussage heute auch in Frankreich große Anerkennung findet - die wohl mutigste Entscheidung, die Chirac in seinem Politikerleben traf, war eine andere: Sein Veto im UN-Sicherheitsrat gegen den Krieg im Irak.

Jacques Chirac küsst Angela Merkels Hand (2007) | Bildquelle: AP
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Chirac als Gentleman: 2007 begrüßt der damalige französische Präsident Bundeskanzlerin Merkel bei einem Besuch in Berlin.

Gerhard Schröder (r) scherzt mit dem damaligen russischen Präsidenten Wladimir Putin (M) und dem damaligen französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac (2004) | Bildquelle: dpa
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Chirac scherzt 2004 mit dem damaligen Kanzler Schröder und dem russischen Präsidenten Putin auf dessen Sommersitz.

Er müsse festhalten, sagte er mit Blick auf den US-amerikanischen Vorwurf, der Irak besitze Massenvernichtungswaffen - dass er "in dieser Richtung keinerlei unanfechtbare Beweise kenne."

Auch in Deutschland wurde Chirac für diese Haltung gefeiert. Die Freundschaft mit dem Nachbarn auf der anderen Rheinseite war ihm ein großes, ein persönliches Anliegen. 2004 lud er mit Gerhard Schröder erstmals einen Bundeskanzler zum Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie ein.

"Die Französinnen und Franzosen empfangen Sie", begrüßte er dort den Bundeskanzler, "mehr denn je als Freund, sie empfangen Sie als Bruder!"

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Jacques Chirac - ein Porträt in Bildern

Zwölf Jahre lang war Jacques Chirac Hausherr im Pariser Élyséepalast - anlässlich seines Todes ein Porträt in Bildern.

Jacques Chirac mit seiner Frau Bernadette und seinen zwei Töchtern

Jacques Chiracs politische Karriere hatte der am 29. November 1932 in Paris geborene Sohn aus einer Bankiersfamilie mit einigen Wendungen begonnen. Als junger Mann liebäugelte er zunächst mit dem Kommunismus, dann verortete er sich aber bei der Konservativen. Er besuchte die Elitehochschule ENA und heiratete Bernadette Chodron de Courcel (hier im Bild), eine Aristokratin, mit der er zwei Töchter hatte und die er zeitlebens siezte. | Bildquelle: AFP

Innerparteiliche Konflikte

Innenpolitisch entglitten Chirac allerdings in seiner zweiten Amtszeit mehr und mehr die Zügel: innerparteiliche Affären und Affärchen, ein gescheitertes Referendum über den europäischen Verfassungsvertrag, schwere Unruhen in den migrantisch geprägten Vorstädten.

Wegen eines Schlaganfalls musste er Monate pausieren. Nach seiner Amtszeit sah er sich mit alten Vorwürfen wegen Veruntreuung öffentlicher Mittel konfrontiert, die ihm 2011 als erstem ehemaligen Staatschef in Frankreich eine Verurteilung einbrachten - zwei Jahre auf Bewährung.

Sich selbst ein Denkmal gesetzt

Eines der wenigen öffentlichen Ereignisse, auf denen er immer noch regelmäßig anzutreffen war, war die jährliche Messe der Landwirte: "Ich bin immer glücklich hier oder überhaupt mit Landwirten zusammen zu sein", sagte er dort. "Sehr glücklich. Das ist das Leben!"

Es war genau diese offene Menschlichkeit, die ihn mit den Jahren beliebter machte. Mit dem Musée du quai Branly hat er sich in Paris, in der Stadt, die er rund 18 Jahre als Bürgermeister und zwölf Jahre als Präsident regiert hat, ein gefeiertes Denkmal gesetzt. Dessen Inhalt, der Geschichte anderer Völker und Kulturen, widmete er sich mit seiner ganzen Begeisterung Zeit seines Lebens.

Nationaler Trauertag für Chirac

Frankreich will des verstorbenen früheren Staatspräsidenten Jacques Chirac am Montag mit einem nationalen Trauertag gedenken. Am Mittag soll es einen feierlichen Gottesdienst in der Kirche Saint-Sulpice in Paris geben. Der Präsidentenpalast will außerdem ab 21 Uhr bis Sonntag seine Türen öffnen, damit die Franzosen ihr Beileid bekunden können.

Nachruf Jacques Chirac
Marcel Wagner, ARD Paris
26.09.2019 12:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. September 2019 um 12:00 Uhr.

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