Feuerwehrleute bekämpfen einen Brand. | AFP

Türkei, Italien, Griechenland Waldbrände am Mittelmeer wüten weiter

Stand: 01.08.2021 23:32 Uhr

In den Urlaubsregionen am Mittelmeer kämpfen Feuerwehrleute weiter gegen die verheerenden Waldbrände. Nach der Türkei und Italien sind nun wegen der extremen Hitze auch in Griechenland zahlreiche Brände ausgebrochen.

Mit der Hitzewelle in Griechenland sind dort nun auch zahlreiche Waldbrände ausgebrochen. Mindestens 16 Menschen mussten wegen Atemwegsbeschwerden in Krankenhäusern auf dem Peloponnes behandelt werden, berichtete das Staatsfernsehen. Allein auf der Halbinsel wüten nach Angaben des griechischen Zivilschutzes 58 Feuer - allerdings konnten die meisten Brandherde schnell unter Kontrolle gebracht werden.

Mehrere Häuser im Raum der Kleinstadt Egion wurden zerstört. Die Brände konnten am Sonntagmorgen eingedämmt werden. Die Brandgefahr bleibt aber wegen der Dürre hoch, warnte der Zivilschutz. Unterdessen dauert die "historische Hitzewelle" - wie zahlreiche Meteorologen sie bezeichnen - an. Nachdem in den vergangenen Tagen die Thermometer Werte bis 43 Grad zeigten, wurden am Sonntag stellenweise Temperaturen um die 45 Grad erwartet.

Kein Ende der griechischen Hitzewelle in Sicht

Am Montag und Dienstag soll es einen neuen Höhepunkt geben, teilte das griechische Wetteramt mit. Schlimm ist, dass es auch nachts vor allem in den Ballungszentren mit Temperaturen über 30 Grad heiß bleibt. Die Städte öffneten klimatisierte Hallen für die Einwohner, die zu Hause keine Klimaanlage haben. Arbeiten im Freien sollten so weit wie möglich reduziert werden, hieß es vom Arbeitsministerium.

Tierschutzvereine riefen die Einwohner auf, Wasser für streunende Tiere an schattigen Orten bereitzustellen und die Wassernäpfe immer wieder aufzufüllen. Wann die Hitze nachlassen wird, ist unklar. Einige Meteorologen befürchteten, diese gefährliche Situation könnte bis zu zwei Wochen andauern.

Kampf gegen Flammen in der Türkei

Auch in der Südtürkei setzen zahlreiche Einsatzkräfte ihren Kampf gegen die Flammen fort. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu brach am Samstag im Badeort Bodrum an der türkischen Ägäis erneut ein Feuer aus. Laut dem Sender CNN Türk wurde ein ganzes Viertel evakuiert, da die Flammen durch starke Winde aus dem nahe gelegenen Bezirk Milas angefacht wurden. 540 Menschen mussten demnach per Boot in Sicherheit gebracht werden, weil die Straßen nicht mehr benutzbar waren. 

Dutzende Dörfer mussten evakuiert werden, darunter auch in der Ferienregion Antalya wie türkische Medien berichten. Die Europäische Union unterstützt die Türkei im Kampf gegen dieBrände. Es würden zwei Löschflugzeuge aus Spanien und eines aus Kroatien zur Verfügung gestellt, teilte die EU mit. Zuletzt hatten Russland, die Ukraine, der Iran und Aserbaidschan Einsatzkräfte zur Unterstützung geschickt.

Die Brände waren am Mittwoch ausgebrochen und hatten sich durch Hitze und starken Wind rasch entlang der türkischen Mittelmeerküste ausgebreitet. Durch die Brände kamen nach offiziellen Angaben bislang mindestens acht Menschen ums Leben - unter ihnen ein deutsch-türkisches Ehepaar. Mehr als 300 Menschen wurden verletzt. Nach Aussagen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan lösten Kinder eines der Feuer in Marmaris aus.

Erdogan: Terrororganisation könnte hinter Bränden stecken

Landwirtschafts- und Forstminister Bekir Pakdemirli spricht inzwischen von mehr als 100 Waldbränden, von denen noch fünf nicht unter Kontrolle seien. Weil viele der Brände fast zeitgleich in der Nähe von beliebten Touristenorten ausgebrochen waren, ermitteln die Behörden auch wegen Brandstiftung. Es habe eine Festnahme gegeben.

Erdogan schloss nicht aus, dass Terrororganisationen die Brände gelegt haben. Seit Ausbruch der Brände spekulieren regierungsnahe Medien, die verbotene kurdische PKK könnte verantwortlich sein. Beweise dafür gibt es nicht.

Für die Türkei sind es die schlimmsten Brände seit gut einem Jahrzehnt. Seit Jahresbeginn wurden nach Behördenangaben fast 95.000 Hektar Fläche durch Brände zerstört. In den Jahren 2008 bis 2020 waren es im selben Zeitraum durchschnittlich nur rund 13.000 Hektar. 

Brände auf Sizilien

Italien meldete über 800 Brände, darunter allein 250 auf Sizilien. Auf der beliebten Urlaubsinsel kämpfen Hunderte Feuerwehrleute weiter gegen die verheerenden Waldbrände. Etwas mehr als 800 Menschen seien im Einsatz, teilte die Feuerwehr Sonntagmittag mit. In den zurückliegenden zwölf Stunden seien die Helfer mehr als 230 Mal wegen Buschfeuern ausgerückt. Landesweit flogen Löschflugzeuge aus der nationalen Flotte Einsätze. Neben einigen Provinzen auf Sizilien visierten sie auch Ziele in Kalabrien an der italienischen Stiefelspitze und in der Adria-Region Apulien an.

Auf Sizilien brannte es zuletzt besonders um die Großstadt Catania - dort waren auch Ferienanlagen betroffen. Bürgermeister Salvatore Pogliese schrieb auf Facebook von "komplett zerstörten" Bereichen im Süden der Stadt. Familien und Unternehmen seien von den Bränden betroffen gewesen.

Auf Sizilien herrschten in den vergangenen Tagen Temperaturen um 40 Grad Celsius. Wegen Trockenheit, Hitze und starken Winden verbreiteten sich die Flammen rasch. Einige Feuer wurden auf Brandstiftung zurückgeführt.

Ein Mann läuft vor einem Feuer in Italien entlang. | ROBERTO VIGLIANISI via REUTERS

Waldbrand auf Sizilien: Besonders betroffen ist der Osten der beliebten Urlaubsinsel. Bild: ROBERTO VIGLIANISI via REUTERS

Helferteams werden entsandt

Italiens Ministerpräsident Mario Draghi unterschrieb am Sonntagvormittag ein Dekret, mit dem Sizilien weitere Unterstützung aus anderen italienischen Regionen bekommen soll. Der Zivilschutzbehörde zufolge sollen Teams etwa aus Südtirol, der Lombardei, dem Piemont und Venetien entsendet werden. Der sizilianische Regionalpräsident Nello Musumeci hatte die Hilfe angefordert. Er sagte, in einigen Fällen seien die Brände gelegt worden. Dafür sollte es künftig lebenslange Haft geben.

Unwetter in Norditalien

Anders ist die Lage im Norden Italiens. Dort hatten heftige Regenfälle unter anderem in Südtirol für vollgelaufene Keller, Überschwemmungen und umgestürzte Bäume gesorgt. Die Zivilschutzbehörde Italiens hatte zuvor eine Unwetterwarnung für den Norden verschickt. Besonders gefährdet waren demnach auch die Voralpenregionen im Norden der Lombardei und um den Comer See.

Der Landwirtschaftsverband Coldiretti rechnet mit einem Schaden von mehreren Millionen Euro für die Landwirte in Norditalien. Bei den Unwettern habe Hagel Olivenbäume und Maisfelder beschädigt sowie den Obst- und Gemüseanbau beeinträchtigt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. August 2021 um 10:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Klärungsbedarf 01.08.2021 • 16:53 Uhr

um 16:21 von Thomas D.

>> Nein, das ist ein Missverständnis! Es beruht auf der Tatsache, dass @Mass Effect sich zu Recht über meine Reaktion auf einen Beitrag von @Werner40 beschwert, welchen ich nicht richtig gelesen hatte. Niemand hat (bislang) die von ihnen kommentierte Ansicht vertreten. << Ok .. ich habe das wie Sie falsch gelesen. Aber andersrum ist die Aussage ja genauso aberwitzig. Schließlich ist die Umwidmung ja verboten bzw. es wird nicht umgewidmet. Man müsste dann ja jede Umwidmung in Bauland verbieten.