Muslime in Pakistan protestieren gegen "Charlie Hebdo". | Bildquelle: AP

Protest gegen Wiederauflage Tausende gegen "Charlie Hebdo"-Karikaturen

Stand: 04.09.2020 21:49 Uhr

Zu Tausenden sind Muslime in mehreren islamischen Ländern auf die Straße gegangen, um gegen das französische Satireblatt "Charlie Hebdo" zu protestieren. Die erneute Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen macht sie wütend.

Die Wiederveröffentlichung umstrittener Mohammed-Karikaturen in der französischen Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" hat in zahlreichen islamischen Ländern für Proteste gesorgt. In Pakistan gingen Tausende Menschen auf die Straßen, nachdem die Regierung scharfe Kritik an dem erneuten Abdruck der Karikaturen geübt hatte. Die Beleidigung der Religion kann unter den strengen pakistanischen Blasphemiegesetzen mit der Todesstrafe geahndet werden. Die Demonstrationen wurden von der islamistischen Partei Tehreek-e-Labbaik angeführt, die bereits in der Vergangenheit große und oft gewalttätige Proteste wegen angeblicher Blasphemie organisiert hat.

Proteste gab es auch in der Türkei, in Ägypten und im Iran. Teheran verurteilte die Karikaturen als "Provokation". Die erstmals 2005 in einer dänischen Zeitung erschienenen Karikaturen stellten eine "Beleidigung" für die mehr als eine Milliarde Muslime weltweit dar. Jegliche respektlose Darstellung von Mohammed oder anderen Propheten sei "absolut inakzeptabel", erklärte das iranische Außenministerium. Bilder des Propheten sind im Islam grundsätzlich verboten.

Anhänger der islamistischen Partei Tehreek-e-Labbaik, die die Proteste gegen "Charlie Hebdo" in Pakistan anführen. | Bildquelle: AFP
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Anhänger der islamistischen Partei Tehreek-e-Labbaik, die die Proteste gegen "Charlie Hebdo" in Pakistan anführen.

Binnen eines Tages ausverkauft

Nach Angaben der "Charlie Hebdo"-Redaktion war die Sonderausgabe binnen eines Tages ausverkauft. Anlässlich des Prozessbeginns gegen mutmaßliche Helfer der Attentäter des Anschlags auf die Redaktion am 7. Januar 2015 hatte die Satirezeitung diese Woche die Karikaturen von damals erneut gedruckt. Die Islamisten, die den Anschlag auf die Satire-Zeitung in Paris und einen jüdischen Supermarkt verübten und dabei zwölf Menschen töteten, hatten ihre Tat mit den Karikaturen begründet. 

Die Zeitung hatte am Mittwoch, dem Tag des Prozessbeginns - 200.000 Exemplare an die Kioske verteilt. Es entspricht dem Dreifachen der normalen Auflage. Doch die Exemplare waren schnell vergriffen. Für Samstag wurden 200.000 Stück nachgedruckt.

"Wir werden niemals aufgeben"

Die Zeichnungen zeigen unter anderem den Propheten Mohammed mit einer Bombe anstelle eines Turbans auf dem Kopf. "Wir werden niemals aufgeben", hatte der Leiter der Zeitung, Laurent "Riss" Sourisseau, in einem Begleittext geschrieben. Die Karikaturen erneut zu drucken, sei "bedeutsam". "Wir folgten der Annahme, dass einige Leute die Karikaturen nicht kennen, einige waren noch nicht einmal geboren, als sie 2006 von Charlie veröffentlicht wurden, und sie müssen verstehen, warum die Angriffe geschahen", sagte ein Karikaturist mit dem Künstlernamen "Juin" der Nachrichtenagentur AFP.

Die starke Nachfrage "zeigt, dass wir unterstützt werden, dass Redefreiheit, Säkularität und das Recht auf Gotteslästerung keine veralteten Werte sind und dass sie von der französischen Öffentlichkeit unterstützt werden, die diese Ausgabe gekauft hat", sagte "Juin".

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Der Anschlag auf "Charlie Hebdo" - und was danach geschah (09. und 10.01.2015)

Anschlag auf "Charlie Hebdo" in Paris

Die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" gilt in Frankreich als Symbol einer freien Presse, die mit bissigem Humor religiösen Fanatismus, Rassismus, Intoleranz und die Exzesse des Kapitalismus angreift. Die aktuelle Ausgabe nimmt das Buch "Unterwerfung" von Michel Houellebecq aufs Korn, das für Frankreich das Szenario eines muslimischen Präsidenten im Jahre 2022 entwirft.

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. September 2020 um 23:41 Uhr.

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