Koala auf verbrannter Erde in Australien | dpa

Buschbrände in Australien Gefangen im Feuer

Stand: 11.01.2020 18:27 Uhr

Feuerwolken, immer neue Brandherde in Australien, aber inzwischen auch leichter Regen in einer Region, der aber wohl ohne Auswirkung bleibt. Unzählige Tiere sind gestorben - auch Koalas.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

"Das ist ein sehr kranker Koala, aber einer, für den wir Hoffnung haben", sagt Tierarzt Garnett Hall, Veterinäroffizier im Kangaroo Island Wildlife Park. Das Koalamännchen in seinen Händen hat viel Qualm abbekommen, sein Fell ist versengt, seine Lungen sind durch den Rauch geschädigt und seine Pfoten. "Wenn die Koalas über den glühenden Untergrund laufen, verbrennen sie sich", so Hall.

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur
Ein verletzer Koala schläft mit Salbe auf der Nase.  | dpa

Salbe für einen verletzten Koala im "Kangaroo Island Wildlife Park" auf der Känguru-Insel. Bild: dpa

Kangaroo Island ist die drittgrößte Insel Australiens, ein beliebtes Urlaubsgebiet mit Seelöwen, Schnabeligeln, den namensgebenden Kängurus und bisher auch zahlreichen Koalas. Ein Großteil der Koalas sei, so Tierarzt Hall, in den Feuern gestorben.

Ich habe von 30.000 toten Tieren gehört. Wir haben hier 60 Koalas - diese Überlebensrate ist nicht hoch, 60 von 30.000. Aber diese Brände sind ein echtes Inferno. Ein Wunder, dass überhaupt einige überlebt haben. Aber sie haben es und wir werden versuchen, sie gesund zu pflegen".

Diese Brände könnten das Ende der wildlebenden Koals bedeuten, vermuten einige. Mehr als eine Milliarde Tiere sind in den Bränden umgekommen.

"Ich kann die Nachrichten nicht mehr ertragen, es ist so herzzerreißend - und es ist unsere Schuld", sagt eine Teilnehmerin der gestrigen Protestmärsche. In Sydney, Melbourne und Canberra gingen Tausende auf die Straße, um für mehr Klimaschutz, aber vor allem gegen ihre Regierung zu demonstrieren.

Leichter Regen nicht gut für gezielte Gegenfeuer

Die Wut nimmt zu, die Gluthitze in den nächsten Tagen dafür ab. Die 44 Grad Celsius vom Freitag sind teilweise um die Hälfte gesunken, in den Blue Mountains nordwestlich von Sydney gab es sogar Niederschläge: "Da fällt seltsames Zeug vom Himmel, Regen!" twitterte der örtliche Bürgermeister und freute sich über die Erleichterung für die Feuerwehrmänner: Er kenne einige, bei denen noch die Weihnachtsgeschenke ungeöffnet unterm Baum liegen – seitdem sind sie unaufhörlich im Einsatz.

Aber der heutige Niederschlag sei nicht besonders hoch und darum ohne Auswirkung auf die Brände, im Gegenteil, so die Landesfeuerwehr: Wenn das Buschland zu feucht werde, könnten die Feuerwehrmänner nicht gezielt Gegenfeuer legen. Das tun sie, um den großen Bränden die Nahrung zu entziehen. 

"Megafeuer" in Australiens Alpen

Ausgerechnet in Australiens Alpen, an der Grenze der Bundesstaaten New South Wales und Victoria haben unterdessen drei große Brände ein "Megafeuer" gebildet, 600.000 Hektar stehen in Flammen, dort, wo im Winter Schnee liegt, Skiressorts brennen ab.

Die  Feuerwehr versucht auch hier, mit Gegenfeuern den Megabrand auszuhungern. Doch die Apokalypse, zu der sich die Buschfeuersaison in Australien entwickelt hat, ist noch lange nicht vorbei.

"Es wird noch lange dauern"

"Überall im Land sind Feuer, wir werden sie weiterhin aufflammen sehen, sie werden weiter zunehmen", so warnt der Ministerpräsident des südöstlichen Bundesstaates Victoria, David Andrews. "Selbst wenn es in Melbourne regnet und die Wetterbedingungen in der kommenden Woche besser werden: Es wird noch lange dauern, die Feuersaison hat so früh wie nie zuvor begonnen und sie wird noch viele Wochen anhalten."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Januar 2020 um 15:55 Uhr.