Bei einem Brand in der russischen Stadt Kemerowo starben mindestens 64 Menschen. | Bildquelle: AFP

Feuerkatastrophe im Einkaufszentrum Kein Feueralarm, keine Notausgänge

Stand: 26.03.2018 13:52 Uhr

Nach dem Feuer im Einkaufszentrum von Kemerowo herrscht in Russland Entsetzen über die Ausmaße der Brandkatastrophe. Und Wut über die Umstände, die dazu geführt haben.

Von Hermann Krause, ARD-Studio Moskau

Es ist eine schreckliche Tragödie, nicht nur für Kemerowo. Die Hauptstadt des Industriegebietes Kuzbass in West-Sibirien steht unter Schock, aber auch in ganz Russland sind die Menschen entsetzt über das Ausmaß an Schlamperei und Fahrlässigkeit.

Das Einkaufszentrum mit drei Kinos und Sälen mit Spielautomaten war in ein ehemaliges Fabrikgebäude hineingebaut worden, es gab keine Sprinkleranlage, keinen Feueralarm, keine Notausgänge. Elementarste Regeln wurden verletzt. "Als ich die Schreie 'Feuer, Feuer' hörte, dachte ich, es müsste doch jetzt eine Alarmanlage anspringen", berichtet eine Augenzeugin. "Aber nichts, es gab kein Signal. Die Menschen liefen schreiend umher."

Viele Tote und Verletzte nach Feuer im Einkaufszentrum im sibirischen Kemrowo
tagesschau 14:00 Uhr, 26.03.2018, Demian von Osten, ARD Moskau

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Türen waren blockiert

Ausgebrochen war das Feuer in der vierten Etage. Als die Leute, die im Kino saßen, raus wollten, waren die Türen blockiert. Eine Mutter berichtete im Fernsehen: "Meine Tochter war auch dort mit ihrer Freundin. Als  sie die Flammen und den Rauch sahen, wollten sie rauslaufen. Aber die Wachleute sagten: Nein, nehmt ein anderes Treppenhaus!" Zweimal wurden die Mädchen noch zurückgewiesen von Wächtern, wie durch ein Wunder entkamen sie dennoch den Flammen.

Rettungsfahrzeuge stehen vor dem Einkaufszentrum in der sibirischen Stadt Kemerowo. | Bildquelle: dpa
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Unter den Opfern des Feuers im Einkaufszentrum waren besonders viele Kinder.

Eine Elfjährige, die nicht mehr raus kam, rief auf dem Handy ihre Eltern an und sagte: "Mama wir verbrennen, ich liebe Euch". Berichtet wird von einem Vater, der seine beiden Kinder in dem Qualm nicht finden konnte. Sie verbrannten, während er überlebte. Nach kurzer Zeit begann sich das Feuer aufgrund der Plastikverkleidung explosionsartig auszubreiten.

"Wir versuchten zu helfen, die Besucher nach draußen zu bringen. Aber der Geruch des Plastik war so stark und der Rauch so streng, dass wir es bis zur vierten Etage nicht schafften"; sagt ein junger Mann, der wie viele Freiwillige versuchte, Kinder zu bergen. Berichtet wird, dass Menschen aus den Fenstern sprangen. Das Feuer brach am Sonntag um 14 Uhr Ortszeit aus. Zuerst erkannte man das Ausmaß der Tragödie nicht.

Bei einem Brand in der russischen Stadt Kemerowo starben 64 Menschen. | Bildquelle: AP
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Vor dem Unglücksort versammeln sich trauernde Menschen, die der Opfer mit Blumen gedenken.

"Die Ursache ist Fahrlässigkeit"

Vor der Ruine des ehemaligen Einkaufszentrums liegt ein Meer von Blumen, dazwischen Teddybären und Puppen. Anna Kusnezowa, die Kinderrechtsbeauftragte beim Präsidenten: "Die Ursache ist Fahrlässigkeit. Es gibt Gesetze und Normen, aber die Art, wie damit umgegangen wird, ist katastrophal. Überall in Russland gibt es solche Einkaufs- und Vergnügungszentren. Sie müssen alle überprüft werden. Sorgfältig und verantwortungsvoll!"

Bekannt ist, dass man in Russland mit Geld Brandschutzauflagen umgehen kann, gerade in diesem Bereich ist Korruption verbreitet. Festgenommen wurden der Direktor des Einkaufszentrums und sein Sicherheitschef und zwei weitere Personen. Im Moment geht man davon aus, dass das Feuer durch einen Kabelbrand verursacht wurde.  

Tragödie in Sibirien: Keine Notausgänge, kein Feueralarm in Einkaufszentrum
Hermann Krause, ARD Moskau
26.03.2018 13:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. März 2018 um 14:00 Uhr.

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