Luiz Inacio Lula da Silva | Bildquelle: AP

Wahl in Brasilien Ex-Präsident Lula darf nicht kandidieren

Stand: 01.09.2018 05:44 Uhr

Ein Gericht hat entschieden: Brasiliens Ex-Präsident Lula darf nicht bei der Präsidentenwahl im Oktober antreten. In Umfragen liegt er zwar auf Platz eins, er sitzt aber wegen Korruption im Gefängnis.

Brasiliens inhaftierter Ex-Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva darf bei der anstehenden Präsidentenwahl im Oktober nicht kandidieren. Das entschied das Oberste Wahlgericht nach einer achtstündigen Sitzung. Lula kann gegen diese Entscheidung noch in Berufung gehen.

Zwölfjährige Haftstrafe wegen Korruption

Lula sitzt derzeit eine zwölfjährige Haftstrafe wegen Korruption ab. Ausgerechnet ein von ihm selbst eingebrachtes Gesetz verbietet die Bewerbung von Vorbestraften um öffentliche Ämter.

Mitte August hatte die Arbeiterpartei PT dennoch seine umstrittene Kandidatur auf den Weg gebracht. Begleitet von Tausenden Sympathisanten schrieb sie den 77-Jährigen ins Wahlregister ein. Auf Transparenten und in Sprechchören hatten die Demonstranten die Freilassung von Lula gefordert.

In Umfragen führt der ehemalige Gewerkschafter, der von 2003 bis Ende 2010 Präsident war, mit großem Abstand vor all seinen Mitbewerbern.

Gleisi Hoffmann zeigt bei einer Demonstration die Einschreibungsunterlagen von Luiz Inácio Lula da Silva | Bildquelle: AFP
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Gleisi Hoffmann, Vorsitzende der Arbeiterpartei, zeigt bei einer Demonstration die Einschreibungsunterlagen von Lula.

Hauen und Stechen um Stimmen

Nun dürfte ein Hauen und Stechen um die Stimmen seiner Anhänger beginnen. Zwar könnte Vizekandidat Haddad von Lulas Popularität profitieren - ob wirklich alle Lula-Fans für die Kopie stimmen, wenn das Original nicht auf dem Wahlzettel steht, ist allerdings fraglich.

Zweitplatzierter in den Umfragen ist der ultra-rechte Ex-Fallschirmjäger Jair Bolsonaro, der gegen Homosexuelle und Minderheiten hetzt und die Militärdiktatur (1964-1985) verherrlicht. Er schockierte immer wieder mit Entgleisungen.

Ins Rennen geht auch die frühere Umweltministerin Marina Silva. Die evangelikale Christin aus einfachen Verhältnissen gilt vielen als Hoffnungsträgerin. Kommentatoren bezweifeln jedoch, dass die farbige Politikerin sich in einer Stichwahl gegen den Widerstand der mächtigen Eliten durchsetzen kann.

Insgesamt dürften sich im Oktober wohl 13 Kandidaten um das höchste Amt in dem riesigen Land bewerben. In der zweiten Runde könnte der Mitte-Rechts-Kandidat Geraldo Alckmin davon profitieren, dass viele Wähler den rechtsradikalen Bolsonaro um jeden Preis verhindern wollen.

Brasilien in der Krise

Brasilien steckt in einer schweren Krise. Vor einigen Jahren galt die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas noch als aufstrebende Regionalmacht, heute ist das Land ein Sorgenkind. Durch die jüngsten Korruptionsskandale ist fast die gesamte politische Klasse des Landes diskreditiert.

Nach einer schweren Rezession erholt sich die Wirtschaft nur langsam. Die Olympischen Spiele und die Fußballweltmeisterschaft sorgten nicht für den erhofften Aufschwung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. September 2018 um 06:00 Uhr.

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