Die bulgarische Journalistin Viktoria Marinowa | Bildquelle: REUTERS

Viktoria Marinova Bulgarische TV-Journalistin getötet

Stand: 08.10.2018 07:42 Uhr

Die bulgarische Journalistin Marinova ist getötet worden. Ihre Leiche wurde in einem Park gefunden. In der jüngsten Ausgabe ihrer Investigativsendung ging es um einen angeblichen Betrug mit EU-Fördergeldern.

In der bulgarischen Stadt Russe ist eine Moderatorin des lokalen Fernsehsender TVN vergewaltigt und getötet worden. Die Polizei prüft sowohl berufliche als auch persönliche Gründe für den Tod von Viktoria Marinova, wie der Bezirksstaatsanwalt von Russe nach einem Bericht des bulgarischen Staatsfernsehens BNT sagte.

An der jüngsten Ausgabe der von Marinova moderierten Sendung "Detektor" nahmen Investigativjournalisten aus Bulgarien und Rumänien teil, die über einen angeblichen Betrug mit EU-Fördergeldern recherchierten. Ob der Tod im Zusammenhang mit Marinovas beruflicher Tätigkeit stand, ist noch unklar. Die Polizei halte das für unwahrscheinlich, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen erfuhr.

Geschlagen, vergewaltigt und erwürgt

Die Leiche der 30-Jährigen war dem TV-Bericht zufolge am Samstag in einem Park am Donauufer von Russe entdeckt worden. Der unbekannte Täter habe die Frau geschlagen, vergewaltigt und dann erwürgt, berichteten Medien in Sofia. Innenminister Mladen Marinow bestätigte die Vergewaltigung der Moderatorin. Die besten Kriminalisten seien zur Aufklärung des Mordes nach Russe geschickt worden, versicherte Regierungschef Boiko Borissow.

Der Medienbeauftragte der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Harlem Désir, verurteilte die Tat. Im Kurzbotschaftendienst Twitter schrieb er: "Schockiert über den schrecklich Mord an der Investigativjournalistin Victoria Marinova in Bulgarien."

Der Franzose forderte gründliche Ermittlungen. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Polizeischutz für Kollegen angefordert

Die Website Bivol.bg, für die der Investigativ-Journalist Dimitar Stojanow schreibt, forderte auf Facebook Polizeischutz für Marinovas Kollegen. Am Abend soll es in Sofia eine Kerzenwache zum Gedenken an die Tote geben. 

Nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) wird durchschnittlich jede Woche ein Journalist auf der Welt ermordet. In Europa sorgten zuletzt der tödliche Bombenanschlag auf die maltesische Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia im Oktober 2017 und die Ermordung des slowakischen Journalisten Jan Kuciak im Februar 2018 für Entsetzen.

Bulgarien steht im weltweiten RSF-Ranking zur Pressefreiheit derzeit auf Platz 111 und hat damit die schlechteste Bewertung aller EU-Staaten. 

Ermittlungen in alle Richtungen nach Mord an bulgarischer Journalistin Marinova
Andrea Beer, ARD-Wien
08.10.2018 18:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Oktober 2018 um 08:15 Uhr in den Nachrichten.

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