Ein Screenshot einer umstrittenen Jesus-Parodie auf Netflix in Brasilien. | Bildquelle: AFP

Brasilien Netflix muss Jesus-Parodie löschen

Stand: 09.01.2020 04:55 Uhr

Jesus kommt zu Weihnachten nach Hause und deutet an, schwul zu sein: Eine Netflix-Parodie in Brasilien muss aus dem Netz genommen werden. Religiöse Gruppen hatten Gotteslästerung gewittert und teils gewaltsam protestiert.

Netflix muss eine Weihnachtssendung einer brasilianischen Satire-Gruppe angesichts massiver Kritik aus der Kirche aus dem Programm nehmen. Dies ordnete Richter Benedicto Abicair in Rio de Janeiro an. Er folgte damit einer Petition einer katholischen Organisation, die die Ehre von Millionen Gläubigen durch die Ausstrahlung der Sendung "A Primeira Tentação de Cristo" (Die erste Versuchung Christi) verletzt sieht.

Produziert wurde der Kurzfilm beim Streaming-Dienst Netflix von der in Rio ansässigen Firma Porta dos Fundos, deren Büro an Heiligabend Ziel einer Molotowcocktail-Attacke wurde. In der Sendung kehrt Jesus an seinem 30. Geburtstag nach Hause zurück und deutet an, schwul zu sein. Religiöse Gruppen verdammten dies als Gotteslästerung. Eine Online-Petition sammelte Millionen Unterschriften für ein Verbot des Films. Dessen Macher verteidigten ihre Produktion indes als legitimen Ausdruck der Meinungsfreiheit.

Vorwurf der Zensur

Richter Abicair erklärte nun, eine Streichung der Sendung aus dem Streaming-Programm sei "nicht nur von Vorteil für die christliche Gemeinde, sondern für die brasilianische Gesellschaft, die überwiegend christlich ist". Netflix wollte sich zunächst nicht dazu äußern. Porta dos Fundos wollte ebenfalls fürs erste keinen Kommentar abgeben. Mit seiner Entscheidung wandte sich Richter Abicair gegen ein vorangegangenes Urteil, das sich gegen eine Zensur des Programms gerichtet hatte.

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