Die Journalistin Daphne Caruana Galizia im Jahr 2011 | Bildquelle: REUTERS

Journalistenmord auf Malta Führen Spuren in die Politik?

Stand: 08.10.2018 19:00 Uhr

Fast ein Jahr ist es her, dass die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia mit einer Autobombe getötet wurde. Nach Informationen von WDR, NDR und "SZ" könnten die Ermittlungen in die Politik führen.

Von Lena Kampf, Jan Schmitt und Andreas Spinrath, WDR

Vor einem Jahr wurde die Investigativ-Journalistin Daphne Caruana Galizia am helllichten Tag mit einer Autobombe getötet. Drei Männer stehen seit deren Verhaftungen im Dezember in Malta wegen der Tat vor Gericht: die Brüder Alfred und George DeGiorgio sowie Vince Muscat. Ihnen wird vorgeworfen, die Bombe in Caruana Galizias Auto gelegt und gezündet zu haben. Sie plädieren auf unschuldig. Wer ihre Auftraggeber sein könnten, ist weiterhin ungeklärt.

Nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" ermittelt die Polizei in viele Richtungen, aber auch im Umfeld des maltesischen Wirtschaftsministers Christian Cardona.

Offenbar Verbindungen zu mutmaßlichen Mördern

Über Cardona waren bereits kurz nach dem Mord Gerüchte laut geworden, er sei Stammgast in derselben Bar wie Alfred DeGiorgio, also einem der mutmaßlichen Mörder. Die Bar heißt "Ferdinand's" und liegt in der Altstadt der Stadt Siggiewi südwestlich von Valletta. Die Gerüchte bestätigten sich später. Als ehemaliger Strafverteidiger seien ihm einige der Verdächtigen im Mordfall Caruana Galizia bekannt, sagte Cardona damals. Und in der Bar verkehrten viele Leute. Er habe sich aber nie mit einem der Verdächtigen zu einem Treffen verabredet und erinnere sich auch an kein Gespräch.

Nun zeigen Recherchen eines internationalen Rechercheteams um die Organisation "Forbidden Stories", dem WDR, NDR und "SZ" angehören, dass es offenbar noch weitere Verbindungen zwischen Cardona und den mutmaßlichen Mördern gab.

So soll bei einer Poolparty anlässlich eines Junggesellenabschiedes wenige Monate vor Caruana Galizias Tod nicht nur ihr mutmaßlicher Mörder Alfred de Giorgio anwesend gewesen sein, sondern auch der maltesische Wirtschaftsminister. Das soll aus Ermittlungen der maltesischen Behörden hervorgehen.

In Gedenken an die Journalistin Daphne Caruana Galizia schreiben Aktivisten mit Kerzen das Wort ''Justice'' ("Gerechtigkeit") auf den Sand | Bildquelle: REUTERS
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Aktivisten gedachten im August am Strand von Sliema auf Malta der ermordeten Journalisten. Mit Kerzen schrieben sie das Wort ''Justice' in den Strand.

Minister weist Verdacht von sich

Und den Ermittlern sei noch etwas aufgefallen: In Telefondaten sollen sie auf ein Telefonat gestoßen sein, das Caruana Galizia ein Jahr vor dem Mord geführt habe. Sie recherchierte damals zu Mafia und Ölschmuggel und rief eine vermeintliche Quelle an. Die beiden telefonierten knapp sieben Minuten. Direkt danach soll diese Quelle den Wirtschaftsminister Cardona angerufen haben - und etwas später dann Caruana Galizias Alfred DeGiorgio.

Minister Cardona betont, er habe nichts mit dem Mord an der Journalistin zu tun. Alle Vorwürfe, die ihn damit in Verbindung bringen sollen, seien "vollkommen absurd". Er habe außerdem schon kurz nach dem Mord eine freiwillige Stellungnahme bei der Polizei abgegeben. Zu einem Interview ist er nicht bereit. Der untersuchende Magistrat will Anfragen mit dem Verweis auf laufende Ermittlungen nicht kommentieren.

Caruana Galizia war die bekannteste, aber sicher auch umstrittenste Journalistin des Landes. Das politische Geschehen - insbesondere den Aufstieg des jetzigen Premierministers Joseph Muscat und seines Kabinetts - hatte sie in exklusiven Enthüllungen und oft auch zugespitzten Artikeln begleitet. Mit ihrem Blog erreichte sie mehr Leserinnen und Leser als die Tageszeitungen. Sie beschäftigte sich mit dem maltesischen Teil der "Panama Papers", recherchierte zu möglichen Schmiergeldzahlungen an Regierungsmitglieder, fragwürdigen Deals mit dem aserbaidschanischen Regime und dem Verkauf von maltesischen Pässen.

Über dieses Thema berichtete die Story im Ersten am 08. Oktober 2018 um 22:45 Uhr.

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