Kontrollen am Flughafen von Shanghai | Bildquelle: AFP

China sperrt Grenzen Ausländer müssen draußen bleiben

Stand: 27.03.2020 11:42 Uhr

China schottet sich weitgehend ab: Im Kampf gegen re-importierte Coronavirus-Fälle werden Ausländer zunächst nicht mehr ins Land gelassen. Fluglinien dürfen nur noch einmal pro Woche starten.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai 

Nüchtern verkündete ein Nachrichtensprecher des staatlichen Fernsehsenders CCTV heute früh nüchtern: "Angesichts der weltweit schnellen Ausbreitung der Covid-19-Lungenkrankheit hat China beschlossen, die Einreise von Ausländern vorläufig zu stoppen." Die Regelung tritt am Samstag um Null Uhr Ortszeit in Kraft(17 Uhr MEZ).

Die Auswirkungen dieser Nachricht sind allerdings enorm. Mit der kurzfristig angekündigten Regelung dürfen Ausländer nicht mehr nach China einreisen. Es gibt nur sehr begrenzte Ausnahmen, zum Beispiel für Diplomatinnen und Diplomaten sowie die Crews von Fluggesellschaften.

Polizist in Schutzanzug kontrolliert am Flughafen Shanghai Passagiere | Bildquelle: REUTERS
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China bezeichnet sich als Infektions-frei - nun soll kein Ausländer mehr das Coronavirus ins Land bringen.

Auch eine Aufenthaltsgenehmigung hilft nicht

Das Besondere an der Regel, und hier liegt der Unterschied zu den Einreisesperren in Europa und den USA: Auch Ausländer, die eine gültige Aufenthaltsgenehmigung besitzen, sollen nicht mehr ins Land kommen. Davon betroffen sind offenbar auch ausländische Eheleute von Chinesinnen und Chinesen sowie Geschäftsleute aus aller Welt und ihre Familienangehörigen, die in China leben.

Jens Hildebrandt, Geschäftsführer der Deutschen Handelskammer in Peking, nennt ein Beispiel: "In den vergangenen zwei Monaten sind viele Arbeitnehmer mit ihren Familien ausgereist, die jetzt wieder zurück nach China kommen wollen, um die Arbeit aufzunehmen. Wir verstehen, dass China Schutzmaßnahmen ergreifen muss, aber die Belastung für die ohnehin belasteten Unternehmen steigt dadurch noch."

Die überwiegende Abschottung Chinas vom Rest der Welt wird noch verschärft durch neue Luftverkehrsregeln. Chinesische Passagier-Fluggesellschaften müssen demnach ihre internationalen Strecken auf nur noch eine Verbindung pro Land und Woche reduzieren. Auch nicht-chinesische Airlines dürfen nur noch einmal pro Woche nach China fliegen.

Krise im Inland angeblich überstanden

Die Staats- und Parteiführung in Peking begründet die Abschottung mit dem Risiko, Coronavirus-Fälle aus dem Ausland einzuschleppen. Angeblich gibt es schon seit Tagen so gut keine innerchinesischen Ansteckungen mehr. Experten im In- und Ausland haben allerdings - vorsichtig formuliert - starke Zweifel an den offiziellen chinesischen Coronavirus-Zahlen.

Klar ist aber: Chinas Staatsführung hat das politische Ziel, die Zahl der Coronavirus-Infektionen im eigenen Land so niedrig wie möglich zu halten. Denn erstens will man der eigenen Bevölkerung suggerieren, dass sich diese wieder sicher fühlen kann. Zweitens will man dem Ausland zeigen, dass man den Kampf gegen das Virus erfolgreich gemeistert hat.

Und drittens dürfte auch eine Rolle spielen, dass man die Tagung des Volkskongresses so bald wie möglich nachholen möchte. Die einmal im Jahr stattfindende Sitzung des chinesischen Scheinparlaments mit mehr als 2000 Delegierten war Anfang des Monats wegen der Virus-Epidemie verschoben worden. Es wäre ein enorm starkes politisches Zeichen, wenn die Kommunistische Führung diese Riesenveranstaltung so bald wie möglich zusammenrufen könnte.

Es trifft auch High-Tech-Firmen in China

Dafür nimmt man in Peking offensichtlich auch Nachteile für die Wirtschaft in Kauf - "nicht nur für die Airlines, sondern auch für Hightech-Firmen, die jetzt ihre Spezialisten nicht einfliegen können,“  konstatiert Jörg Wuttke von der Europäischen Handelskammer, dem Lobbyverband europäischer Unternehmen in China.

Die Folge laut Wuttke: "Diese Firmen bekommen jetzt ihre Spezialisten nicht mehr zurück ins Land, um die Anlagen anzufahren. Und im Forschungssektor ist das sowieso eine Katastrophe. Home-Office ist die eine Sache, aber ein Labor kann man sich zuhause nur schlecht aufbauen."

China macht seine Grenzen (fast) komplett dicht
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
27.03.2020 12:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. März 2020 um 09:00 Uhr.

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