Sultan von Brunei, Hassanal Bilkiah | Bildquelle: STR/EPA-EFE/REX

Steinigung von Homosexuellen Brunei fordert Toleranz für Todesstrafe

Stand: 23.04.2019 08:56 Uhr

Homosexuelle müssen in Brunei mit der Steinigung rechnen. Die weltweite Kritik an der Todesstrafe wies das Sultanat jetzt zurück. In einem Brief an EU-Politiker fordert das Land Toleranz und Verständnis.

Nach massiver internationaler Kritik hat das Sultanat Brunei die Einführung der Todesstrafe gegen Homosexuelle verteidigt. Ein entsprechender Brief sei an das Europaparlament geschickt worden, berichtet der "Guardian".

Die Zeitung zitiert aus dem Schreiben, dass Steinigungen als Strafe für gleichgeschlechtlichen Sex selten sein würden, da zwei Männer "von hohem moralischem Rang und Frömmigkeit" als Zeugen erforderlich seien. Das Land betont in dem Brief demnach seine traditionellen Werte und seine "Familienlinie". Diese wolle man bewahren und fordere dafür "Toleranz, Respekt und Verständnis".

Der Brief an die Europaabgeordneten führt die internationale Kritik demnach auf ein Missverständnis zurück. "Die Kriminalisierung von Ehebruch und Unzucht soll die Unantastbarkeit der Familienlinie und der Ehe gewährleisten."

Karte: Brunei
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Brunei ist ein Kleinstaat auf der Insel Borneo, dessen zwei getrennte Landesteile von Malaysia und dem Südchinesischen Meer umgeben sind.

Konsequenzen für Brunei gefordert

Das Sultanat Brunei hatte die strengeren Strafgesetze am 3. April in Kraft gesetzt. Dem Zeitungsbericht zufolge wurde im Europäischen Parlament bereits über Konsequenzen nachgedacht. Im Gespräch seien das Einfrieren von Vermögenswerten, Visa-Verbote und eine schwarze Liste von Hotels gewesen. Zuvor hatte der Schauspieler George Clooney gefordert, Hotels, die dem Sultan gehören, zu boykottieren.

In dem Sultanat auf der Insel Borneo leben mehr als 420.000 Einwohner. Zwei Drittel von ihnen sind muslimischen Glaubens. Schwule und Lesben werden in der ehemaligen britischen Kolonie seit langem unterdrückt. Bislang wurden homosexuelle Beziehungen mit bis zu zehn Jahre Haft bestraft.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. April 2019 um 06:00 Uhr.

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