Ein Mann fährt in New South Wales, Australien, mit dem Motorrad durch die Flammen. | DARREN PATEMAN/EPA-EFE/REX

Buschbrände in Australien "Ein Inferno, eine Apokalypse"

Stand: 11.11.2019 09:08 Uhr

Seit Tagen wüten Brände im Osten Australiens, die extreme Hitze soll anhalten. Jetzt haben die Behörden für die Region Sydney den Notstand ausgerufen - zum ersten Mal seit zehn Jahren.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Orange leuchtet der Himmel über den Provinzen Neu-Südwales und Queensland - gelborange die Flammenwand, die sich fauchend durch den trockenen Busch frisst. Die Feuerwehrmänner mit ihren Hochdruckschläuchen scheinen wenig Eindruck auf die Flammenwalze zu machen - die Wasserladungen aus den Hubschraubern wirken wie Tropfen auf die Hölle.

Katastrophenwarnung für Region Sydney

Eines der schlimmsten Buschfeuer in Australiens Geschichte führte zum ersten Mal seit zehn Jahren zur Katastrophenwarnung für die Region Sydney. Drei Todesopfer haben die Brände bislang gefordert. Über 1000 Feuerwehrleute mit Tanklastwagen, schwerem Räumgerät und Löschflugzeugen bekämpfen mehr als 60 Feuer - über die Hälfte davon sind außer Kontrolle.

"Das Feuer kam angerast wie aus dem Nichts", erzählt ein Mann im australischen Fernsehsender ABC sichtbar erschüttert. "Es war ein Inferno, die Apokalypse, Hölle auf Erden. Es tut mir leid für all die Leute, die ihr Heim verloren haben, jedes zweite Haus in dieser Straße ist abgebrannt. Das ganze Nachbardorf ist komplett weg. Es ist furchtbar, wo sollen die Leute jetzt leben?"

Ein Feuerwehrmann in New South Wales, Australien | DARREN PATEMAN/EPA-EFE/REX

850.000 Hektar Land wurden bislang von den Flammen verwüstet. Bild: DARREN PATEMAN/EPA-EFE/REX

Extreme Hitze soll anhalten

Diese Feuer bewegen sich schneller, als du rennen kannst - warnen die Behörden im Radio. Menschen in gefährdeten Regionen wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und größere Städte aufzusuchen. "Die Botschaft ist", so Feuerwehrchef Antony Clark, "dass wenn du Hilfe brauchst, wir möglicherweise nicht in der Lage sind, zu dir zu kommen."  

Tausende übernachteten in Notunterkünften oder im Freien - und kehrten heute Morgen in rauchende Trümmer zurück. 850.000 Hektar Land wurden von den Flammen verwüstet, das ist mehr als dreimal die Fläche des Saarlandes. Und die Voraussagen für die kommenden Tage sind denkbar schlecht: Extreme Hitze und Wind treffen auf die schlimmste Dürre in Australien seit mehr als 50 Jahren. Denn vergangenes Jahr erlebte Australien den heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnung.

"Heißer, intensiver und schneller"

Die Buschfeuer würden immer früher beginnen und sie würden immer schlimmer, sagt Richard Thomson von der australischen Katastrophenschutzbehörde: "Wir erleben, dass es die ersten Feuer bereits im August, September gibt, was hier offiziell noch Winter ist. Sie sind heißer, intensiver und bewegen sich schneller. Und verbreiten sich in Regionen, wo wir kein Feuer erwartet hätten, den Rändern der Regenwälder beispielsweise."

Viele Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen den extremen Wetterlagen Australiens und dem Klimawandel. Doch das ist ein heikles Thema im Land mit den weltweit meisten Klimaskeptikern, in dem die Kohleindustrie eine so große Rolle spielt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. November 2019 um 08:30 Uhr.