Der brasilianische Präsident Bolsonaro hält eine Hydroxychloroquin-Tablette in die Kamera (Bildschirmaufnahme aus einem Video von Bolsonaros Facebookseite).  | Bildquelle: facebook

Corona in Brasilien Bolsonaro lässt sich nicht beirren

Stand: 09.07.2020 07:54 Uhr

Wer gehofft hatte, die eigene Erkrankung würde Brasiliens Präsidenten umstimmen, sieht sich getäuscht. Bolsonaro betont, es gehe ihm gut - und schwört auf das umstrittene Mittel Hydroxychloroquin.

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires

"Ich nehme jetzt die dritte Dosis Hydroxychloroquin." Vor laufender Kamera nimmt Jair Bolsonaro die weiße Pille ein. Dass er sich mit dem Coronavirus angesteckt hat, ändert seine Meinung über die Pandemie nicht.

Im Gegenteil: Er nimmt die eigene Infektion als Beweis dafür, dass er von vornherein richtig lag, mit seiner Einschätzung, die Krankheit sei nur eine kleine Grippe, die den meisten Menschen nichts anhaben kann. Er fühle sich sehr gut, sagt er. "Mir ging es nicht so gut am Sonntag, schlecht am Montag, aber heute fühle ich mich viel besser als am Samstag. Mit Sicherheit funktioniert dieses Ding hier also." 

Glaube an Hydroxychloroquin

Mit diesem Ding meint er Hydroxychloroquin, ein Malariamedikament, auf das er und sein Vorbild US-Präsident Donald Trump schwören. Sie halten es für eine Art Wundermittel gegen das Coronavirus.

Dabei warnen Ärzte vor dem Einsatz gegen Covid-19. Aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation lässt sich keine Wirkung des Medikaments beweisen, allerdings hat es Nebenwirkungen, sodass Studien sogar vorzeitig abgebrochen werden mussten. Aber Wissenschaft interessiert Bolsonaro ohnehin nicht sonderlich.

"Wir wissen, dass es heute andere Medikamente gibt, die dabei helfen, das Coronavirus zu bekämpfen. Keines hat seine Wirkung wissenschaftlich bewiesen, aber bei mir klappt es. Ich vertraue auf Hydroxychloroquin."

Bolsonaro arbeitet weiter

Wer gehofft hatte, die eigene Erkrankung würde Brasiliens Präsidenten nachdenklicher stimmen, so wie es beim britischen Premier Boris Johnson war, sieht sich getäuscht. Ostentativ gibt er Interviews, trifft sich mit Ministern, arbeitet weiter.

Oliver Stuenkel, Politik-Analyst bei der Getúlio Vargas-Stiftung, einer angesehenen brasilianischen Hochschule, sagt dazu:

"Er geht natürlich davon aus, dass er nicht schwer erkranken wird und er wird versuchen, das zu nutzen, um zu zeigen, dass es sich bei Covid-19 tatsächlich nicht um eine große Gefahr für die brasilianischen Bürger handelt."

Die Botschaft, die Bolsonaro vermitteln will, ist so einfach wie klar, sagt Stuenkel: "Seht Ihr, das ist alles völlig übertrieben."

Bolsonaros Umfragewerte sinken

Kein Wort davon, dass Brasilien nach den USA die meisten Covid-19-Fälle hat. Fast 1,7 Millionen Menschen haben sich infiziert, 67.000 sind gestorben.

In Umfragen ist die Zustimmung zu Bolsonaro auf rund ein Viertel gesunken. Und die vielen Brasilianer, die seine Politik ablehnen, trauen seinen Worten inzwischen gar nicht mehr. Viele glauben sogar, die Erkrankung sei eine Lüge, um von den innenpolitischen Skandalen und Problemen Bolsonaros abzulenken.

"Ganz ehrlich", sagt eine Passantin, "ich weiß nicht ob er die Wahrheit sagt. Wahrscheinlich wird er in zwei Tagen wie durch ein Wunder auftauchen und behaupten, Chloroquin habe ihn geheilt, obwohl es doch viele Studien gibt, die belegen, dass das Mittel nicht wirkt." Eine andere fügt hinzu: "Ich habe große Angst, dass dieses Gerede von Corona nur dazu dient, zu zeigen, dass Chloroquin die Lösung ist."

Quarantäne für Bolsonaros Kontakte

Wegen der Erkrankung Bolsonaros müssen viele Menschen in Quarantäne. Er hatte in den Tagen vor der Diagnose offenbar Kontakt zu Hunderten Menschen - darunter Politiker, Botschafter und die Chefs großer brasilianischer Unternehmen.

Brasilien - Bolsonaro fühlt sich in seiner Corona-Politik bestätigt
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
09.07.2020 07:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juli 2020 um 06:16 Uhr.

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