Ein Bücherstapel steht vor einem gefüllten Bücherregal. | dpa

Trend in Großbritannien Weltliteratur für Videokonferenzen

Stand: 01.02.2021 16:56 Uhr

Wenn der Vorgesetzte per Videoschalte in die Wohnung blickt, kann ein halbleeres Bücherregal mit verstaubten Comics unangenehm sein. Ein britischer Buchhändler liefert deshalb Weltliteratur als Deko - auch an Politiker.

Von Imke Köhler, ARD-Studio London

Bookbarn International ist einer der größten Buchhändler in Großbritannien. Das Unternehmen handelt mit neuen und gebrauchten Büchern und beliefert neben Amazon und eBay auch Einrichtungshäuser sowie Film- und Fernsehproduktionen. 

Imke Köhler ARD-Studio London

Seit Beginn der Pandemie ist allerdings eine neue Kundschaft hinzugekommen, wie Bookbarn-Mitarbeiterin Diane Newland dem britischen Rundfunk BBC berichtet: Ingenieure, Lehrer oder auch Geschäftsführer seien das. "Wir haben berühmte Persönlichkeiten gehabt bis hin zu wichtigen Leuten in der Regierung."

Namen darf Newland natürlich nicht nennen - das wäre vielen Kunden aber wohl auch peinlich. Denn diesen Käufern geht es offenbar nicht darum, dass sie die Bücher lesen wollen.

Eine Frau nimmt im Homeoffice via Videokonferenz auf dem Laptop an einer Sitzung teil | imago images/Westend61

Videokonferenz im Homeoffice: Menschen, die ins Wohnzimmer schauen. Bild: imago images/Westend61

Startklar für die nächste Beförderung

Seitdem täglich fremde Menschen in virtuellen Konferenzen in Wohn- und Arbeitszimmer schauen, sollen diese Bücher vielmehr im Regal gesehen werden. Es ist ein Statement des Besitzers: Ich bin gebildet, ich besitze Expertise. Oder subtiler: Ich bin startklar für die nächste Beförderung.

Der Inhaber von Bookbarn International, Nick Bates, meint, es gehe zum Teil um die ehrliche Leidenschaft und das Interesse der Kunden, zum Teil aber eben auch darum, was sie anderen Leuten als ihre Leidenschaft und ihr Interesse verkaufen wollen.

Nachgefragt werden unter anderem Klassiker und Reiseführer. Es gibt aber auch Kunden, die Bücher nur nach Farbe kaufen, damit sie zur Inneneinrichtung und den in England häufig farbig gestrichenen Wänden passen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Februar 2021 um 15:12 Uhr.