Streiks und Demos in Brasilien | Bildquelle: AP

Generalstreik in Brasilien Die große Wut

Stand: 29.04.2017 08:21 Uhr

Es begann als Generalstreik und schlug vielerorts in Gewalt um: In Rio de Janeiro steckten Demonstranten Busse an, in Sao Paulo setzte die Polizei Tränengas ein. Die Bürger in Brasilien sind wütend und enttäuscht von ihrer Regierung.

Von Anne Herrberg, ARD Südamerika

Das sind die Bilder, die am Schluss bleiben: Rio de Janeiro, Zentrum, die Luft ist diesig und schwer von Rauch und Tränengas, mehrere Busse und Mülltonnen stehen in Flammen. Eine kleine Gruppe schwarz vermummter Demonstranten, sogenannte Black Blocks randalieren, die Polizei sprüht Tränengas wahllos in die Menge. Chaos.

Dabei war der Tag des ersten Generalstreiks in Brasilien seit 20 Jahren im Großen und Ganzen eher ruhig verlaufen. Auslöser waren geplante wirtschaftsliberale Reformen der Regierung von Präsident Michel Temer, die eine Flexibilisierung der Arbeiterrechte zum Ziel haben. Dazu soll bei den Renten gekürzt werden.

Ein Demonstrant springt auf ein Polizeiauto | Bildquelle: AP
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Rauch und Tränengas: Der Streik kippte in Gewalt um

Brennende Busse in Rio de Janeiro | Bildquelle: REUTERS
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In Rio de Janeiro zündeten Demonstranden Busse an

40 Millionen Menschen demonstrierten

Soziale Bewegungen und Gewerkschaften hatten zum Protest aufgerufen. Jorge Castellano arbeitet im Gesundheitsministerium, er ist mit roter Fahne in Rio de Janeiro unterwegs: "Wir streiken, weil die Regierung die Rechte der Arbeiter einschränken will, sie will unsere Arbeitsplätze auslagern, sodass wir keine Rechte mehr haben. Und sie will an unsere Rente. Was bedeutet das? Das wir uns nicht zur Ruhe setzen können, sondern bis ins Grab arbeiten müssen." 

Schulen und Banken blieben geschlossen, bei Bussen und Bahnen gab es starke Einschränkungen, Straßen wurden blockiert. Teilweise kam es zu Verzögerungen beim Flugverkehr. Etwa 40 Millionen Menschen protestierten mit dem Streik gegen die Sparpolitik der Regierung Temer.

Gewaltsame Proteste in Brasilien
tagesschau 20:00 Uhr, 29.04.2017, Richard Klug, ARD Rio de Janeiro

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Eine Kampagne von Ex-Präsident Lula?

Hochburgen der Streiks waren vor allem Teile der Industrie- und Wirtschaftsmetropole Sao Paulo und Städte im Nordwesten des Landes. Das sind Orte, an denen die Arbeiterpartei und Ex-Präsident Lula nach wie vor großen Rückhalt genießen, auch weil ihre Sozialprogramme dort großen Erfolg hatten.

Ein Taxifahrer in Rio glaubt, dass der Streik Teil einer politischen Kampagne ist: "Laut den Medien ist dieser Streik von der Arbeiterpartei und dem ehemaligen Präsidenten Lula organisiert worden, deswegen haben viele nicht mitgemacht, die gegen Lula sind. Ich weiß auch nicht, was ich denken soll, die Regierung hat keine Antwort, die anderen auch nicht, es geht einfach alles total den Bach runter."

"Alle haben Angst um ihre Arbeit"

Der Streik spaltet Brasilien: Während ihn die einen als Kampf für die Rechte der Arbeiter sehen, sagen andere: Die Gewerkschaften, insgesamt gibt es in Brasilien 17.000, kämpften eben auch nur einseitig für ihre Interessen.

Luiz Santos Maria, der mit seinem Fahrrad Lieferungen eines kleinen Supermarktes ausfährt, kann beide Seiten verstehen. Als Vater von drei Kindern kann er es sich aber einfach nicht leisten, zu streiken: "Du siehst es ja selbst, das Land steckt in der Krise, alle haben Angst um ihre Arbeit. Und mein Chef braucht mich, er kämpft selbst. Ich fände es unfair ihm gegenüber, zu streiken. Auch wenn ich die Gründe für den Streik verstehe: Die Regierung arbeitet für die Interessen der Unternehmen und tut nichts für das Volk." 

Vertrauen in Politik auf dem Tiefstand

Das Gros der Arbeiter in Brasilen hat wie Luiz keine Interessenvertretung. Und 14 Millionen im 200 Millionen Einwohnerland haben derzeit auch keinen Job mehr, sagen die gerade veröffentlichten Zahlen.

Das Land steckt in der Krise, das Vertrauen in die Politik ist - auch aufgrund eines gigantischen Korruptionsskandals - auf Tiefstand, die Fronten sind verhärtet. Dass die Streik-Kundgebung in Rio de Janeiro letztlich im Chaos endete, auch wenn dies nur von einer kleinen Gruppe provoziert wurde, ist doch ein Spiegel der Situation im Land. Die Krise sorgt für Ohnmacht, für Wut und für große Ratlosigkeit.

Generalstreik gegen Temers Wirtschaftsreformen
A. Herrberg, ARD Buenos Aires
29.04.2017 07:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. April 2017 um 09:00 Uhr.

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