Milo Yiannopoulos  | Bildquelle: AP

Breitbart-Blogger Yiannopoulos "Grässlich, fanatisch, rassistisch"

Stand: 07.02.2017 09:19 Uhr

Erzkonservativ, schwul, rechts: Milo Yiannopoulos, Blogger für die ultrarechten "Breitbart News" und glühender Trump-Verehrer. Er liebt den großen Auftritt und die Provokation, nennt sich selbst gern "die gefährlichste Schwuchtel der Welt".

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Er liebt den großen Auftritt: Milo Yiannopoulos ließ sich schon mal auf einem Thron zum Rednerpult tragen oder von einer Mariachi-Band begleiten, in einen Poncho gehüllt und Rumba-Kugeln schüttelnd. Dann ist der 32-Jährige in seinem Element: Alle Augen richten sich auf ihn und das, was er zu sagen hat. Auf einer Rallye in Cleveland wird er mit den Worten "die gefährlichste Schwuchtel der Welt" angekündigt - so beschreibt sich der Brite auch gern selbst.

Während des Parteitages der Republikaner, auf dem Donald Trump zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wurde, hielt Yiannopoulos die Veranstaltung "Gays for America" ab. Trump nennt er zärtlich "Daddy". Yiannopoulos ist erzkonservativ, das Schwulenmagazin "Out" beschrieb ihn in einem langen Porträt als den rechten Kanye West oder die Kim Kardashian der National Rifle Association: gutaussehend, aber brandgefährlich.

Steine und Molotowcocktails in Berkeley

Und wo Milo, wie er der Einfachheit halber oft genannt wird, hinkommt, gibt's Radau. Wie zuletzt an der University of California in Berkeley. Die Gruppe republikanischer Studenten "Berkeley College Republicans" hatte den britischen Journalisten eingeladen, der seit etwas über einem Jahr für das rechtskonservative Portal Breitbart tätig ist. 1500 Menschen demonstrierten am Veranstaltungsort, später flogen Steine und Molotowcocktails, die Veranstaltung wurde abgesagt.

Beim konservativen Sender Fox News beschwerte er sich am Tag darauf darüber, dass seine Meinungsfreiheit beschnitten werde: "Hier wird mit politisch motivierter Gewalt auf eine völlig durchschnittliche Haltung reagiert." Völlig durchschnittlich? Eher am Ende des rechten Spektrums. Im vergangenen Jahr absolvierte Milo Yiannopoulos eine ganze Tournee von Campus-Terminen - die "Dangerous Faggot Tour". Oft stößt er mit seiner zugespitzten Kritik an Feminismus, Einwanderung oder der "Black Lives Matter"-Bewegung auf Protest.

Proteste an der US-Universität Berkeley gegen Breitbart-Blogger Milo Yiannopoulos | Bildquelle: AP
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1500 Menschen protestierten vergangene Woche gegen Yiannopoulos an der US-Universität Berkeley. Erst friedlich, ...

Proteste an der US-Universität Berkeley gegen Breitbart-Blogger Milo Yiannopoulos | Bildquelle: AFP
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... später flogen Steine und Molotowcocktails, Mülltonnen wurden angezündet.

"Du trägst ein Kopftuch - was soll das?"

Während seiner Reden tauchen regelmäßig Demonstranten auf oder Zuschauer widersprechen ihm. Wie eine junge Frau an der Universität in New Mexiko, die ein Kopftuch trägt. "Du trägst ein Kopftuch in Amerika - was soll das?" fragt Yiannopoulos vom Rednerpult. Die Menge klatscht und goutiert seinen Spruch mit "USA, USA"-Rufen. Die Frau hebt die Faust und skandiert ebenso "USA, USA" - auch sie fühlt sich zu den USA dazugehörig, hat aber in der Menge keine Chance.

Ein anderes Mal hält Yiannopoulos ein Schild mit der Telefonnummer der Einwanderungsbehörde ICE in die Luft und fordert seine Zuhörer auf, bei dem Verdacht einen Illegalen zu sehen, die Behörde zu informieren.

Shitstorm gegen schwarze Schauspielerin

Größere Bekanntheit erlangte Yiannopoulos im vergangenen Jahr, als Twitter ihn lebenslang sperrte. Der Vorwurf: Er soll einen beleidigenden und rassistischen Shitstorm gegen die schwarze Schauspielerin Leslie Jones orchestriert haben. Schon 2014 hatte er eine Riesendosis Antifeminismus in die "Gamergate"-Debatte injiziert, in der es um weibliche Mitglieder und Kritikerinnen der Computerspieleindustrie ging.

"Grässlich, fanatisch, rassistisch"

Auch der schwarze Journalist Shaun King geriet in sein Fadenkreuz. Er urteilte über Yiannopoulos: "Das ist kein Kreuzritter für freie Meinungsäußerung. Er ist konsequent grässlich, oft fanatisch und rassistisch. Er greift fast ausschließlich Menschen anderer Hautfarbe an. Leute, die wie er glaubt seinen Positionen feindlich gegenüberstehen. Er hat keine Ahnung, wie viel Leid er auslöst. Er sucht verzweifelt nach Aufmerksamkeit, wie eine schlechte Nummer im Zirkus."

Die Aufmerksamkeit ist ihm gewiss. Im März soll sein Buch "Dangerous" erscheinen. Schon jetzt ist es auf der Liste der Vorbestellungen bei Amazon auf Platz 1.

Breitbart-Redakteur Milo Yiannopoulos
N.Markwald, ARD Los Angeles
07.02.2017 08:38 Uhr

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