Brückeneinsturm in Genua | Bildquelle: REUTERS

Unglück in Genua Viele Tote bei Brückeneinsturz

Stand: 29.08.2018 17:53 Uhr

Beim Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua sind mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Die Brücke stürzte während eines Unwetters ein. Italiens Verkehrsminister Toninelli sprach von einer "entsetzlichen Tragödie".

In der italienischen Hafenstadt Genua ist am Mittag eine vierspurige Autobahnbrücke eingestürzt. Dabei kamen nach Angaben von Innenminister Matteo Salvini mindestens 30 Menschen ums Leben. Der italienische Vizeverkehrsminister Eduardo Rixi erklärte, es sei zu befürchten, dass die Zahl der Toten noch weiter steigen werde. Die italienische Zeitung "Corriere della Sera" berichtet, unter den Toten sei auch ein Kind. Mindestens 13 Personen wurden schwer verletzt.

Die etwa 45 Meter hohe Brücke stürzte auf einem Stück von etwa 100 Metern ein. Der Einsturz habe sich während eines gewaltigen Unwetters ereignet, teilte die Polizei auf Twitter mit.

Mehrere Pkw und Lkw wurden mit in die Tiefe gerissen und zwischen den Trümmern eingequetscht. Einige stürzten in den Fluss Polvecera, über den die Autobahnbrücke führt. Ihre genaue Zahl ist unklar - die Angaben schwanken zwischen acht und 20 Fahrzeugen.

Bei dem Bauwerk handelt es sich um die Ponte Morandi, die auch als Polcevera-Viadukt bezeichnet wird. Sie überspannt ein Gebiet mit Gleisen und Gewerbeflächen.

Hunderte Einsatzkräfte sind vor Ort. Sie setzten Spürhunde ein, um nach weiteren Opfern zu suchen, und schweres Gerät, um Trümmerteile anzuheben. Das Verteidigungsministerium kündigte an, Soldaten nach Genua zu schicken, um die Suche nach den Opfern zu unterstützen. In der Nähe des Unglücksorts wurden vorsichtshalber Häuser evakuiert. Der Eisenbahnverkehr rund um Genua wurde eingestellt.

Trümmer der eingestürzten Brücke in Genua | Bildquelle: LUCA ZENNARO/EPA-EFE/REX/Shutter
galerie

Trümmer der eingestürzten Autobahnbrücke...

Trümmer der eingestürzten Brücke in Genua | Bildquelle: LUCA ZENNARO/EPA-EFE/REX/Shutter
galerie

...in der italienischen Hafenstadt Genua.

"Entsetzliche Tragödie"

Der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli bezeichnete den Einsturz der Autobahnbrücke als "entsetzliche Tragödie". Innenminister Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Lega dankte den Rettungskräften für ihren schnellen Einsatz.

Bauwerk aus den 1960er-Jahren

Das 1967 eingeweihte Bauwerk aus Spannbeton führt über das Polcevera-Tal und überquert den gleichnamigen Fluss, Bahnanlagen sowie Wohn- und Gewerbegebiete. Die vom italienischen Ingenieur Riccardo Morandi (1902-1989) entworfene Schrägseilbrücke galt als ein Meisterwerk der Architektur des 20. Jahrhunderts.

Der etwa 1100 Meter lange Viadukt wird von 90 Meter hohen Pylonen - drei davon mit Schrägseilen - gestützt.

Marode - oder immer wieder kontrolliert?

Laut ARD-Korrespondentin Ellen Trapp galt das Bauwerk indes als marode. Die Behörden vermuteten, dass der Einsturz durch strukturelle Schwächen am Bau ausgelöst wurde. Teile des Untergrundes könnten durch das Unwetter weggerutscht sein. Staatssekretär Rixi kritisierte, es sei "inakzeptabel, dass eine so wichtige Brücke nicht in einer Art und Weise gebaut war, dass ein Einsturz ausgeschlossen ist".

Die Betreibergesellschaft Autostrade per Italia trat diesem Eindruck entgegen. Auf ihrer Homepage teilte sie mit, zum Zeitpunkt des Unglücks sei an der Sohle des Viadukts gerade gearbeitet worden. Ziel der Bautätigkeit sei gewesen, das Fundament der Fahrbahn auf dem Viadukt zu verstärken. Auf der Brücke selbst habe ein Baukran gestanden.

Der Zustand der Brücke sowie der Fortgang der Renovierung seien immer wieder kontrolliert worden. Erst wenn ein gesicherter Zugang zur Unfallstelle möglich sei, könne Näheres über die Ursachen des Einsturzes gesagt werden.

Der französische Präsident Emmanuel Macron bot der italienischen Regierung "jede notwendige Hilfe"an. Bundeskanzlerin Angela Merkel übermittelte den Angehörigen der Opfer ihre Anteilnahme.

Über dieses Thema berichteten am 14. August 2018 das ARD-Mittagsmagazin um 13:30 Uhr sowie die tagesschau um 14:00 Uhr und 15:00 Uhr.

Darstellung: