Militärparade in Peking | Bildquelle: WU HONG/EPA-EFE/REX

China feiert Jahrestag Machtdemonstration zum 70.

Stand: 01.10.2019 11:39 Uhr

15.000 Soldatinnen und Soldaten, Panzer und Raketen: Mit einer riesigen Militärparade hat China den 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik gefeiert. Die KP tut alles, um den eigenen Machtanspruch zu sichern.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

70 Mal feuern die Kanonen zu Beginn der Militärparade an diesem Morgen Salutschüsse ab. Für jedes Jahr seit der Gründung der Volksrepublik ein Schuss. Dann nimmt Staats- und Parteichef Xi Jinping die Ehrenformation ab. "Seid gegrüßt, Genossen" ruft der Präsident stehend aus seiner schwarzen Limousine. "Sei gegrüßt, Vorsitzender!" rufen die Soldaten zurück.

Eine Supermacht feiert sich selbst - 70 Jahre Volksrepublik China
tagesthemen 22:30 Uhr, 01.10.2019, Tamara Anthony, ARD Peking

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Es war die größte Militärparade in der Geschichte der Volksrepublik. Und eine, die die 23-Millionen-Stadt Peking in einen Ausnahmezustand versetzte: Flugverbot für Brieftauben, noch strengere Internetzensur als sowieso schon - und das Verbot für viele Bewohner, aus dem Fenster oder von ihrem Balkon zu gucken oder Besuch zu empfangen. Ganze Straßenzüge mussten schließen, damit das militärische Gerät ungestört rollen konnte.

"Keine Macht kann Chinas Fortschritt aufhalten"

Xi formulierte das Selbstbewusstsein Chinas nach 70 Jahren Volksrepublik:

"Das sozialistische China steht heute stolz im Osten der Welt: Keine Macht kann den Status unseres großen Mutterlandes erschüttern, und keine Macht kann den Fortschritt des chinesischen Volkes und der chinesischen Nation aufhalten."

Rund 15.000 Soldatinnen und Soldaten waren Teil der Parade, hinzu kamen 160 Kampfflugzeuge am Himmel von Peking. Es war eine riesige Waffenschau, mit modernsten Tarnkappen-Flugzeugen und Atomraketen - darunter auch eine neue Langstrecken-Rakete, die angeblich in einer halben Stunde die USA erreichen kann.

Die Rakete Dong Feng 41 wird auf der Militärparade in Peking präsentiert. | Bildquelle: WU HONG/EPA-EFE/REX
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Höhepunkt der Waffenschau war die Präsentation der Interkontinentalrakete Dong Feng 41.

Für Zhou Bo, Brigadegeneral der chinesischen Volksbefreiungsarmee, hat das Land damit eine neue Stufe erreicht. "Mit all der neuen Waffentechnik und der hohen Moral des chinesischen Volkes sind die Zeiten vorbei, in denen sich China herumschubsen lässt. Mit einigen anderen gehören wir jetzt zu den mächtigsten Ländern der Welt. China wird künftig international eine andere Rolle spielen, nicht nur zum eigenen Vorteil, sondern auch zum Nutzen anderer Länder."

Streng chronologische Aufarbeitung der Geschichte

Einige Kilometer weiter, auf dem alten Messegelände in Peking, schieben sich Busladungen von Menschen durch die offizielle Ausstellung zum 70. Gründungstag der Volksrepublik China. Streng chronologisch werden die 70 Jahre abgearbeitet.

Der Pekinger Fan Yongbin guckt auf einem Großbildschirm Bilder von 1949. Er war neun Jahre alt, als Revolutionsführer Mao Tse-tung vorm Tor des Himmlischen Friedens die Volksrepublik China ausgerufen hat. "Ich bin gekommen, um mich hier an die Vergangenheit zu erinnern. Das macht mich glücklich im Herz, unser Land ist jetzt so stark! Zuerst danke ich besonders Mao Tse-tung, dann Deng Xiaoping, letztlich Xi Jinping. Mao hat die Volksrepublik China gegründet, Deng hat die Reform und Öffnung eingeleitet, und heute macht Xi China mächtig. Darauf bin ich stolz!"

Parteikader aus entfernten Provinzen, Marinesoldaten in Uniform, ganz normale Bürger. Alle kommen, um Chinas Entwicklung der letzten 70 Jahre zu bestaunen - vom Arbeiter- und Bauernstaat zum hochentwickelten Industrieland. Die Botschaft der Ausstellung ist eindeutig: Seht her, was China Großartiges geleistet hat, seitdem die Kommunistische Partei 1949 das Ruder übernommen hat.

"Eine der erfolgreichsten Propaganda-Kreuzfahrten"

Tatsächlich hat der Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahrzehnte Hunderte Millionen Menschen aus der Armut geholt, das Land hat sich wirtschaftlich rasant entwickelt. Frank Dikötter ist Historiker an der Universität von Hongkong und forscht zur modernen Geschichte Chinas. Er sagt: Das historische Selbstbild funktioniere nur, weil wichtige Teile der Geschichte ausgeblendet werden. Es gehe um die Art und Weise, wie die Volksrepublik China ihre Geschichte erzähle - für die eigene Bevölkerung und für das Ausland:

"Das ist eine der erfolgreichsten Propaganda-Kreuzfahrten unserer modernen Welt. Ein komplettes Land schafft es, zu behaupten, dass die eigene Geschichte im Wesentlichen erst 1978/79 angefangen hat. Und keines der Verbrechen gegen die Menschheit spielt dabei eine Rolle."

Eine Debatte über Maos Verfolgungskampagnen, seine politischen Verbrechen und die Millionen Opfer sind in China bis heute tabu. Um einen dreht sich die Ausstellung ganz besonders: Chinas Staats- und Parteichef Xi. Bei den Feierlichkeiten zum 70. Gründungstag wird einmal mehr deutlich: Chinas glorreiche Zukunft geht nur über ihn.

Über dieses Thema berichtete das Nachtmagazin am 30. September 2019 um 00:15 Uhr.

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