Feuerwehrleute in Ulladalla im Bundesstaat New South Wales, Australien. | Bildquelle: DEAN LEWINS/EPA-EFE/REX

Verheerende Buschfeuer Opferzahl in Australien steigt weiter

Stand: 05.01.2020 04:43 Uhr

Bei den verheerenden Bränden in Australien sind inzwischen 24 Menschen ums Leben gekommen. Temperaturen von bis zu 50 Grad hatten das Flammeninferno noch einmal befeuert und weitere Häuser zerstört.

Die verheerenden Buschbrände im Südosten Australiens haben inzwischen 24 Menschen das Leben gekostet und am Wochenende weitere Landstriche zerstört. Ein 47-Jähriger erlitt einen tödlichen Herzinfarkt, als er südwestlich der Hauptstadt Canberra ein Grundstück vor der Feuersbrunst schützen wollte, wie die Polizei des Bundesstaates New South Wales mitteilte.

Nach der extremen Hitze und den starken Winden vom Samstag gebe es Berichte, dass Hunderte weitere Grundstücke und Häuser den Bränden zum Opfer gefallen seien, sagte der regionale Feuerwehrchef Shane Fitzsimmons. Er sprach angesichts des auch über Nacht wütenden Flammeninfernos von einem "schrecklichen Tag". Allerdings sei die Wetterprognose für Sonntag etwas günstiger, nachdem die Temperaturen westlich der Millionenmetropole Sydney tags zuvor fast 50 Grad erreicht hatten.

Verheerende Feuer in Australien: Machtlos gegen die Flammen
tagesthemen 23:30 Uhr, 04.01.2020, Stella Peters, ARD-aktuell

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Auch die Queen zeigt sich entsetzt

Während in New South Wales nach wie vor rund 170 Buschbrände wüten und es auch am Sonntagmorgen vielerorts keinen Strom gab, lodern im benachbarten Bundesstaat Victoria etwa 50 Brände. Dort werden noch immer sechs Menschen vermisst, die Opferzahl könnte also noch weiter ansteigen.

Etwas kühlere Temperaturen inmitten der sommerlichen Hitzewelle und leichter Regen dürften der Feuerwehr am Sonntag allenfalls geringfügig helfen - zu vielfältig sind die Brandherde, zu gewaltig die lodernden Flammenwände, die sich haushoch vor den Einsatzkräften auftürmen.

Selbst die britische Königin, qua Verfassung Staatsoberhaupt Australiens und sonst eher zurückhaltend bei öffentlichen Wortmeldungen, äußerte sich entsetzt: "Ich bin zutiefst betroffen über die Berichte von den anhaltenden Buschbränden und ihren zerstörerischen Folgen in vielen Teilen Australiens", erklärte Queen Elizabeth II. in einer Stellungnahme. Ihr Dank gelte allen Helfern, die ihr Leben aufs Spiel setzten, um sich den Flammen entgegenzustellen.

Die Buschfeuer auf dem Kontinent wüten bereits seit Oktober. Mehr als fünf Millionen Hektar Land sind abgebrannt, das entspricht ungefähr der anderthalbfachen Fläche Belgiens. Wissenschaftler schätzen, dass Hunderte Millionen Tiere umkamen.

Feuerwehrleute in Australien kritisieren Morrison

Diverse Feuerwehrleute übten heftige Kritik am Umgang von Premierminister Scott Morrison mit den verheerenden Buschbränden. Der 57-jährige Feuerwehrmann Paul Parker sagte der Nachrichtenagentur AFP, er sei "absolut entsetzt" über die Regierung in Canberra, "vor allem Scott Morrison". Parker verurteilte vor allem Äußerungen des Regierungschefs, wonach die tausenden freiwilligen Feuerwehrleute gerne gegen die Flammen kämpften. "Sie haben keine Ahnung, Mann", sagte Parker an Morrison gerichtet. 

Feuerwehrleute setzten im Kampf gegen die Buschbrände ihr eigenes Leben aufs Spiel, betonte Parker. Er selbst sei für seine Gemeinde, der Ortschaft Nelligen, im Einsatz gegen die Flammen - und für die Australier insgesamt. "Ich tue es nicht für Scott Morrison, und ich tue es nicht für irgendeinen der Idioten in der Regierung", fügte Parker hinzu. Seit Beginn der Brandsaison im September sind mindestens drei Feuerwehrleute ums Leben gekommen. 

3000 Reservisten im Einsatz

Der Leiter der Feuerwehr in New South Wales, Shane Fitzsimmons, attestierte Morrison in einem Radio-Interview einen Mangel an "grundlegender professioneller Höflichkeit". Zudem nannte Fitzsimmons es "sehr enttäuschend", dass er aus den Medien habe erfahren müssen, dass Morrison 3000 Reservisten der Armee zur Unterstützung der Feuerwehr mobilisiert habe.  Es handelt sich um die größte Zwangseinberufung von Reservisten in der Geschichte Australiens.

Gegen die Entscheidung hagelte es bereits nach der Verkündung am Samstag Kritik an Morrison. Gegner warfen dem Premier vor, die Einberufung werbewirksam auf seinem persönlichen Twitter-Kanal verbreitet zu haben, versehen mit Bildern der Brandkatastrophe. Morrison versuche, "eine nationale Tragödie auszuschlachten", kritisierte etwa der Labour-Abgeordnete Pat Conroy.

Reportage aus dem Brandgebiet - Buschfeuer Australien
Holger Senzel, ARD Singapur
04.01.2020 14:11 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 04. Januar 2020 um 23:30 Uhr.

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