Rauch steigt während eines Brandes im Amazonas-Gebiet in Novo Progresso auf.  | Bildquelle: dpa

Amazonas in Flammen So viele Brände wie noch nie

Stand: 30.08.2020 11:51 Uhr

Es ist ein trauriger Rekord: Im brasilianischen Amazonaswald wurden so viele Brände wie noch nie zuvor gezählt. Die Brandbekämpfung ist zum Spielball der Politik geworden.

Die Zahl der Brände im brasilianischen Amazonaswald nimmt weiter zu. Im August wurden laut dem staatlichen Klimainstitut Inpe mehr als 7.600 Brandherde alleine im Gliedstaat Amazonas registriert, so viel wie noch nie für einen August seit Beginn der Messungen im Jahr 1998.

Seit Jahresbeginn registrierte Inpe bereits 10.234 Brände, was einer Steigerung von fast 52 Prozent im ersten Halbjahr entspricht. Mit über 1,5 Millionen Quadratkilometern liegt rund die Hälfte des brasilianischen Regenwaldes im Gliedstaat Amazonas.

Regierungswechsel mit Folgen

Im vergangenen Jahr waren im August 6668 Brandherde gezählt worden, der seit 1998 zweithöchste Wert. Der dritthöchste lag 2005 mit 5.981 Bränden vor. Aufgrund schärferer Kontrollen hatte die Regierung der linken Arbeiterpartei (2003-2016) sowohl die Abholzung wie auch die Brände reduzieren können. So wurden im August 2011 nur noch 1543 Brände gezählt.

Doch seit Amtsübernahme des rechtspopulistischen Präsidenten Jair Messias Bolsonaro steigt die Umweltvernichtung wieder an. Die Trockenzeit beginnt in der Region im Mai. Im August ist der Wald dann am trockensten und damit am anfälligsten für Brände.

Meist wurden Brände gelegt

In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei um gelegte Brände, oft von Landspekulanten und Bauern. Zudem machen Experten die Regierung verantwortlich - diese habe die Kontrollbehörden Ibama und ICMBio vorsätzlich finanziell und personell heruntergewirtschaftet.

Teile des Amazonas-Regenwaldes stehen in Flammen. | Bildquelle: REUTERS
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Im August ist es im Amazonas am trockensten - der Wald ist dann am anfälligsten für Brände.

Brandbekämpfung wird zum Politikum

Am Freitag hatte das Umweltministerium angekündigt, ab Montag sämtliche Aktionen zur Bekämpfung von Bränden in Amazonien und im angrenzenden Pantanal-Sumpfgebiet sowie den Kampf gegen die ebenfalls ausufernde Abholzung einzustellen. Hintergrund seien Haushaltskürzungen.

Allerdings intervenierte Vizepräsident Hamilton Mourao und versicherte, dass die Gelder freigegeben und die Kontrollen fortgesetzt würden. Mourao ist seit Monaten bemüht, Brasiliens schlechtes Umweltimage aufzupolieren.

Gefahr für die Ökosysteme

Experten warnen, dass Brände und Abholzung nicht nur die Ökosysteme am Amazonas in akute Gefahr bringen, sondern auch die globalen Klimaschutz-Bemühungen zurückwerfen. Denn dadurch nähere sich der Regenwald allmählich einem Wendepunkt - etwa zwei Drittel der Fläche würden dann dauerhaft zu einer tropischen Savanne.

Im Vergleich zum ursprünglichen Zustand sei der Amazonas-Wald schon jetzt um etwa 17 Prozent geschrumpft - und beim derzeitigen Tempo der Rodungen werde der Punkt in 15 bis 30 Jahren erreicht sein, sagt der brasilianische Klimaforscher Carlos Nobre.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Juli 2020 um 10:00 Uhr und am 07. August 2020 um 16:30 Uhr.

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